Iron Man ist ein überheblicher Playboy, der nach ersten Superheldentaten Panikattacken bekommt und ohne Rüstung nicht mehr gut Auto fahren kann.

Thor verhält sich so arrogant, dass sein Vater Odin ihn aller Kräfte beraubt, verbannt, enterbt und ihm auch noch den Hammer wegnimmt.

Batman verkümmert als depressive Kreatur der Nacht, bevor ihm Erzschurke Bane das Rückgrat bricht.

Schwächen, Charakterdefizite, Niederlagen, körperliche und mentale Gebrechen. Was ist aus den Superhelden von einst geworden? In den jüngsten Verfilmungen ihrer Abenteuer verhalten sie sich oftmals nicht edel und stark, sondern wankelmütig und unstet. Menschlich allzu menschlich.

Captain America schwächelt als ein ausgemusterter bleicher Bube vor sich hin, der erst chemisch zum Superhelden aufgepumpt werden muss (um später eingefroren zu werden).

Und Superman, der Man of Steel, ist jetzt im neuen Heldenepos gleichen Namens erst ein schweigsamer, dann ein pathetischer Hohlkopf, den man zum Beschützer nicht haben will, weil er ein bisschen zu langsam denkt.

Die Übermenschen sind versunken in den krassen Fährnissen, die ein Superheldendasein auf der Kinoleinwand im 21. Jahrhundert auszumachen scheinen. All das Relativierende und Negative, das den Superhelden von heute anhaftet, hatten die Zeichner des goldenen Comiczeitalters ihren Figuren gewiss schon eingeschrieben. Bloß ist es jüngst zum dominierenden Zug geworden. Das Charakteristikum des Superhelden der Gegenwart ist der Zweifel. An sich. An seiner Mission. An seinen Eltern. An seinen Fähigkeiten. An seiner moralischen Eignung ob seiner dunklen Seiten.

Von dieser innerlichen Wandlung mal abgesehen, sind die Eigenschaften der Helden in Spandex heute immer noch die gleichen wie vor 60 Jahren. Die kostümierten Recken besitzen übernatürliche Fähigkeiten, meist einen scharfen Verstand, haben enorme Kräfte oder technisches Gerät, das ihnen entscheidende Vorteile verschafft. Sie sind eben "super", also über. Wegen ihrer Begabung und Überlegenheit geraten sie zwangsläufig in unangenehme Situationen – wenn zum Beispiel niemand anderes die Welt retten kann außer ihnen. Manch einer möchte das gar nicht, muss sich erst durchringen, oder scheitert gar. Der Super-Part ist leichter zu haben als der Helden-Part. Der bedeutet nämlich eine Charakterbildung hin zu Selbstlosigkeit und Todesverachtung – mit Vorbildfunktion! Kann nicht jeder. In Iron Man 2 spricht der Protagonist Tony Stark es aus: "Ich bin kein Held." Unsere Helden sind Zweifler.