66. Filmfestspiele Cannes"Gatsby bleibt trotzdem neu und spektakulär"

Der Festivalchef Thierry Frémaux erklärt, warum die Filmfestspiele von Cannes Baz Luhrmanns "Der große Gatsby" zwar zur Eröffnung zeigen, aber nicht als Weltpremiere. von Jan Schulz-Ojala

Der Festivalchef Thierry Fremaux während der Pressekonferenz zur Eröffnung der 66. Internationalen Filmfestspiele in Cannes

Der Festivalchef Thierry Fremaux während der Pressekonferenz zur Eröffnung der 66. Internationalen Filmfestspiele in Cannes  |  © Dominique Charriau/Getty Images

Frage: Monsieur Frémaux, von Ihrem Festival erwartet man zur Eröffnung eine möglichst spektakuläre Weltpremiere. Nun ist Baz Luhrmanns The Great Gatsby bereits letztes Wochenende groß in den USA gestartet, Cannes bleibt das bloße Nachspiel. Schadet das Festival damit nicht seinem Ruf?

Thierry Frémaux: Machen Sie sich keine Sorgen, The Great Gatsby bleibt auch so neu und spektakulär.

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Frage: Etwas Vergleichbares gab es in den letzten zehn Jahren nur einmal, 2004, mit Pedro Almodóvars La mala educación.

Frémaux: Richtig, und in Spanien kam der Film sogar schon zwei Monate vor Cannes ins Kino, nur hat sich damals niemand daran gestört. Hat das Festival darunter gelitten? Ich glaube nicht.

Frage: Als Sie Gatsby einluden, wussten Sie da schon von dem früheren US-Starttermin? Und wenn ja, haben Sie die Macher gedrängt, ihn wegen Cannes zu verschieben?

Frémaux: Bereits im letzten Herbst hatte Warner den 10. Mai als Starttermin festgelegt, und zwar weltweit. Nach Diskussionen mit uns hat das Studio entschieden, den Film nur in den USA zu diesem früheren Zeitpunkt herauszubringen, überall sonst eine Woche später. So blieb die amerikanische Karriere des Films gewahrt, und Cannes steht für den internationalen Start. Diese Verhandlungen waren von großem gegenseitigen Verständnis geprägt.

Frage: Die US-Studios vernachlässigen mehr und mehr auch die Top-Festivals, das stellt die Macher vor wachsende Probleme. Wo liegt für Sie die Grenze, jenseits derer man sich durch eine Einladung eher entwertet, statt noch mit einem Ereignis zu prunken?

Frémaux: Man kann das nicht verallgemeinern. Immer wenn die Studios uns einen Film präsentieren können, tun sie das auch, und wir freuen uns über ihr Vertrauen. Uns liegt sehr am Glamour, am Vergnügen und ebenso am "Ruhm", den das Ereignis rund um den roten Teppich mit sich bringt. Das gilt auch für große Produktionen, sogar für Blockbuster. Natürlich müssen wir dabei auf die Qualität der Filme achten und uns sicher sein, dass beide Seiten von dem Auftritt etwas haben. Wenn wir finden, ein Film passt nicht zum Festival, dann lehnen wir selbst Studioproduktionen ab – in aller Freundschaft.

Frage: Werden Weltpremieren für Sie insgesamt weniger wichtig?

Frémaux: Die Regel ist: Wir zeigen Weltpremieren. Fast alle Filme im Wettbewerb und in der Nebenreihe "Un certain regard" gehören dazu, und viele Produzenten warten sogar extra auf Cannes, um von dem Medienecho hier zu profitieren. Wir wollen dem Kino helfen und es mit dem Publikum zusammenbringen. Und wenn dann mal ein Film wie Gatsby zwecks bestmöglicher kommerzieller Strategie in seiner Heimat fünf Tage vor Cannes startet, nun gut, dann bringen wir ihn eben nur als internationale Premiere. Ausnahmsweise.

Erschienen im Tagesspiegel

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    • Schlagworte Film | Blockbuster | Festival | Cannes
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