Superhelden im KinoHeld, gönn dir mal 'ne Pause

Der jüngste "Superman" kommt ins Kino. Es ist der vorläufig letzte einer ganzen Reihe von Superhelden-Filmen. Christina Rietz analysiert, was das Genre heute auszeichnet. von 

Iron Man ist ein überheblicher Playboy, der nach ersten Superheldentaten Panikattacken bekommt und ohne Rüstung nicht mehr gut Auto fahren kann.

Thor verhält sich so arrogant, dass sein Vater Odin ihn aller Kräfte beraubt, verbannt, enterbt und ihm auch noch den Hammer wegnimmt.

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Batman verkümmert als depressive Kreatur der Nacht, bevor ihm Erzschurke Bane das Rückgrat bricht.

Schwächen, Charakterdefizite, Niederlagen, körperliche und mentale Gebrechen. Was ist aus den Superhelden von einst geworden? In den jüngsten Verfilmungen ihrer Abenteuer verhalten sie sich oftmals nicht edel und stark, sondern wankelmütig und unstet. Menschlich allzu menschlich.

Captain America schwächelt als ein ausgemusterter bleicher Bube vor sich hin, der erst chemisch zum Superhelden aufgepumpt werden muss (um später eingefroren zu werden).

Und Superman, der Man of Steel, ist jetzt im neuen Heldenepos gleichen Namens erst ein schweigsamer, dann ein pathetischer Hohlkopf, den man zum Beschützer nicht haben will, weil er ein bisschen zu langsam denkt.

Die Übermenschen sind versunken in den krassen Fährnissen, die ein Superheldendasein auf der Kinoleinwand im 21. Jahrhundert auszumachen scheinen. All das Relativierende und Negative, das den Superhelden von heute anhaftet, hatten die Zeichner des goldenen Comiczeitalters ihren Figuren gewiss schon eingeschrieben. Bloß ist es jüngst zum dominierenden Zug geworden. Das Charakteristikum des Superhelden der Gegenwart ist der Zweifel. An sich. An seiner Mission. An seinen Eltern. An seinen Fähigkeiten. An seiner moralischen Eignung ob seiner dunklen Seiten.

Von dieser innerlichen Wandlung mal abgesehen, sind die Eigenschaften der Helden in Spandex heute immer noch die gleichen wie vor 60 Jahren. Die kostümierten Recken besitzen übernatürliche Fähigkeiten, meist einen scharfen Verstand, haben enorme Kräfte oder technisches Gerät, das ihnen entscheidende Vorteile verschafft. Sie sind eben "super", also über. Wegen ihrer Begabung und Überlegenheit geraten sie zwangsläufig in unangenehme Situationen – wenn zum Beispiel niemand anderes die Welt retten kann außer ihnen. Manch einer möchte das gar nicht, muss sich erst durchringen, oder scheitert gar. Der Super-Part ist leichter zu haben als der Helden-Part. Der bedeutet nämlich eine Charakterbildung hin zu Selbstlosigkeit und Todesverachtung – mit Vorbildfunktion! Kann nicht jeder. In Iron Man 2 spricht der Protagonist Tony Stark es aus: "Ich bin kein Held." Unsere Helden sind Zweifler.

Leserkommentare
  1. wäre angebracht.

    Ansonsten heißt es "Dark Knight" und nicht "Dark Night" bei Christopher Nolans Batman-Trilogy.

    6 Leserempfehlungen
    • Quarry
    • 19. Juni 2013 14:58 Uhr

    dass es keine Spoilerwarnung gab. Es gibt tatsächlich Menschen die Iron Man 3 noch nicht gesehen haben. Vielen vielen Dank

    7 Leserempfehlungen
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    • Rend
    • 19. Juni 2013 17:23 Uhr

    Hehe, wollte grade das gleiche schreiben, wirklich schön, dass mir im letzten Absatz noch das Ende von Ironman 3 verraten wurde, den ich im Herbst dann gemütlich mit Freunden schauen wollte :D

    Ich habe mal kurz die Kommentare überflogen, bevor ich auf die nächste Seite weiterblättern wollte. Ich habe den Film ebenfalls nicht im Kino gesehen.

    Leider kommt das bei ZO doch verhältnismäßig oft vor... /

    Ich lese mir die Kritiken hier auf Zeit Online auch nicht mehr durch, wenn ich den Film nicht vorher schon gesehen habe. Eigentlich schon absurd, will man doch vorher wissen, ob der FIlm gut ist.

    Zum Artikel selbst: Ein wenig kurzsichtig ist diese Betrachtungsweise schon. Wie Giggles schon richtig erfasst hat, ist Superman in der Tat das Pathos in Person. Und amerikanisch noch dazu, was in "Man of Steel" in einer der letzten Szenen auch mit einer gewissen Ironie behandelt wird. Wer mit pathetischen Filmen ein Problem hat, sollte grundsätzlich einen Bogen um Comicverfilmungen machen. Die eigentliche Kunst auf der inhaltlichen Ebene dieser Filme besteht darin, ein uraltes Thema für die heutige Zeit neu zu interpretieren, und zwar das Scheitern. Schon im alten Griechenland beschäftigte man sich ausgiebig damit. Das Ziel war die Katharsis des Publikums und diese Tradition lebt in Comics fort. Der eigentliche Kniff besteht heutzutage darin, den klassischen Helden zu begraben, indem dieser nicht nur wie früher scheitert, sondern sich selbst in die Niederungen der Imperfektion stürzt. Humor ist ein Mittel dies auszudrücken, aber keine notwendigkeit. Die letzte Szene in "The Dark Knight" ist dafür das beste Beispiel. Tony Starks Arroganz, die er wie seine Rüstung permanent mit sich herumträgt, kann man ebenfalls so deuten. Leider ist der Platz hier begrenzt, um das ausführlicher zu erläutern. Aber bitte, Frau Rietz, schauen sie sich die Filme noch einmal aus diesem Blickwinkel an.

  2. ist in Hollywood doch längst vorbei. Diese aufgewärmten "Helden"- Storys aus dem Marvel-Universum nerven lagsam. Wäre schön, wenn Hollywood mal wieder Filme drehen würde, aber das ist schon seit 20 Jahren vorbei.

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    Wer sich die Filme der letzten Jahre und die geplanten Filme für die Zukunft anschaut erkennt, dass die meisten nur Aufgüsse sind. Entweder Remakes, Sequels oder Prequels. Hin und wieder mal eine Ausnahme aber im großen und ganzen steckt Hollywood in einer Sinnkrise, auch viele Regisseure sehen das so. Superheldenfilme wird es aber auch in 100 Jahren noch geben. Das liegt zum einen an der Zeitlosigkeit des Kampfes zwischen Gut und Böse und zum anderen, dass es ja immer neue Teenager gibt die ihr Geld in die Kinos tragen.

    • FabMax
    • 19. Juni 2013 16:56 Uhr

    ... die guten Filme (welche sollen das überhaupt sein), die aus Hollywood kommen, nicht wahrnehmen, heißt es noch lange nicht, dass sie nicht existieren. Damit will ich nicht Superman verteidigen, denn für die Kombination aus dem zweitlangweiligsten Superhelden aller Zeiten mit einem der derzeit unkreativsten Regisseure will ich dann auch kein Geld bezahlen.

    Im Übrigen ist Superman ein DC-Produkt, nicht von Marvel.

  3. nicht gleich superkräfte...unterschiede zwischen rächer wie batman und superhelden mit ausergewöhnlichen kräften wie kal-el ( superman) müssen schon gemacht werden... und zum thema wankelmütig und unstet...wichtig ist gerade die menschliche seite eines comic characters, seine geschichte die es zu erzählen gibt mit all den hochs und tiefs.. zitat spiderman: aus großer kraft folgt große verantwortung.....oder batman...nicht unsere worte zeigen wer wir sind ,sondern unsere tatetn... lernen fürs leben... bei welchem von uns reelen menschen läuft alles nach schema f ??
    comics sind wichtig und geben den nötigen spielraum zwischen dem was man sich insgeheim wünscht und dem was in wirklichkeit zzt. möglich ist...ich glaube niemand sagen wir mal bis ende der 80er jahre hatte als kind kein comic idol...

    heutzutage sind comic verfilmungen eine wichtige adaption zu den heften/büchern selbst, denn in der heutigen jugend is alles geprägt von multimedia..gehe ich in unseren zeitungskiosk um die ecke erschrecke ich mich zutiefst...

    ich für meinen teil finde den trailer sehr gut und ich denke der film wird es genauso werden... ebenso thor iron man und batman...ein hoch auf die immer währende jugend im herzen..

    superman i love you....

    2 Leserempfehlungen
    • Panic
    • 19. Juni 2013 15:51 Uhr

    Zack Snyder ist einfach großartig und bei seinen Filmen kann man auf eines ganz sicher zählen: Fantastische Bilder. Was interessiert mich die Story. Snyder ist ein Künstler und Zerstörer. Herrlich!

    Salut

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  4. "Und Superman, der Man of Steel, ist jetzt im neuen Heldenepos gleichen Namens erst ein schweigsamer, dann ein pathetischer Hohlkopf, den man zum Beschützer nicht haben will, weil er ein bisschen zu langsam denkt."

    Hab den Film noch nicht gesehen, aber kann mir einer von den Mitforisten hier vielleicht erklären, warum Superman ein Hohlkopf ist und zu langsam denkt? Ich komm grad nicht drauf...

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  5. Wer sich die Filme der letzten Jahre und die geplanten Filme für die Zukunft anschaut erkennt, dass die meisten nur Aufgüsse sind. Entweder Remakes, Sequels oder Prequels. Hin und wieder mal eine Ausnahme aber im großen und ganzen steckt Hollywood in einer Sinnkrise, auch viele Regisseure sehen das so. Superheldenfilme wird es aber auch in 100 Jahren noch geben. Das liegt zum einen an der Zeitlosigkeit des Kampfes zwischen Gut und Böse und zum anderen, dass es ja immer neue Teenager gibt die ihr Geld in die Kinos tragen.

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    Antwort auf "Das große Kino"
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    • Occam
    • 19. Juni 2013 17:09 Uhr

    Das ist halt die Filmindustrie. Was sich gut verkauft, wird ähnlich wieder produziert.
    Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Hollywood nicht für massenkompatibles Popcorn-Kino meist mit Happyend und einer gewissen Seichtigkeit stand.

  6. Stimmt nicht. In den völlig misratenen Verfilmungen (zuletzt "Batman and Robin") bevor Nolan übernahm, gab es solche lockeren Sprüche. Nolans Verfilmungen sind nur deshalb gut, weil er den Character des "Dark Knight" konsequent darstellt und auf solche "lockeren Sprüche" ZUM GLÜCK verzichtet.

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