Ex-Bösewicht Gru mit seinen Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes © Universal Pictures

Mit ihrem Animationsfilm Ich – einfach unverbesserlich hatten die Regisseure Chris Renaud und Pierre Coffin vor drei Jahren das Genre von 007 und Mission Impossible erfolgreich ins Kinderzimmerformat übersetzt. Dabei machten sie sich die Erkenntnis zunutze, dass in solchen Filmen die Bösewichte stets die interessanteren Charaktere abgeben: Nicht ein aufgeblasener Superheld, sondern ein untersetzter Großkrimineller mit ausladender Hakennase und russischem Akzent wurde von ihnen zur Hauptfigur gekürt. Das Reich des Bösen, in das James-Bond-Filme nur für den obligatorischen Schurkenmonolog einen kurzen Ausflug unternehmen, um es dann final in Flammen aufgehen zu lassen, wurde hier zum eigenen filmischen Universum ausgebaut. An dessen Tür klopften drei kleine Waisenmädchen, die im Verlauf der Geschichte das Herz des Oberfieslings Gru systematisch aufweichten, bis dieser am Ende als glücklicher Adoptivvater Gute-Nacht-Küsse verteilte.  

Mit seiner originellen Story spielte Ich – Einfach unverbesserlich auf dem umkämpften Trickfilmmarkt weltweit beachtliche 543 Millionen Dollar ein. Den Marktzwängen, aber auch dem Gesetz des Seriellen gehorchend, das im Kinderfilmsektor besonders oft zur Anwendung gebracht wird, folgt nun die Fortsetzung aus der Animationsschmiede der Universal Studios. Aber wie soll es weitergehen mit einem Schurken, der sein Herz für Kinder entdeckt hat und dem deshalb im Genreschema zwischen Gut und Böse nur noch wenige Entwicklungsmöglichkeiten bleiben?  

Auf diese Frage scheinen die Filmemacher auch keine Antwort gefunden zu haben und verzichten einfach auf weitere kathartische Veränderungen der Figur. Stattdessen wird erst einmal der Status Quo zelebriert. Im grauen, dunklen Haus des Meisterdiebes, der einst auszog, um den Mond zu stehlen, herrscht nun buntes Kleinfamilienchaos. Im Garten wird Kindergeburtstag gefeiert und der allein erziehende Vater quetscht sich sogar in ein rosa Tutu, um als Traumfee das Herz der jüngsten Tochter zu erfreuen. Im Kellergeschoss, wo einst Tüftler Dr. Nefario für seinen Unterweltboss komplizierte Waffen und Fahrzeuge entwickelte, werden heute Konfitüre und Fruchtgelees abgefüllt.  

Doch das Böse ist deswegen nicht aus der Welt. Gru wird von der Anti-Verbrecher-Liga und der agilen Agentin Lucy als Insider angeworben. Er soll helfen einen Bösewicht dingfest zu machen, der im Besitz eines Mutationsvirus ist, das harmlose Kaninchen in hörige, wütende Monster verwandelt. Und so schlägt sich der ehemalige Ganove auf die Seite des Gesetzes und wird doch noch zum Weltenretter, wodurch die Figur einiges an ihrer widersprüchlichen Attraktivität verliert.  

Echte Gewissens- und Seelenkonflikte muss Gru nicht mehr ausstehen und auch das offensichtliche Bemühen, die familiäre Idylle mit der patenten Agentin durch eine Mutterfigur zu vervollständigen, ist alles andere als eine innovative Plotidee. Aber was dem Sequel an konzeptioneller Kreativität fehlt, macht es durch die originellen Details wett, mit denen die konventionelle Struktur gefüllt wird.

Ein echter Zugewinn ist die Figur der taffen Verbrechensbekämpferin Lucy, die körperlich wie verbal durch ihre Schlagfertigkeit punktet. Größerer Raum wurde in der Fortsetzung den kleinen gelben Minions eingeräumt. Ähnlich wie das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat in Ice Age hatten sich die kleinen gelben Wesen, die gut gelaunt im Tiefgeschoss für ihren kriminellen Boss schufteten, zu den heimlichen Stars des ersten Teils gemausert. Die Filmemacher schöpfen nun in der Fortsetzung die minimalen Gestaltungsmöglichkeiten der Figuren, die aussehen wie die Innenkapsel eines Kinder-Schokolade-Überraschungseis, voll aus – bis hin zu einer herrlichen Karaoke-Show zu YMCA von den Village People.

Die hohe Aufmerksamkeit für die Winzlinge ist allerdings auch strategisch begründet, denn ein Spin-Off, das die Minions ganz alleine in den Mittelpunkt stellt, hat das Studio schon in Vorbereitung.