TV-Serie "Hatufim" : Homeland Israel

Mit "Hatufim" kommt die israelische Vorlage von "Homeland" ins deutsche TV. Die Ur-Serie setzt mit dokumentarischen Szenen weniger auf Spannung als auf Authentizität.

17 Jahre vegetieren drei israelische Soldaten, Nimrod, Uri und Amiel, in einem Kellerloch. Die Terroristengruppe Kinder des Dschihad hält sie dort gefangen. Nach zähen Verhandlungen presst die israelische Regierung zwei der Männer frei. Als sie zu ihren Familien zurückkehren, beginnt für alle Beteiligten ein neues Drama. 

Als Howard Gordon und Alex Gansa, Produzenten der Erfolgsserie 24, auf die israelische Serie Hatufim (auf Deutsch: "entführt") stießen, kauften sie das Skript und beauftragten den Autor und Produzenten Gideon Raff mit der Adaption für den amerikanischen Markt. Aus den freigelassenen Israelis wurde ein US-Marine, aus den Dschihadisten im Libanon und in Syrien eine Al-Kaida-Gruppierung im Irak. Der Stoff wurde zu einer der meistdiskutierten Serien des vergangenen Jahres: Homeland

Fragt man Raff heute, was ihn damals antrieb, eine Geschichte über israelische Kriegsgefangene zu verfilmen, sagt er, das Thema habe ihm auf der Seele gebrannt. Wie jeder Israeli habe er mitgefühlt, als 2006 der Soldat Gilat Shalit von der Hamas entführt wurde. Und sich gefragt, wieso man nach der Rückkehr solcher Geiseln nichts mehr von ihnen hörte.

In der Serie Hatufim – In der Hand des Feindes, die jetzt auf arte anläuft, kommen Nimrod Klein (Yoram Toledano), Uri Zach (Ishai Golan) und Amiel Ben Chorin (Asi Cohen) durch einen Deal frei, Amiel ist verschwunden, vermutlich tot. Das ganze Land feiert, der Flughafen ist voll mit Medienvertretern und Schaulustigen. Doch ihren Frauen, Kindern und Geschwistern sind die Rückkehrer fremd geworden. Uris ehemalige Verlobte Nurit (Mili Avital) ist inzwischen mit seinem Bruder Yaki (Mickey Leon) verheiratet.

Während Homeland in seinem Spannungsaufbau bisweilen an 24 erinnert, setzt das israelische Pendant in der ersten Staffel fast gar nicht auf klassische Thrillerelemente. Die große Stärke der Serie liegt darin, dass sie zeigt, wie die Fiktion die Realität spiegelt. Die israelischen Zuschauer nahmen am Schicksal der fiktiven Ex-Gefangenen so sehr Anteil wie an dem Gilat Shalits. "Meine beiden Hauptdarsteller konnten keine Straße überqueren, ohne dass jemand auf sie zulief und sie umarmte", erzählt Raff.  

Shalit kam 2011 frei, für ihn tauschte Israel 1.027 Gefangene aus, darunter 280 verurteilte Mörder. So einen Deal gibt es auch in Hatufim. Nimrod trifft in einer Szene auf einen Mann, dessen Frau und Tochter in Jerusalem von dem Mann in die Luft gesprengt wurden, der für Nimrods und Uris Freilassung aus dem israelischen Gefängnis entlassen wurde.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren