Film "Ein Freitag in Barcelona"Der Mann, das verstörte Geschlecht

Wie hat ein Mann heute zu sein? Der spanische Episodenfilm "Ein Freitag in Barcelona" zeigt mit leiser Selbstironie Männer, die unbeholfen im Leben und Lieben sind. von 

Mutterkomplex und Erektionsprobleme: Jordi Mollà (links) und Alberto San Juan in "Ein Freitag in Barcelona"

Mutterkomplex und Erektionsprobleme: Jordi Mollà (links) und Alberto San Juan in "Ein Freitag in Barcelona"  |  © Camino Filmverleih

Typisch Frau, typisch Mann? Geschlechterrollen sind ein vermintes Terrain, in der Literatur wie im Kino. Detonationen drohen allenthalben. Cesc Gays Episodenfilm Ein Freitag in Barcelona vermeidet sie, er ist nie zotig oder abgeschmackt. Die Männer sind hier in erster Linie: kläglich. Erbarmungswürdige Geschöpfe, zumal in der Liebe. Sie flirten unbeholfen und erkennen nicht, was in ihrer eigenen Beziehung falsch läuft. Trennungen setzen ihnen übel zu, sie flüchten sich in Larmoyanz.

Der spanische Regisseur und Drehbuchautor Gay, Jahrgang 1967, zeigt Männer diesseits und jenseits der Midlife-Crisis. Sie alle eint das große Zaudern und die unausgesprochene Frage: Wie hat ein Mann eigentlich zu sein, zu Beginn des dritten Jahrtausends?

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Jedenfalls nicht so wie die beiden alten Freunde, die sich nach Jahren wiedertreffen. Der eine (Eduard Fernández) wohnt seit seiner Scheidung wieder bei der Mutter, den Lebensmittelpunkt bildet eine Katze. Der andere (Leonardo Sbaraglia) kommt mit tränenverhangenem Blick vom Psychotherapeuten. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne, leidet aber unter Ängsten, Schlafstörungen und diversen Phobien.

Die Männer in Gays Film bleiben namenlos – inmitten selbstbewusster Saras, Marías und Elenas. Wem der Name fehlt, dem fehlt das Profil. Er wird zum Prototyp seiner Geschlechtsgenossen. Gays Charaktere sind weinerlich, die Augen glasig.

Sie haben gelernt, dass der moderne Mann einfühlsam ist, dass er sich zurücknimmt. Doch sie verwechseln Empathie mit Selbstmitleid. So sitzt ein betrogener Ehemann (Ricardo Darín) stundenlang auf der Parkbank, mit Blick auf den Balkon seines Nebenbuhlers. Er kommt ins Gespräch mit einem Bekannten (Luis Tosar) und erzählt ihm, dass der Seitensprung wichtig für seine Frau sei, im Grunde gut für die Ehe. "Wenn sie eine Affäre braucht, verdient sie ein bisschen mehr Rücksicht von mir", sagt er. "Warum sind wir so egoistisch?" Dann begreift er, dass ihm der Rivale seit Minuten gegenübersteht. Offene Wut? Vorwürfe? Fehlanzeige. Stattdessen tauschen sich beide darüber aus, was Laura wohl gut tut. Sie mag ja Teppiche. Aber das wusstest du sicher schon? Nein, nein, das noch nicht.

Leserkommentare
  1. bevor ich was zum Artikel sage, schaue ich ihn mir lieber erst an... :-)

    Danach kann ich dann sagen, ob es das übliche "moderne Männer sind unfähig" ist oder ob es einfach darum geht, dass die Emanzipation einfach nicht für das Wesen Mann geschaffen ist...

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    Schließlich ist die Überlegenheit des weißen Mannes über Frauen und Farbige naturgegeben und gottgewollt. Ganz unten in der Hierarchie stehen die pechschwarzen Frauen. Werden weiße Frauen vor oder nach schwarzen Männern einsortiert?

  2. Männer, die "unbeholfen" und "larmoyant" sind und sich in "Selbstmitleid" suhlen. Gut, daß die ZEIT mir sagt, daß das was ganz Neues ist, sonst hätte ich nach gefühlt 1000 Filmen auf Leinwand und Bildschirm doch glatt gedacht, Männer seien ausschließlich auf die Rolle des Volldeppen abonniert.

