Schauspieler Zach Braff (Archivbild) © Mario Anzuoni/Reuters

Nach den Gesetzen des Crowdfunding, hat Zach Braff alles richtig gemacht. Der Darsteller, bekannt aus der TV-Serie Scrubs, suchte Unterstützer für seine neue Regiearbeit auf Kickstarter. Sein Bewerbungsvideo für Wish I Was Here war lustig und authentisch, die Story des Films vage genug, um interessant zu sein, und als Belohnung versprach er T-Shirts, DVDs, Studiobesuche sowie exklusive Sneakpreviews. Mit Erfolg: 40.000 Unterstützer spendeten mehr als drei Millionen US-Dollar.

Wish I Was Here ist der zweite erfolgreich finanzierte Film auf Kickstarter innerhalb weniger Wochen. Im April hatten der Drehbuchautor Rob Thomas und die Schauspielerin Kristen Bell sogar 5,7 Millionen Dollar für eine Spielfilm-Fortsetzung der vor einigen Jahren abgesetzten TV-Serie Veronica Mars eingenommen. Von der Summe her war es die dritterfolgreichste Kickstarter-Kampagne aller Zeiten. Auch die Zahl der Unterstützer brach alle Rekorde: 90.000 hatte noch kein Projekt zuvor.

In der Filmbranche wird die Spendenfreudigkeit mit einer Mischung aus Häme, Neid und Unverständnis kommentiert. Tim Goodman, TV-Kritiker des Hollywood Reporter fragte in Reaktion auf den Erfolg von Veronica Mars, ob die "nächste Kickstarter-Kampagne die Gehälter der Warner-Manager finanzieren wird". Zach Braff bekäme von ihm nicht einen Groschen, schrieb der Autor und Emmy-Gewinner Ken Levine. Er sprach sogar von einer Ausbeutung Kickstarters durch Hollywood.

Die Kritik lässt sich auf zwei Fragen herunterbrechen: Sollen bekannte Schauspieler wirklich Crowdfunding betreiben? Und landen die Spenden der Fans unweigerlich in den Taschen der großen Studios?


Crowdfunding als Lebensstil

In den vergangenen Jahren ist das Crowdfunding zu einem Lebensstil geworden. Die Spendenökonomie gilt als offene und ehrliche Alternative zu Krediten, Banken und Beteiligungsgesellschaften. Zwar erreichen nur 40 Prozent aller Kampagnen auf Kickstarter ihr Ziel, doch wer erst einmal 20 Prozent der gewünschten Summe einholt, hat gute Aussichten auf den Rest. Vor allem aber ist es ein Modell für die vermeintlich "Kleinen": Für den Filmemacher, Künstler oder Musiker von nebenan, für Schulklassen, Blogger und Videospielentwickler, die gute Ideen haben, aber kein Geld, sie zu finanzieren.

Bis jetzt heimsten vor allem Gadgets und Videospiele die höchsten Summen auf Kickstarter ein, die Smartwatch Pebble etwa oder die Spielkonsole Ouya. Die meisten Projekte aber gibt es in der Kategorie "Film und Video". Insgesamt 137 Millionen US-Dollar haben Filmemacher seit April 2009 für verschiedene Projekte gesammelt. Als erster Crowdfunding-Film gewann die Kurz-Dokumentation Inocente im vergangenen Jahr einen Oscar. Auch die Spendensummen steigen an: Die fünf erfolgreichsten Filmprojekte stammen alle aus diesem Jahr – Veronica Mars und Wish I Was Here sind mit Abstand die Spitzenreiter der Kategorie.

"Ohne euch Fans käme dieser Film nie zustande", schrieb Braff auf Kickstarter. Was er meint: Ohne die Fans käme er nicht so zustande, wie er es gerne hätte. Denn Braff gibt in seinem Kampagnenvideo durchaus zu, dass er das Projekt auch auf traditionelle Weise realisieren könnte, dabei aber Freiheiten bei der Umsetzung einbüßen müsste. Seinen kreativen Spielraum lässt er sich nun von den Fans finanzieren.

Kritik an Mittelsmännern

Die Entscheidung steht in der Kritik, seit bekannt wurde, dass Braff zusätzlich einige Millionen US-Dollar  von einem Filmunternehmen bekommt. Es sei lediglich ein Kredit, der die Finanzierung sichere, bis die Einnahmen aus dem Auslandsvertrieb eintrudelten, sagt Braff. Eine Sicherheit, sonst nichts. Doch es zeigt, wie schwer das Konzept des Crowdfundings in die komplexe Welt der Filmwirtschaft passt.

Auch im Fall von Veronica Mars haben dritte Parteien ein Wörtchen mitzureden. Denn die Rechte an der Serie liegen bei Warner Brothers, einer der größten Filmgesellschaften Hollywoods. Mehr noch, Autor Rob Thomas versuchte bereits vergeblich, die Verantwortlichen bei Warner für eine Filmfortsetzung zu gewinnen. Ein Film über eine Serie, die am Ende die fünftschlechtesten Quoten aller laufenden Prime-Time-Sendungen hatte, war den Managern offenbar zu heikel. Erst nachdem die Fans großzügig spendeten, zeigte Warner Interesse und übernimmt nun neben dem Vertrieb des Films auch die Dankeschön-Geschenke für die Unterstützer.