Murat Kurnaz"Die Wirklichkeit ist so brutal, dass man sie kaum zeigen kann"

Murat Kurnaz kam mit 19 Jahren nach Guantánamo. Im Interview spricht er über Folter, seinen Glauben und den Film "5 Jahre Leben", der von seiner Zeit im Lager erzählt. von 

Der lange, rötliche Bart, den er bei der Rückkehr aus Guantánamo getragen hat, ist ab. Glatt rasiert, mit kurzen, gegelten Haaren sitzt Murat Kurnaz im Hamburger Literaturhaus. Er wirkt entspannt, erzählt ruhig von Folter und Misshandlungen. Auch wenn er über Demütigungen durch amerikanische Soldaten spricht, hebt er die Stimme nicht. Er wägt seine Worte, bevor er spricht. In den Verhören in Guantánamo hat er gelernt, welche Macht Worte haben.

Hektik bricht nur aus, als die Alarmanlage seines Autos losgeht, das vor dem Literaturhaus geparkt ist. Kurnaz drückt hastig auf die Fernbedienung, bis das Geheul verstummt. Er hat trainierte Oberarme und ein breites Kreuz. Er macht viel Kampfsport, wie früher, als er Türsteher vor Bremer Diskotheken war. Heute kämpft er vor allem um seinen Ruf. Immer noch hängt ihm die Bezeichnung "Bremer Taliban" nach. Angebliche Pläne, dass er sich Terrorgruppen anschließen wollte, konnten ihm nie nachgewiesen werden.

ZEIT ONLINE: Wie stark bestimmt Guantánamo heute Ihr Leben?

Murat Kurnaz: Ich will diese Zeit auf keinen Fall vergessen oder verdrängen. Stattdessen versuche ich immer wieder, auf Guantánamo aufmerksam zu machen, um gegen den Fortbestand dieses Lagers zu kämpfen. Das ist wichtig für die Insassen in Guantánamo, das ist aber auch wichtig für mich. Guantánamo darf nicht in Vergessenheit geraten.

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ZEIT ONLINE: Haben Sie sich deswegen an dem Filmprojekt 5 Jahre Leben beteiligt?

Zu Murat Kurnaz

Murat Kurnaz kommt am 19. März 1982 in Bremen als Sohn türkischer Gastarbeiter zur Welt. Er besucht die Hauptschule, beginnt eine Lehre als Schiffsbauer und reist im Herbst 2001 nach seiner Hochzeit in der Türkei nach Pakistan.

Dort wird er festgenommen und an die Amerikaner verkauft. Sie bringen ihn nach Kandahar in Afghanistan und dann nach Guantánamo. Dort ist er von Januar 2002 bis August 2006 inhaftiert. Die deutsche Regierung verhindert zunächst seine Rückkehr. Durch das jahrelange Engagement seiner Anwälte kann Kurnaz am 24. August 2006 nach Deutschland zurückreisen.

2007 erscheint sein Buch Fünf Jahre meines Lebens. Kurnaz lebt in Bremen, ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater einer Tochter.

Der Film

5 Jahre Leben basiert auf Murat Kurnaz' Buch Fünf Jahre meines Lebens. Der Spielfilm von Stefan Schaller, der am 23. Mai 2013 in die deutschen Kinos kommt, konzentriert sich auf die Verhöre von Kurnaz durch einen Verhörspezialisten der US-Regierung.

Kurnaz: Der Film basiert auf meinem Buch Fünf Jahre meines Lebens. Über meine Zeit in Guantánamo zu schreiben, hat mir geholfen. Das Buch sollte die Öffentlichkeit aufrütteln. Ich hoffe, dass nun auch der Film den Gefangenen in Guantánamo hilft. 5 Jahre Leben soll die Kinozuschauer dazu bringen, sich mit Guantánamo zu beschäftigen.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie gedacht, als Sie den Film das erste Mal sahen?

Kurnaz: Mein erster Gedanke war, dass im Film alles ein wenig harmloser aussieht, als es in der Realität war. Extreme Folterszenen sind beispielsweise kaum zu sehen.


ZEIT ONLINE: Sie erlebten in Kandahar und Guantánamo Verhörmethoden, die gegen die Menschenrechte verstoßen: Waterboarding, Aufhängen an den Armen, Isolationshaft in Hitze- und Kältekammern, Schlaf- und Essensentzug. Hätte der Film die Folter stärker zeigen sollen?

