Film "Schimpansen" : Forscher und Filmer auf der Suche nach dem wahren Affen

Der Film "Schimpansen" will keine reine Dokumentation sein, sagen der Regisseur und der Berater im Interview. Der Vorwurf des "Affenmärchens" sei deshalb unbegründet.

ZEIT ONLINE: Disney und das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie sind beide Weltmeister – die einen im Märchen-Erzählen, die anderen im Erforschen der Menschheitsgeschichte. Wie passt solch ein ungleiches Paar im Kino zusammen?

Christophe Boesch, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig: Mancher mag denken, ich als Max-Planck-Direktor sollte den klassischen, traditionellen Weg gehen. Aber so bin ich nicht. Ich bin auch Gründer der Wild Chimpanzee Foundation und kämpfe dafür, Schimpansen zu schützen. Vor 25 Jahren haben Alastair und ich zusammen eine Dokumentation über die Taï-Schimpansen gedreht – und beide gespürt, dass noch mehr zu erzählen ist. Ich dachte mir: Wenn ich mich mit dem Teufel Disney verbünde, dann könnten wir einen neuen Weg finden, um die Schimpansen zu unterstützen.

Alastair Fothergill, Regisseur: Christophe scherzt. Ich denke nicht, dass Disney ein Teufel ist. Disneynature macht Naturfilme und nimmt diese sehr ernst. Jeder einzelne Film ist wissenschaftlich genau. Und es gibt auch immer eine Kampagne, um etwas zurückzugeben. Für Earth wurden mehr als drei Millionen Bäume in einem Regenwald gepflanzt. Diesmal geht ein Teil der Einnahmen aus der ersten Kino-Woche an die Wild Chimpanzee Foundation. Wir brauchten Christophe, um diesen Film überhaupt drehen zu können.

ZEIT ONLINE: Herr Boesch, ohne Sie wäre die Filmcrew nicht einmal an die Protagonisten des Films herangekommen. Welche Bedingungen haben Sie für die Zusammenarbeit gestellt?

Boesch: Ziel war es, das natürliche Verhalten der Schimpansen zu filmen, ohne sie zu stören. Deswegen habe ich die Filmcrew auf maximal drei Leute begrenzt, die nicht näher als sieben Meter an die Tiere herankommen durften. Sie durften auch nicht so viele Objektive und Batterien mitnehmen wie üblich, damit sie mit ihrer Ausrüstung im Wald überhaupt noch laufen konnten. Und damit sie keine Tiere anstecken, mussten sie in Quarantäne, bevor sie in den Wald gekommen sind, und später hatten sie ständig einen Mundschutz zu tragen.

Fothergill: Wenn man eine Gesichtsmaske trägt und mit dem ganzen Equipment durch einen Wald mit 100 Prozent Luftfeuchtigkeit rennt, dann gehört das zum Unangenehmsten, was man sich vorstellen kann. Aber meine Kameramänner und ich sind schon seit jeher Naturfilmer, deswegen nahmen wir die Bedingungen sehr ernst. Christophe hat mit uns auch eine Woche trainiert: Er hat sich wie ein Schimpanse verhalten, und wenn wir unsere Kamera aufgebaut hatten, ist er auf allen Vieren fortgerannt.

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Kommentare

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Manchmal sind Interviews peinlich

Zitat Zeit:
"Manchmal heißt es, Dokumentationen seien langweilig, weil alles chronologisch ist und es keine richtige Dramaturgie gibt. Nun bekommen die Zuschauer echte Schimpansen zu sehen und dazu eine Dramaturgie und auch noch ein Happy End. Manch einem scheint das nicht recht zu sein. Wie erklären Sie sich das?"

Tja nun, da möchte man gerne antworten: wie lautet ihre Definition von Dokumentation, gnä´ Frau?
Und ist dieses Ranwanzen an den Gesprächspartner der neue Zeit-Stil?

Zitate aus dem offiziellen Film-Presseheft:

"Über Monate hinweg unter extremen Bedingungen gedreht, erzählt SCHIMPANSEN eine wahre, einzigartige Geschichte, die von der Natur geschrieben wurde."

„Hätten wir so etwas in ein Drehbuch geschrieben – niemand hätte uns geglaubt”, verdeutlicht Regisseur Mark Linfield. „Das waren so seltsame Episoden, die hätte sich niemand ausdenken können."

"Schimpansen geraten oft mit Nachbargruppen in Territorial- und Futterstreitigkeiten, deshalb machten sich alle große Sorgen um das Schicksal von Oscar und den anderen Schimpansen." (Anmerkung: es gab in Oscars Heimat keine Konflikte zwischen Schimpansengruppen, deswegen drehte man später in einem anderen Land mit völlig anderen Tieren)

Tut mir nur leid um Herrn Boesch, der erst dieses Medienspektakel mitspielt, dann mit der Wahrheit herausrückt und nun wieder eine Rolle rückwärts macht, um Fothergill einen Gefallen zu tun.

Menschliches Rechtssystem nicht anderen Spezies aufdrücken

Eine so elementare Einmischung in die Kultur anderer Spezies wie die Inklusion in unser juristische-philosophisches System der Menschenrechte kann ich nicht befürworten. Auch Menschenaffen haben - ebenso wie Caniden - das Recht auf ihren eigene Kultur in Korrespondenz mit anderen Spezies (wie z.B. dem homo sapiens und ich weiß, dies ist nicht ganz unproblematisch, aber wann war es das schon).
Ich bin nichtmal sicher, ob sich nicht andere Spezies uns ganz grundsätzlich überlegen fühlen und es somit als paternalistischen Affront betrachten, wenn plötzlich Menschenrecht für sie gelten soll. Die Frage ist: Will der Silberrücken überhaupt ein Mensch sein oder hat er nicht ein Recht auf Respekt als eigenständige Spezies? Und wo läge die Grenze? Sogar Pflanzen sind lebendig, reagieren auf emotionale Ansprache und empfinden Schmerzreize.

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"Es gibt schlicht keine/bis kaum Unterschiede im Verhalten der Menschenaffen- Sie haben Kultur, sie lehren, sie trauern, sie verabreden sich, sie können mehrere Sprachen auch von "Niederen" Tieren und einige führen sogar Krieg."

Kennen sie einen Affen der die Schrift beherrscht oder je eine eigene entwickelt hat?
Oder einen der nicht nur ein Werkzeug benutzen kann, weil es ihm jemand gezeigt hat, sondern der auch das Prinzip verstanden hat und eigene entwickelt?
Oder einen der Gnade und Mitgefühl gegenüber fremden Spezies entwickelt hat?

ach übrigens

Manchmal ist der DNA Unterschied zwischen zwei Menschenpaaren größer, als der Unterschied von einem Schimpansen und einem Menschen. Die Werte, die da im allgemeinen angegeben werden, von 1-2% sind Durchschnittswerte.
Deshalb weiß eigentlich kein Mensch genau, wie er auf einen homo eines anderen Menschen (Affen?) reagieren würde.