HollywoodActionfilme vor der Apokalypse

Teuer, laut und leer: Steven Spielberg und George Lucas kritisieren die immer irrwitzigeren Blockbuster-Budgets. Und nun bleiben auch die Zuschauer weg. von Oliver Kaever

Die amerikanischen Regisseure Steven Spielberg (links) und George Lucas (Aufnahme vom Februar 2012)

Die amerikanischen Regisseure Steven Spielberg (links) und George Lucas (Aufnahme vom Februar 2012)  |  © Valerie Macon/Getty Images

Ausgerechnet Steven Spielberg und George Lucas. Die Regisseure, die einige Kritiker dafür verantwortlich machen, in den Siebzigern mit ihren Hit-Giganten Der weiße Hai und Krieg der Sterne dem Autorenfilm des New Hollywood das Licht ausgeblasen und die Ära des lärmenden Blockbusters eingeleitet zu haben. Ausgerechnet diese beiden warnten kürzlich bei einer Podiumsdiskussion der University of Southern California davor, Hollywood stehe mit seinem Geschäftsmodell der überteuerten Eventfilme kurz vor dem Untergang.

Spielbergs Vision von Hollywoods Zukunft klingt wie der Plot eines Katastrophen-Spektakels: "Es wird eine Implosion geben, bei der drei oder vier oder sogar ein halbes Dutzend Megabudget-Filme und damit das gesamte Modell Hollywoods in sich zusammenstürzen." Danach seien anspruchsvolle Filme wie sein Historien-Drama Lincoln mit einem Budget von 50 Millionen Dollar nur noch im Fernsehen zu sehen. Das Kino hingegen werde sich zu einer Abspielstätte für Actionfilme wie Iron Man entwickeln und Eintrittspreise von weit über 20 Euro verlangen.

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Teil eins des Spielbergschen Szenarios ist diesen Sommer bereits eingetreten. Roland Emmerichs White House Down und das Sci-Fi-Epos After Earth mit Will Smith floppten in den USA besonders heftig, und auch Pacific Rim, Lone Ranger und R.I.P.D. (des deutschen Regisseurs Robert Schwentke) spielten dort viel weniger ein als erwartet. Der nächste Flop ist schon unterwegs: Wolverine – Weg des Kriegers spielte vergangene Woche in den USA nur 55 Millionen Dollar ein. Klingt nach viel. Ist aber zu wenig.

Immerhin verschlingen die Kino-Dinosaurier zwischen 130 und 250 Millionen Dollar an Produktionskosten. Wolverine kostete 100 Millionen. Dazu kommen pro Film noch einmal geschätzte 150 bis 200 Millionen Dollar für die weltweiten Marketing-Kampagnen. Um profitabel zu sein, müssen die Blockbuster also mindestens das Doppelte ihrer Produktionskosten einspielen. Das funktioniert immer seltener. Der Nachrichten-Kanal Fox News berichtet in seiner Online-Ausgabe, Hollywood-Studios müssten in diesem Jahr bis zu einer Milliarde Dollar Verluste durch die Flops abschreiben.

Immer mehr Regisseure kritisieren Hollywoods Politik des Eventfilms, darunter Quentin Tarantino, Ron Howard und vor allem Steven Soderbergh. Der Vielfilmer kündigte schon lange seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft an. Sein vorerst letztes Drama, das Liberace-Biopic Behind the Candelabra, wurde in den USA von den Filmstudios abgelehnt und schließlich vom Pay-TV-Sender HBO produziert. Er lief trotzdem im Mai auf dem Festival von Cannes und bekommt in Europa auch einen Kinostart.