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  3. ...nicht nur in Deutschland sieht`s duster aus. Auch in Spanien werden Männer , zumindest in solchen Filmen, nicht mehr als solche wahrgenommen. Wie kommen Die Frauen darin auf die Idee erziehen zu wollen? Die haben die Basis dafür doch überhaupt nicht. Den Männern dort empfehle ich es, wie die Frauen zu machen: Nicht emotional auf Männer angewiesen sein, als Mann natürlich nicht auf Frauen, sich emotional und gedanklich davon zu lösen, nur Anforderungen zu GENÜGEN. Und darüber hinaus mal was aus sich zu machen. Jeder von den Typen wird beim Blick in den Spiegel angenehm überrascht sein, wenn die Strassenkötergrauen Fusseln auf dem Kopf Farbe bekommen. Und man Kleidung nicht nur anzieht, um nicht nackt zu sein oder weil Mutti die gekauft hat. Die Frauen in dem Film pflegen Affären, nun ja, ein paar andere Männer muß es ja bereits geben. Es macht keinen Sinn ständig mit Frauen zu leben, aber es gibt einiges von denen zu lernen...auch wie man jemanden kontrolliert und manipuliert. Muß man dann ja nicht ständig machen...wie Frauen es halt machen ;-)

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    • ovozim
    • 11. Juli 2013 12:34 Uhr

    Es nervt, wie primitiv dieses Thema abgehandelt wird - vom #Aufschrei bis zur "Männer sind Loser"-Märchenstunde. Ich kenne keine Frauen, wie sie in Filmen und Texten zu finden sind. Ich kenne auch keine Männer, die dem Männerbild (vom "echten" Kerl bis zum "Loser") entsprechen. Die sind alle gleich von Erfahrungen geprägt. Auf beiden "Seiten" gibt es die Kaputten, Desorientierten, Enttäuschten, Aggressiven, Hypomanischen, Gestörten, leicht Erregbaren, Geschädigten, Narzistischen usw.

    Irgendwann gelingt es, Sprache und Bilder nicht zur Reduktion und Pauschalisierung zu benutzen. Dann ist der Blick auf tatsächliche Entwicklungen frei. Zum Beispiel den gewaltigen Unterschied, wie die Reaktionen von Kindern/Menschen auf Gewalt in einem veränderten Umfeld, einem veränderten Zeitgeist wechselwirken. Die Gesellschaft wandelt sich derart schnell - und trotzdem müssen zB jene mit den Bedingungen der heutigen Zeit klarkommen, deren Erziehung von verschleppten Traumata der Nachkriegsgeneration bestimmt war, die deshalb wenig Selbstachtung haben, die wenig von Selbstdarstellung halten. Das betrifft Menschen - und nicht Geschlechter.

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  4. Schließlich ist die Überlegenheit des weißen Mannes über Frauen und Farbige naturgegeben und gottgewollt. Ganz unten in der Hierarchie stehen die pechschwarzen Frauen. Werden weiße Frauen vor oder nach schwarzen Männern einsortiert?

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    Ich habe meinem Kommentar das Äquivalent zu Ironie ein bzw. aus voran- und hintangestellt. ( "kleiner gleich" plus "Ironie" plus "größer gleich plus Kommentar plus "kleiner gleich" plus "/" plus "Ironie" plus "größer gleich). Das ist nicht übernommen worden.

  5. Ich habe meinem Kommentar das Äquivalent zu Ironie ein bzw. aus voran- und hintangestellt. ( "kleiner gleich" plus "Ironie" plus "größer gleich plus Kommentar plus "kleiner gleich" plus "/" plus "Ironie" plus "größer gleich). Das ist nicht übernommen worden.

    • garl
    • 12. Juli 2013 10:28 Uhr
    7. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Debatte. Die Redaktion/au

    • garl
    • 12. Juli 2013 11:40 Uhr

    und das dann über 90 minuten...aber hey...beteiligen sie sich mit konstruktiven beiträgen...wir sind nämlich total seriös und der film ist es auch.

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  • Schlagworte Spanien | Regisseur | Geschlechterkampf | Film | Barcelona
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