Komödie "Gambit"Schade um den schönen Plan

Das Drehbuch zu "Gambit" schrieben die Coen-Brüder. Die beiden Stars Colin Firth und Cameron Diaz spielen die Hauptrollen. Warum nur wurde daraus keine wunderleichte Gaunerkomödie? von 

Zwei Briten fahren über einen texanischen Highway. Hinter ihnen das weite Nichts, vor ihnen das weite Nichts. Als sie an einer Tankstelle nach dem Weg zu einem Rodeo-Turnier fragen, erzählt ihnen der Typ hinter der Theke was von einem Ponyhof und dessen schwulen Betreiber. Die Eröffnungsszene der Gaunerkomödie Gambit – Der Masterplan erweist sich eines Drehbuchs der Coen-Brüder als durchaus würdig: Die Engländer sind einen Hauch zu exzentrisch, der Texaner ein gutes Stück zu bizarr, der Dialog sowieso.

Für Gambit haben sich Ethan und Joel Coen eines alten Filmstoffes bedient: Der Kunstexperte Harry Deane (Colin Firth) will sich an seinem Arbeitgeber, dem Milliardär Linoel Shabandar (Alan Rickman) für das jahrelange Schikanieren und Demütigen rächen und heckt einen todsicheren Plan aus, wie er selbst endlich reich und der andere zum Dummen werden soll.

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Es ist derzeit geradezu ein Hobby von Filmproduzenten, sich in den Studio-Archiven nach Material umzuschauen. Diesmal: Das Mädchen aus der Cherry-Bar von 1966 mit Michael Caine und Shirley MacLaine in den Hauptrollen. Der wirkliche Coup des Produzenten Mike Lobell bestand darin, für die Adaption des Stoffs die Coens gewonnen zu haben. Die Brüder sind zwei Meister ihres Fachs und beinahe ungehörig beliebt bei Publikum wie Kritikern. Sie haben den alten Stoff gründlich umgeschneidert. Eine gaunerleichte Kunstfälschungskomödie nach einem Skript der Coens? Das klingt nach einem verdammt gelungenen Kinoabend.

Bei den Coens kommt die Komik oft mit einem Protagonisten, der sich für smarter hält, als er ist. Diesmal ist es Harry Deane. Sein zu betrügender Arbeitgeber verhält sich denn auch nicht so stringent dämlich, wie Deane es sich ausgerechnet hatte. Und seine Komplizin scheint mehr vom eigenen Spaßbedürfnis als von seinen Anweisungen geleitet zu werden. Deanes todsicherer Plan droht zu scheitern – beste Voraussetzung für eine Komödie.

Das Ganze ist großkalibrig besetzt: Colin Firth, der Stilsichere, muss sich selbst nur ein klein wenig übertreiben, um den wunderbar gehemmten Briten Deane zu geben. Auch Alan Rickman beherrscht das feine Spiel (er verkörperte nicht nur Professor Severus Snape in sämtlichen Harry Potter Verfilmungen, sondern auch die wunderbare Hauptfigur des Dramas Snow Cake – Der Geschmack von Schnee) und darf es hier, selbst für einen nudistisch veranlagten Großkotz, gewaltig übertreiben. Und Cameron Diaz lockt wie eh und je mit diesem Lachen und ihrem Hang zu komischen Rollen das Publikum ins Kino. Die Frau gehört zu den bestverdienenden Schauspielerinnen Hollywoods.

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Doch Gambit ergeht es wie seiner Protagonisten Deane: nicht alles, was perfekt geplant war, gelingt.

Die Witze sind zu oft zu derb (ein langgezogener Furz in der Hotelsuite), die Inszenierung zu kindisch (Japaner, die minutenlang debil lächeln und gestikulieren müssen), der Schnitt manchmal träge. Selten treffen der Regisseur Michael Hoffman und sein Cutter in den Dialogszenen genau die richtige Sekunde nach der Pointe für den Cut. Wie manchmal in einem echten Gambit beim Schach lag am Ende der ganze Reiz schon in der Eröffnung.

