Kann sie nicht Yoga machen? Sich nicht Nordic Walking-Stöcke kaufen? Nein, die Mutter der Dokumentarfilmerin Carolin Genreith ist Mitglied einer Bauchtanzgruppe. Genreith, selbst noch keine 30 Jahre alt, wollte in Die mit dem Bauch tanzen ursprünglich die Peinlichkeiten des Altwerdens zeigen.

Schweißausbrüche, hängendes Fleisch, eine kleine Verzweiflung und immer mehr Fältchen über den Lippen. Tauchen Frauen in den Wechseljahren in Filmen auf, gibt es tatsächlich häufig etwas zu lachen. Statt sich zurückzuziehen und sich mit kommenden Oma-Freuden zu arrangieren, tragen die Frauen heute weiter Jeans und ordentlich Schminke – und tun jetzt mal was für sich. Das kann ganz schön verzweifelt aussehen.

Doch Genreith gibt schon bald zu, dass sie sich mithilfe der Generation 50+ über ihre eigenen Ängste hinwegtrösten wollte: Es ist zwar schrecklich, 30 zu werden, aber wie furchtbar muss man sich erst mit 50 fühlen? Genau das gelingt nicht. Genreith lässt sich bereitwillig überrumpeln von der Souveränität ihrer Protagonistinnen.

Dabei hat die Regisseurin alle Requisiten beisammen, um die Damen ordentlich vorzuführen. "Bauchtanz, das ist so achtziger Jahre", klagt sie am Anfang ihres Filmes. Die Frauen tanzen zudem in Genreiths alter Heimat, der Eifel, wo es Kühe, tratschende Nachbarn, Dauerregen und ein Postamt gibt, aber keinen Bahnhof, geschweige denn orientalisches Ambiente. Ein Ort, dem Genreith, sobald sie einst konnte, ins hippe Berlin entflohen ist.

Ihr gelingen immer wieder komische Bilder aus der deutschen Provinz, die gleichzeitig wunderschön sind. Da sitzen drei der Damen in der Hollywoodschaukel und kichern, zwei mit schwarzer Paste in den Haaren, um die grauen Haare zu übertünchen. Oder die ganze halbnackte und flitterbehängte Gruppe tanzt in der Dämmerung an den Kühen auf der Weide vorbei. Ganz schön albern ist das dann, aber erstaunlicherweise nicht peinlich.