Kurnaz: Nein. Die Wirklichkeit ist so brutal, dass man sie kaum zeigen kann. Die Filmcrew hat sich deshalb entschieden, manches nur anzudeuten und eher einen psychologischen als physischen Aspekt der Folter zu zeigen. Wahrscheinlich ist das gut so, sonst hätte der Film wohl keine Jugendfreigabe bekommen. In meinem Buch schildere ich detailliert, was ich ertragen habe – und alles konnte ich gar nicht schreiben, so schreckliche Dinge habe ich erlebt.

ZEIT ONLINE: Welches Erlebnis hat Sie am meisten belastet?

Kurnaz: Für mich gehörte zu den schlimmsten Erlebnissen in Guantánamo, mit ansehen zu müssen, wie junge Häftlinge brutal geschlagen wurden. Vor allem an ein Erlebnis denke ich immer wieder: Es gab viele giftige Tiere dort im Gefängnis. Als ein 14-jähriger Junge von einer Spinne gebissen wurde, eine schlimme Wunde hatte und nicht mehr aufstehen konnte, haben Wärter versucht, ihn mit Schlägen hochzutreiben. Sie haben ihn verprügelt und dann aus der Zelle geschleift. Das war ein besonders schlimmer Moment.

Leserkommentare
  1. werden 50.000 unschuldige Afghanen von den US-Milizen eingesperrt.
    Zeit den USA die Rote Karte für ihr "Endgame" zu zeigen und der Terrorfabrik Nummer 1, Washington den Rücken zu kehren.

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    .
    .... neuerlichen Meldung zu den amerikanischen KZ, warum Herta Däubler Gmelin eigentlich zurücktreten musste.

    Und ob man von einem Friedensnobelpreiträger nicht doch etwas mehr erwarten sollte als von seinem gewöhnlichen, christlichfundamentalen Vorgängerdespoten ....

    "... Dort werden rund 600 tatsächliche oder mutmaßliche Terroristen als Kriegsgefangene ..."

    Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/w...

    Allerdings verharmlosen Sie den Begriff "Konzentrationslager". Die Sache ist schlimm und fragwürdig genug. Sie muss nicht auch noch andere Dinge verharmlosen. Wir verstehen auch so, was Sie meinen.

    Grüsse.

    In der Ära der Beliebigkeit, in der Skandale keine Skandale mehr sind und Handlungen gegen die Menschenwürde als “Aufreger” in Facebook gerade noch eine Halbwertzeit von 15 Stunden haben, muss man die Nachrichtenticker schon aufmerksam verfolgen, um solche Meldungen nicht zu übersehen, die vor 20 Jahre noch einen weltweiten kollektiven Aufschrei ausgelöst hätten: Die USA haben seit 2008 hunderte von afghanischer Kindern als “Kriegsgefangene” festgenommen und halten sie in der US-Basis von Baghram gefangen.

    Wie die US-Regierung auf eine entspechende Anfrage von UN-Menschenrechtsvertretern bestätigte, liegt das Durchschnittsalter der inhaftierten Jugendlichen bei 16 Jahren. Deren durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Gefängnis von Baghram gibt Washington mit “ungefähr einem Jahr” an. Will heissen: Mehr als 200 Jugendliche wurden unterschiedslos zusammen mit 3.000 Erwachsenen in Baghram eingesperrt. Man habe keine Absicht, diese Kinder vor Gericht zu stellen, lässt die US-Regierung wissen, denn die Haft sei “nicht als Strafe sondern als Prävention” gedacht. Man wolle die unter 18-Jährigen, die man “Kriegsgefangene” betrachte, “auf diese Art davon abhalten, auf das Schlachtfeld zurückzukehren”.
    http://de.sott.net/articl...

    So handeln unsere amerikanischen Freunde. Amerika hat jedes Maß und Anstand verloren.

    Und im Fall Kurnaz hat die rot-grüne Regierung kein Deut besser gehandelt!
    Eine Schande!

    Ich bin schockiert, dass in Deutschland der Begriff "Konzentrationslager" wieder zu einer Art Kampfbegriff mit scheinbar keinerlei Aussagekraft verkommen ist. Es ist ohne Frage schlimm, was in Guantanamo oder Abu Ghraib geschehen ist bzw. geschieht, aber der Vergleich mit dem Konzentrationslager ist absolut unangebracht und geschmacklos.

    Vielleicht wünscht man sich in Deutschland, dass in deutschen Konzentrationslagern "nur" das geschehen wäre, was in Guantanamo geschieht, aber meine derzeitige Kenntnis ist die, dass deutsche Konzentrationslager nur zu einem Zweck errichtet wurden, der Vernichtung von Juden und sonstigem "unwertem Leben". Und damit waren die Deutschen sehr erfolgreich.