In einer Brandrede auf dem San Francisco Film Festival ließ Soderbergh im April seinem Frust freien Lauf: "Immer weniger Manager sind in diesem Geschäft, weil sie Filme lieben. Immer weniger Manager in den Studios kennen überhaupt Filme", klagt Soderbergh und beschreibt die bizarre Situation, Menschen ein Projekt schmackhaft machen zu müssen, die keine Ahnung und kein Interesse hätten. Obwohl sie wieder und wieder versage, klammerten sich die Studios sklavisch an Ergebnisse der Marktforschung. Kreativität und Talent würden mit Argwohn betrachtet, Filme stattdessen so lange getestet, bis alle Vieldeutigkeiten, Widersprüche oder Denkanstöße beseitigt seien. Das Ergebnis sei ein stromlinienförmig designtes Spektakel mit lauten Spezialeffekten und schwachen Figuren, in dem kein Gramm Leben mehr stecke. "Kino, wie ich es definiere, also etwas, was mich inspirierte, wird von den Studios gnadenlos attackiert. Und, so wie ich das sehe, unterstützt sie das Publikum auch noch dabei", klagt Soderbergh und beschreibt, wie er während eines Fluges einen Mitreisenden beobachtete, der auf seinem iPad einen Zusammenschnitt von Blockbuster-Actionsequenzen abspielte – "mayhem porn", wie der Regisseur es nennt.

Leserkommentare
  1. George Lucas, was für ein Hals!

    5 Leserempfehlungen
  2. Dieser Artikel war längst überfällig, also vielen Dank!
    Ich stimme der Analyse Spielbergs weitgehend zu, im großen und ganzen wird Kino größer, lauter und spektakulärer, aber genauso leblos und austauschbar. Sicherlich haben bloße "Entertainmentmovies" ihre Berechtigung, aber die ausschließliche Definition des modernen Kinos über diese ist tödlich.
    Wegweisendes Beispiel gelungener Symbiose im letzten Jahrzehnt war m.E. die Batman-Trilogie. Hieran sollte sich Hollywood orientieren.

    11 Leserempfehlungen
    • Rhuo
    • 02. August 2013 14:35 Uhr

    Viel Effekt, schnelle Schnitte, wenig Tiefgang. Das zeichnet für mich das heutige Blockbuster Kino aus. Die Ticketpreise sind recht teuer wenn man den Umstand bedenkt, dass man vor lauter Gewackel gar nichts mehr sieht.

    Man bezahlt heutzutage wohl auch dafür, was man nicht erfassen kann.

    Nach Man of Steel verließ ich den Saal, geistig erschöpft und konnte vor Sinnesüberlastung nicht einmal mehr einordnen ob mir der Film gefallen hat oder nicht.

    Ich vermute die beiden Kristallschädel haben aus dem Indiana Jones Debakel gelernt. Denn das was sie da abgefeiert haben war genau das was sie heute kritisieren.

    8 Leserempfehlungen
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    • kla-sch
    • 02. August 2013 15:43 Uhr

    "Ich vermute die beiden Kristallschädel haben aus dem Indiana Jones Debakel gelernt"

    Was denn für ein "Debakel"? Der Film hat $185 Mio + $150 Mio (Budget + Promotion) gekostet und hat $786 Mio allein an der Kinokasse wieder eingespielt.

    Merke: Nur weil einem persönlich ein Film nicht gefällt, so ist er noch lange kein "Debakel".

    Indiana Jones Teil 4 war einfach schlecht. Es mag ja sein, dass es Leute gab oder gibt, denen der Film gefallen hat. Die gibt es sowieso immer. Aber im Vergleich zu den ersten drei war das einfach stumpf. Da muss man auch gar nicht über Geschmack reden. Es war einfach schlicht unoriginell.

    Viel eindeutiger wird das noch bei Star Wars und zwar an zwei Punkten.

    Erstens: Die neuen Star Wars Filme und ganz besonderes Episode 1 sind aufgewärmte High Budget Produktion, die den Zweck besaßen, noch mal ordentlich Geld aus einer bekannten Marke rauszuholen. Bitte erklär mir einer, welcher künstlerische oder anspruchsvolle Aspekt diesen Film ausmacht und ich ziehe die Aussage zurück.

    Zweitens: George Lucas beschwert sich also über irrwitzige Budgets. Komisch. Wem gehört jetzt nochmal Lucasfilm? Wie verlogen ist das denn bitte?

    • Squint
    • 02. August 2013 14:40 Uhr

    Es ist in der Tat amüsant, dass ausgerechnet Spielberg und Lucas heute diejenigen sind, die warnen. Was wohl die damaligen Mahner heute dazu sagen würde?
    Das ist allerdings nicht negativ gemeint, so ist eben der Lauf der Dinge.

