Film "Confession" : Pete Doherty als zahmer Libertine

Pete Dohertys Leben und Werk ist eine filmreife Melange aus Selbstzerstörung und Romantik. Sein erster Film "Confession" bleibt dagegen ein braver Kostümfilm.

Ein Mann und eine Frau haben Sex auf einer Chaiselongue in einem plüschigen Salon. Er müht sich vergeblich. Eine demütigende Vereinigung im Rausch. Plötzlich unterbricht er den Liebesakt, erbricht sich, steht mühsam auf und torkelt davon.

In dieser Szene des Films Confession der französischen Regisseurin Sylvie Verheyde geht es vermutlich zu wie Backstage bei Pete Doherty, der in der Verfilmung des Romans Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen seine erste Filmrolle spielt. Mit dem Buch machte der französische Romantiker Alfred de Musset 1836 seine tragische Affäre mit der französischen Schriftstellerin George Sand unsterblich. 

Die Rolle des 21-jährigen deviant-dekadenten Dandys Octave, der sich als Libertine bezeichnet (was im Französischen für einen ausschweifenden Menschen steht), passt Doherty, Frontmann früher bei The Libertines, heute bei den Babyshambles, auf den ersten Blick ziemlich gut. Octave, der seine Zeit im Frankreich der 1830er-Jahre mit Müßiggang und Kostümfesten vertändelt, ist ein antriebsloser, selbstmitleidiger, unreifer, schwelgerischer und hedonistischer Anti-Held. Er wird von seiner großen Liebe Elise (Lily Cole) betrogen, sucht danach mit seinem Freund Desgenais (August Diehl) Ablenkung auf Partys und in Affären, wird durch den Tod seines Vaters geläutert und verliebt sich in die Witwe Brigitte (Charlotte Gainsbourg). Doch schnell ist klar, dass die Liaison zwischen Octave und Brigitte nicht gut gehen wird. Octave fährt wegen seiner Gefühlsschwankungen grundsätzlich alles, was ihm lieb und teuer ist, gegen die Wand. 

All das bricht sich in unserem Wissen von Dohertys medial zu Tode durchleuchteter Persönlichkeit: Er scheint uns Musiker, Womanizer, Junkie, Rockstar, Dichter, Maler, Krimineller, Celebrity zu sein, ein von William Blake sozialisierter Punkrocker, der herzzerreißend melancholische Gitarrenlieder und von The Clash inspirierte Punk-Hymnen singt und auf den hinter der Bühne angeblich schon die nächste Heroinspritze oder Crackpfeife wartet. Das fasziniert seine ihn abgöttisch verehrenden Fans und daran ergötzt sich scheinheilig der Boulevard. 

Wie Doherty im echten Leben das Wahrhaftige und den Rausch ersehnt, spaziert die Romanfigur Octave in seiner Negierung der Ratio und der ultimativen Zelebrierung des Gefühls entlang eines Abgrunds. Beiden wollen die tiefen Empfindungen, die Grenzüberschreitungen, den Rock'n'Roll. So weit, so stimmig.

Nur leider kann Doherty all das nicht überzeugend auf die Leinwand bringen. Wenn er mit Stock in der Hand und schwarzem Zylinder auf dem zerzausten Haar durch die französische Provinz stakst, dann sucht man in seiner Darstellung vergeblich den inneren Konflikt, der Octave quält. Um die schwankend-sensible Gefühlswelt des narzisstischen Egoisten Octave zu verfilmen, wäre zudem ein differenzierteres Mienenspiel, als es Doherty beherrscht, nötig gewesen. Dieses Manko wird auch dadurch nicht geringer, dass man Octaves Gedanken in den Off-Text packt.

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