    Ich empfehle Ihnen dringend(!) sich damit auseinanderzusetzen, was ein Konzentrationslager war und was in diesem geschehen ist. Es gibt unzählige gute Filme hierzu und auch die Biographien von Überlebenden sind sehr eindringlich. (Ich wüsste noch nicht einmal ob man im Fall Guantanamo überhaupt von Überlebenden sprechen muss.)

    Vielleicht erkennen Sie dann die Geschmacklosigkeit Ihres Vergleiches.

    Das gilt auch für Kommentar 2!

    Es gibt ohne Zweifel Gefangene, die auf fragwürdige Art in Gefangenschaft geraten sind, es gibt zweifellos auch Gefangene, die aus nichtigen Gründen oder aus konstruierten Gründen in Sammelpunkten wie dem Luftwaffenstützpunkt Baghram sitzen.

    Aber von Ihrer abenteuerlichen Zahl mal abgesehen, ist es schlicht unwahr, oder polemisch, von allen als Unschuldige zu sprechen. Es mag für Sie eventuell verständlich sein, wenn sich ein Araber, Tschetschene oder Europäer in Afghanistan oder dem Grenzgebiet zu Pakistan islamistischen Kämpfern oder Banditentruppen anschließt, aus irgendeiner Sicht mag er auch Freiheitskämpfer sein. Zu einem Kombattanten macht es ihn aber, und somit kann er interniert werden.

    Aber gänzlich falsch ist es von den Hintermännern oder den geschnappten Attentätern eines Sprengstoffanschlags als Unschuldige zu sprechen. Mir persönlich ist ein Bild in Kabul noch in Erinnerung, ein Straßenabschnitt nach einem verheerenden Bombenanschlag, bei dem neben einem afghanischen Sicherheitsmann und zwei Ausländern nur afghanische Zivilisten ums Leben gekommen sind. Ich kann sogar noch den Geruch ab und zu wieder finden oder weiß noch was ich für einen Geschmack im Mund hatte.

    Ob ich denke dass der im Hintergrund es verdient in Baghram seine Reise anzutreten? Ja, definitiv, der er ist kein Unschuldiger.

    hat Videos auf Youtube veröffentlicht, auf welchen wahllos Zivilisten durch das US-Militär mit Panzern und Einsatzfahrzeugen überfahren werden oder auch einfach erschossen werden - am helllichten Tag, mitten auf der Straße...im Irak und Afghanistan...

    Wie wäre es, wenn man einfach mal die Truppen nach Hause holt und die Soldaten versucht zu therapieren - das sind ja nur noch Roboter.

  2. .
    .... neuerlichen Meldung zu den amerikanischen KZ, warum Herta Däubler Gmelin eigentlich zurücktreten musste.

    Und ob man von einem Friedensnobelpreiträger nicht doch etwas mehr erwarten sollte als von seinem gewöhnlichen, christlichfundamentalen Vorgängerdespoten ....

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    verharmosen mE mit Ihrer Wortwahl die Konzentrationslager. Ihre berechtigte Kritik kann ich daher nicht unterschreiben und müsste mich davon distanzieren.

    Herta Däubler Gmelin musste seinerzeit zurücktreten weil sie schlicht und einfach der Wahrheit sehr nahe war,ein Bauernopfer an die Bushregierung an dem auch Kanzler Gerhard Schröder nicht vorbeikam ?

    "christlich fundamentaler Despot" ist ein Widerspruch in sich. Würden sie auch nur ansatzweise erahnen, was es heißt Christ zu sein, würden sie den Ausdruck nicht verwenden.

    • sinta
    • 13. Mai 2013 22:46 Uhr

    Obama hat diesen Preis verliehen bekommen - er hat sich nicht darum beworben. Und was genau hätte er damals machen sollen? Den Preis ablehnen? Möchte nicht wissen, was dann losgewesen wäre und Sie würden jetzt vielleicht schreiben:Ein Mann der den Friedensnobelpreis abgelehnt hat, was will man von dem denn schon erwarten?

    Guantánamo gehört geschlossen, keine Frage - es ist wohl das ungeliebteste Erbe von G.W. Bush an Obama. Er kann es leider nicht im Alleingang schließen, er würde, wenn er könnte - so meine Meinung.

