Oft geht es schief, wenn Regisseure die Genres Dokumentation und Spielfilm zum Amalgam der Doku-Fiktion verschmelzen. Zwei Gattungen kollidieren dann, deren Zugang zur Wahrheit sich von Natur aus unterscheidet: Der Dokumentarfilm möchte mithilfe von Originalaufnahmen und authentischen Interviews Wirklichkeit abbilden. Das fiktionale Werk erzählt hingegen seine ganz eigene Geschichte, durch eine dem Stoff gemäße Bildsprache und Dramaturgie.

Ihre Mischform, die Doku-Fiktion, hält sich nur scheinbar an die Realität. Sie traut der Brisanz des wahren Geschehens nicht, will mindestens eine Prise an Dramatik hinzugeben, um noch den letzten Zuschauer emotional zu packen. Das lässt sie unlauter wirken. Nicht so im Fall des Thrillers Der Blender – The Imposter. Hier ist das filmische Mittel zugleich Kern der Geschichte: Es geht um Täuschung und Wahrheitssuche. Um Opfer und Täter von Suggestion und Selbstbetrug.

Den Hintergrund bildet eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1994. Im texanischen San Antonio verließ der 13-jährige Nicholas Barclay das Haus seiner Familie, um Basketball spielen zu gehen. Er kehrte nicht mehr zurück. Drei Jahre später taucht in einem Kinderheim in Spanien ein junger Mann auf und behauptet, der vermisste Barclay zu sein. Die Familie holt ihn sogleich zurück in die USA und akzeptiert ihn fortan als den verlorenen Sohn.

Dabei ähnelt der Findling dem Verschollenen kaum: Sein Haar ist dunkel statt blond, die Augen sind braun statt blau, er spricht Englisch mit französischem Akzent. Zudem wirkt er deutlich älter als 16.

Doch die Geschichte, die er der Familie, den Medien und dem FBI auftischt, überwältigt so sehr, dass sie zunächst überzeugt. Er sei verschleppt und mit anderen Jungen jahrelang sexuell missbraucht worden, erzählt der vermeintliche Barclay. Selbst das Militär sei in die Entführungen verwickelt.     

Der Zuschauer weiß früh, wer der Blender ist, der sich erfolgreich in eine amerikanische Familie schleust und im Fernsehinterview seine Lügengeschichte erzählt: ein Mann namens Frédéric Bourdin. Ein 23-Jähriger mit französisch-algerischen Wurzeln, nach eigener Aussage auf der Suche nach der nie erlebten Liebe und nach fremden Identitäten.