Nacktheit zum Zwecke der Provokation funktioniert noch immer. Von Kiew bis Paris reißen sich die Frauenrechtlerinnen von Femen ihre Oberteile vom Körper und protestieren barbusig gegen Sexismus und Prostitution. Ein bisschen unverhüllte Haut schockiert überraschenderweise selbst im Europa des 21. Jahrhunderts. Die norwegischen Umweltschützer von Fuck for Forest  gehen seit zehn Jahren noch deutlich expliziter zur Sache. Sie haben Sex in der Öffentlichkeit oder zeigen pornografisches Material auf ihrer Website. Wer es sehen will, muss zahlen. Jegliche Skrupel mögen sich verbieten, denn das gesammelte Geld kommt Umweltschutzprojekten zugute. Deshalb nennt die Gruppe, das was sie tut, "Eco Porn". So weit, so einfach. So gut?

Dass die Rettung der Welt durch Sex mit Problemen verbunden ist, zeigt jetzt die Dokumentation Fuck for Forest. Die polnischen Filmemacher Michał Marczak und Łukasz Grudziński folgten der kleinen Gruppe von Neo-Hippies drei Monate lang durch deren Wahlheimat Berlin. Die wacklige Handkamera ist also dabei, wenn sich Nadine zum achtzehnten Geburtstag von ihren Mitaktivisten befingern lässt. Aus dem Off erfährt man, dass ihr Freund anfangs wenig begeistert von diesem Geschenk war.

Die Kamera begleitet auch die Suche nach Freiwilligen im Berliner Nachtleben, die bereit sind, spontan Nacktfotos oder Pornofilme von sich aufnehmen zu lassen. Es sind erstaunlich viele: Jeder Zehnte sei dazu bereit, heißt es, fast eine halbe Million Euro habe man mit dem Projekt schon eingenommen. Auch beim Sex von Tommy und Kaajal ist der Zuschauer Zeuge, genau wie ein paar Berliner Hipster, die es sich in einem niedrigen Kellerzimmer auf ihren Klappstühlen halbwegs bequem gemacht haben und das Treiben mit ironischen Kommentaren begleiten.

Es gibt reichlich Geschlechtsorgane in Fuck for Forest zu sehen – sogar überraschend viele angesichts einer Altersfreigabe von 16 Jahren – und  auch ein bisschen Sex. Das ist jedoch alles nicht sonderlich aufregend und vermittelt wenig echte Innigkeit. Die Omnipräsenz der körperlichen Liebe nahm schon den meisten Kommunarden der sechziger Jahre die Lust an der Lust.

Das Problem des Films ist aber ein anderes: Seine Macher schaffen es nicht, dass der Zuschauer eine Bindung zu den Mitgliedern der Gruppe aufbaut. Das liegt einerseits an den Aktivisten selbst, denn sie gefallen sich in ihrer Unangepasstheit und scheinbaren Liberalität, im Vor-Sich-Hertragen alternativer Parolen ein wenig zu sehr. Es liegt aber auch daran, dass der Film es vermeidet, seine Protagonisten außerhalb der Gruppe zu befragen, sie in einem geschützten Raum über ihr Handeln reflektieren zu lassen.