  3. Kommt man tot aus Afghanistan zurück, engagiert sich selbst die Kanzlerin und fährt der Bestattung entgegen. Gerät man aber in friendly fire und wird von eigenen Behörden verraten und verkauft und wurde nur halbtot gefoltert, so kräht kein Hahn danach. am Übelsten ist, was typisch ist für die BRD, dass sich alle totstellen können, niemand ist fassbar, niemand ist verantwortlich, der schwarze Peter wird so schnell wie möglich weitergegeben. Man kennt das leider zur Genüge, von Behörden, Staat, Gerichten. Es macht keinen Spaß, in diesen Mühlen aufgerieben zu werden zu einem Niemand. Alle sehen zu, aber keiner sieht was.

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    • Bashu
    • 13. Mai 2013 17:26 Uhr

    Danke, Sie haben schön zusammengefasst was ich beim Lesen dachte. Wie wertlos ist ein BÜRGER DER BUNDESREPUBLIK plötzlich, wenn er von US-Amerikanern in ein KZ-Light gesteckt wird. Inhaftierung und Folter nach Willkür, haben wir denn gar nichts aus der Geschichte gelernt? Oder parieren wir Deutsche vor den USA so sehr, dass sie sogar unsere Mitmenschen entführen dürfen, ohne das kleinste Widerwort?

    Noch eine Frage: Hätte es vielleicht einen Unterschied gemacht, wenn es sich bei unserem Mitbürger um einen ethnisch Deutsche handeln würde, also Klaus Müller anstatt von Murat Kurnaz. (gibt es Parallelen zur Räson der Staatsbehörden im Fall NSU?)

    wie auch bei uns die entscheidenen Regierungsvertreter buchstäblich versagt haben,indem sie Kurnaz eine frühzeitige von den US-Behörden angebotenen Rückehr abgewehrt haben,Hauptakteur im Kanzleramt war seinerzeit u.a.Herr Steinmeier,eine Aktion vorbei am Aussenministerium deren Minister Fischer erst viel später von dieser menschenverachtenden Massnahme erfahren haben soll.

    • em-y
    • 14. Mai 2013 1:12 Uhr

    Das hat nichts mit der BRD zu tun. Nicht anders sieht es in Australien aus. Schauen Sie sich die Geschichte von David Hicks an. Was sich die australische Regierung hier geleistet hat... Wie Herr Kurnaz richtig sagt, es sind Leute, die einfach ihre politischen Ziele verfolgen, ob in Pakistan, USA, Australien, Deutschland, ohne Rücksicht auf Verluste.

  4. "... Dort werden rund 600 tatsächliche oder mutmaßliche Terroristen als Kriegsgefangene ..."

    Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/w...

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  5. Abgesehen davon, dass die Guantanamo-Methode sich nicht mit den Ansprüchen der westlichen Zivilisation verträgt, ist es noch besonders perfide, wenn man dort nachweislich Unschuldige bewusst unter Vorwänden schmoren lässt. Das hat immerhin unsere derzeitige Bundeskanzlerin sofort eingesehen und im Gegensatz zu gewissen SPD-Politikern seinerzeit entsprechend gehandelt. Seitdem sind die besagten Politiker für mich allerdings charakterlich unten durch und auf keinen Fall mehr wählbar, denn hier wurden sehr grundsätzliche Prinzipien verraten-auch wenn es "nur" um einen Menschen ging.

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  6. "In seiner früheren Funktion als Chef des Bundeskanzleramts war Außenminister Frank-Walter Steinmeier entscheidend am Beschluss der deutschen Behörden beteiligt, den Bremer Murat Kurnaz im berüchtigten US-Gefangenenlager Guantánamo interniert zu lassen, obwohl die Amerikaner seine Freilassung angeboten hatten. Dies berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. Geheime Unterlagen und stern-Recherchen belegen außerdem die politische Mitverantwortung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie Ex-Außenminister Joschka Fischer."

    http://www.stern.de/polit...

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  7. Und bei den Russen wurde um Pussy Riot ein Aufsehen gemacht, als sei es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
    Hat Putin eigentlich auf Folterlagen?
    Wenn nein, ist er mir sympathetischer als Obama.
    Mit dem als Präsident hat sich an der amerikanischen Politik ungefähr so viel geändert, wie wenn der Manager bei Mac Donalds wechselt.

    Geopolitisch und wirtschaftlich ist Russland eindeutige der interessantere Partner.
    Angesichts der amerikanischen Militärinterventionen sollte man überlegen, ob es das nicht auch in moralischer Hinsicht ist.