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Leserkommentare
  1. Es genügt nicht, dass "Coen" auf dem Drehbucheinband steht.
    "Coen" muss vor allem auf den Lehnen zweier Regiestühle stehen.

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    • hladik
    • 18. Juni 2013 12:05 Uhr

    Bei Burn After Reading haben die Coens Regie gefuehrt, Pitt, McDormand, Clooney, Swinton und Malkovich haben mitgespielt - trotzdem ist es ein reinrassiger Langweiler.

    Auch mit A Serious Man konnte ich nicht viel anfangen (was vielleicht daran liegt, dass ich keine Erfahrungen mit dem juedischen Kleinbuergertum der 60er Jahre habe...)

    • hladik
    • 18. Juni 2013 12:05 Uhr

    Bei Burn After Reading haben die Coens Regie gefuehrt, Pitt, McDormand, Clooney, Swinton und Malkovich haben mitgespielt - trotzdem ist es ein reinrassiger Langweiler.

    Auch mit A Serious Man konnte ich nicht viel anfangen (was vielleicht daran liegt, dass ich keine Erfahrungen mit dem juedischen Kleinbuergertum der 60er Jahre habe...)

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  2. Den britischen Witz versteht man entweder oder man versteht ihn nicht. Ich für meinen Teil sehe solche Filme eh nur im Original - was wieder gänzlich anders ist, und nicht zu vergleichen mit der deutsch vertonten Version. Das ist hier so wie bei Herr der Ringe/Hobbit, und Shakespeare sowieso. Die Filme verlieren so viel durch die (oft schlechte) Übersetzung. Schade. Rickman und Firth sind, wiederum für mich, als Schauspieler erste Klasse. Auch das weiss man in erster Linie im Original zu würdigen (vor allem Rickman). Cameron Diaz hätte aber nicht sein müssen; die Frau nervt nur. Nette, ur-britische Komödie, für den, der damit was anfängt. Alle anderen sehen sich besser Star Trek/Captain America o.ä. an.

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    Da Britisch nicht für jeden ist, haben wir ja bei diesem amerikanischen Film noch mal Glück gehabt. Wer so blöde angibt, muss schon seine Hausaufgaben machen.

  3. Da Britisch nicht für jeden ist, haben wir ja bei diesem amerikanischen Film noch mal Glück gehabt. Wer so blöde angibt, muss schon seine Hausaufgaben machen.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokation. Danke, die Redaktion/sam

  4. Interessant, erst wird mit großem Tamtam eingeleitet, warum der Film eigentlich so großartig sein müsste, dann fällt die eigentliche Kritik, die dann aussagen müsste, warum es doch kein Meisterwerk ist, ziemlich kurz aus; drei kurze Sätze, in denen zwei Szenen als flach kritisiert werden und gesagt wird, dass der Schnitt nicht perfekt gewesen sei.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokation. Danke, die Redaktion/sam

    • sooz
    • 03. Juli 2013 10:32 Uhr

    Also ich habe den Film gestern mit einer Freundin gesehen - wir haben uns köstlich amüsiert und fanden ihn lustig, überraschungsreich und super gespielt. Ein schöner, entspannender Kinoabend.
    Eins mag allerdings stimmen: Erst/nur im Original kommt der Film wohl erst richtig "an". Möchte mir nicht vorstellen (bzw. wäre eigentlich neugierig) was in der deutschen Synchronfassung aus dem wunderbaren texanischen Akzent wurde (.. .aber schließlich gibt es ja auch dtsch. Untertitel ...!)
    Die kleinen Derbhumor-Einlagen (Furz/Rülpser) sind durchaus erträglich und nicht überbetont - typisch britisch halt.

    Im Übrigen finde ich auch, dass 3 flache Sätzchen Kritik zum Schluss nicht besonders überzeugend sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Alan Rickman | Cameron Diaz | Komik | Komödie
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