Typisch Frau, typisch Mann? Geschlechterrollen sind ein vermintes Terrain, in der Literatur wie im Kino. Detonationen drohen allenthalben. Cesc Gays Episodenfilm Ein Freitag in Barcelona vermeidet sie, er ist nie zotig oder abgeschmackt. Die Männer sind hier in erster Linie: kläglich. Erbarmungswürdige Geschöpfe, zumal in der Liebe. Sie flirten unbeholfen und erkennen nicht, was in ihrer eigenen Beziehung falsch läuft. Trennungen setzen ihnen übel zu, sie flüchten sich in Larmoyanz.

Der spanische Regisseur und Drehbuchautor Gay, Jahrgang 1967, zeigt Männer diesseits und jenseits der Midlife-Crisis. Sie alle eint das große Zaudern und die unausgesprochene Frage: Wie hat ein Mann eigentlich zu sein, zu Beginn des dritten Jahrtausends?

Jedenfalls nicht so wie die beiden alten Freunde, die sich nach Jahren wiedertreffen. Der eine (Eduard Fernández) wohnt seit seiner Scheidung wieder bei der Mutter, den Lebensmittelpunkt bildet eine Katze. Der andere (Leonardo Sbaraglia) kommt mit tränenverhangenem Blick vom Psychotherapeuten. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne, leidet aber unter Ängsten, Schlafstörungen und diversen Phobien.

Die Männer in Gays Film bleiben namenlos – inmitten selbstbewusster Saras, Marías und Elenas. Wem der Name fehlt, dem fehlt das Profil. Er wird zum Prototyp seiner Geschlechtsgenossen. Gays Charaktere sind weinerlich, die Augen glasig.

Sie haben gelernt, dass der moderne Mann einfühlsam ist, dass er sich zurücknimmt. Doch sie verwechseln Empathie mit Selbstmitleid. So sitzt ein betrogener Ehemann (Ricardo Darín) stundenlang auf der Parkbank, mit Blick auf den Balkon seines Nebenbuhlers. Er kommt ins Gespräch mit einem Bekannten (Luis Tosar) und erzählt ihm, dass der Seitensprung wichtig für seine Frau sei, im Grunde gut für die Ehe. "Wenn sie eine Affäre braucht, verdient sie ein bisschen mehr Rücksicht von mir", sagt er. "Warum sind wir so egoistisch?" Dann begreift er, dass ihm der Rivale seit Minuten gegenübersteht. Offene Wut? Vorwürfe? Fehlanzeige. Stattdessen tauschen sich beide darüber aus, was Laura wohl gut tut. Sie mag ja Teppiche. Aber das wusstest du sicher schon? Nein, nein, das noch nicht.