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  8. ist auch nicht bewiesen, dass jeder, der von den USA gefangengenommen wurde, unschuldig ist. Und wenn ich hier schon wieder lese, wie Guantanamo mit einem KZ verglichen wird, dann frage ich mich, ob es einigen von uns Deutschen angesichts unserer eigenen Vergangenheit nicht ganz gelegen kommt, gegen die USA Verwürfe erheben zu können.

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    • Attox
    • 13. Mai 2013 17:06 Uhr

    So wie ich das in Erinnerung habe gilt doch in den meisten Rechtsstaaten noch die Unschuldsvermutung, oder habe ich mich da jetzt etwa geirrt?

    • Bashu
    • 13. Mai 2013 17:34 Uhr

    Menschen werden interniert, ihnen wurde nie ein Gerichtsprozess gemacht, sie werden gefoltert, gedemütigt und auf unbestimmte Zeit festgehalten.

    Der Begriff KZ ist provokativ, aber: Nicht alle Nazi-KZs waren Vernichtungslager, sondern viele "einfach" Internierungscamps. Und an diesem Punkt kommt Guantanamo einem KZ schon nahe, in punkto Architektur, Sinn und Prozedere. Das ist für ein demokratisches Land im 21. Jahrhundert, das (früher) sogar mal Ansprüche erhob, ein moralisches Leuchtfeuer zu sein, schon ziemlich herb.

    • Narses
    • 13. Mai 2013 19:00 Uhr

    ...Hintergrundes der nationalsozialistischen Mordorgie verbietet sich ein Vergleich der amerikanischen Terroristengefängnisse mit den KZs und ist einfach nur noch ekelhaft. Selbst kein Freund der Amerikaner, muss man diese Verzerrung aufs Schärfste ablehnen.

    • AndreD
    • 13. Mai 2013 19:31 Uhr

    Mir auch nicht, denn ich war nicht drin.

    Ist ihnen klar was ein KZ ist?

    Mir auch nicht, denn ich war nicht drin.

    Aber ich sage Ihnen was:

    Weder im ersteren noch im Zweiteren möchte niemand in dieser Welt auch nur eine Sekunde verbringen.

    Die Wertung, ob Waterboarding, ständige Beleuchtung und in einem Käfig eingesperrt Sein eine einem Konzentrationslager vergleichbare Sache ist, möchte ich lieber den jeweiligen Insassen überlassen. Die können ihre Erfahrungen vergleichen.

    Und über den jeweiligen ideologischen Unterbau offen zu diskutieren...

    Natürlich sind diese Einrichtungen Konzentrationslager, was denn sonst?
    Einige tun hier so, als ob die Deutschen ein Patent darauf hätten.

    Engländer und Amerikaner haben Konzentrationslager betrieben bevor hier nichtmal die Nazis daran gedacht haben (USA--->KZ´s für Guerrilakämpfer auf den Philippinen, Engländer--->Internierung von Buren).
    Es werden massenhaft Menschen gewisser Ethnien, Einstellungen etc. auf bloßen Verdacht zusammengesperrt, der Begriff KZ passt genau.

    Das hat rein gar nichts mit Geschmacklosigkeit oder Relativierung zu tun.

    Höchstens von Ihrer Seite, wenn man die in Guantanamo leidenden als Gefängnisinsassen betrachtet.

    Wenn es so weit kommt, dass man seine Unschuld beweisen muss, braucht man das nicht mehr zu tun, weil man dann nicht mehr in einer Demokratie lebt.
    Wer solch ein Rechtsverständnis hat, disqualifiziert sich selbst.

    Es hat in der Vergangenheit trotz Geständnisses bereits unzähligen Menschen das Leben gekostet, die unter der Folter zugaben, dass sie auf Besen durch die Luft geflogen sind, dass man dazu eigentlich nichts mehr sagen muss.
    Trotzdem gibt es auch heute noch im 21. Jahrhundert Leute, die Unschuldsbeweise verlangen und Foltergefängnisse rechtfertigen. Das hat es sicherlich auch schon im 3. Reich gegen.
    Beschämend.

    • sxouk2
    • 14. Mai 2013 10:54 Uhr

    dass sie niemals in die not kommen ihre unschuld beweisen zu müssen.

    ich dagegen bin froh, in einem land zu leben, in dem man dem "angeklagten" schuld beweisen muss.

    frohes leben noch.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Murat Kurnaz | Film | Folter | Misshandlung | Taliban | Waterboarding
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