    Ich halt es auch für zweifelhaft, ob die derzeitige Blockbusterorgie mit x Megafilmen pro Jahr zukunftsfähig ist. Selbst wenn (und das ist sie) eine Zielgruppe da ist, dann übersättigt die Menge an Blockbustern und verleitet geradezu dazu, illegale Bezugskanäle zu wählen.
    Daher kann es wohl über kurz oder lang nur einen Schritt zurückgehen.

    Im Übrigen kann ich an dieser Stelle im Angesicht eineer anderen, aktuellen Thematik (Prsm, Tempora etc.) nur einen relativ unbekannten Film von Geroge Lucas empfehlen: THX 1138.
    Ein Film über einen totalitären Überwachungsstaat, in dem die Menschen nichts mehr weiter als numertierte, emotionslose Konsumzombies sind.
    Äußerst sehenswert! (und zum Nachdenken anregend)

    4 Leserempfehlungen
  3. die richtig guten Actionfilme wie die jeweils ersten Teile von Der weiße Hai, Rocky, Terminator,
    Rambo oder Stirb langam geblieben ?
    Es ist richtig die neueren Actionfilme des Genres haben keine Seele mehr, fast nur noch Bombast, Effekte und Krawall. Ein Film gleicht den anderen. Dazu noch die Vampierfilme der vergangenen Jahre... wem's gefällt...

    Ich sehe da lieber die zigte Wiederholung der oben genannten Filme...

    3 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 02. August 2013 15:24 Uhr

    denn man kann das Rad nicht immer wieder neu erfinden. In sehr vielen Genres wurden die Geschichten bereits erzählt und genau das löst bei vielen Menschen diesen "Schon gesehen" - Effekt aus. Die Folge? Sie zahlen das Geld nicht für das Kino, sondern schauen Fernsehen, oder LieblingsDVDs etc. Die Krise Hollywoods, ist nur die Krise, dass man in den letzten Jahrzehnten alles Mögliche in verschiedensten Varianten verfilmt hat. Wie also kann man dann die Besucher in die Kinos locken? Kleiner Vergleich: die gleiche Diskussion gibt es auch bei Computerspielen. Auch diese werden immer teurer, aufwendiger und pompöser inszeniert und umgesetzt. Die Kritik ist häufig, dass der Tiefgang leidet, was jedoch nur eine oberflächliche Betrachtung ist. Man wird nicht wieder und wieder ein Genre Monat für Monat revolutionieren (wie z.B. es Matrix geschafft hat) und umso wichtiger ist es eigentlich, dass man das was man bekommt zwar kritisch betrachtet, dann aber auch zu schätzen weiß, was man da geboten bekommt. Ein weiterer kleiner Vergleich. Die trashige Umsetzung von StarTrek in den 80ern und heute. Auch darüber wird viel diskutiert. Ich glaube vor allem, dass Effekte mittlerweile als so selbstverständlich hingenommen werden, dass viele Kritiker die Fähigkeit zum Staunen verloren haben.

    als man deren markante Darsteller Stallone, Willis und Schwarzenegger durch Fönfrisur-Schönlinge ausgetauscht hat.

    • J.S.
    • 02. August 2013 14:43 Uhr

    Hollywood wird untergehen, da es schon lange den Point of no return überschritten hat. Das weltweite Filmgeschäft, das von Hollywood aus gesteuert wird ist systemisch zum Tode verurteilt. Immer größere Budgets erfordern immer sicherere Investitionen und somit Popcorn-Kino. Solange die Kinogänger noch nicht die Nase voll von all den schwachsinnigen Scripts, hirnrissigen Plots und obendrein oft auch schlechten Schauspielern hat, wird das System weiterlaufen. Das wird mit Sicherheit auch noch ein paar Jahre, wenn nicht sogar eine Dekade gut gehen. Aber wenn es so weit ist, dass auch der letzte Zuschauer keine Lust mehr auf solche "Spektakel" hat, wird Hollywood nicht mehr in der Lage sein zurückzurudern. Dann sind die von Spielberg&Co angesprochenen Manager nicht fähig einen Paradigmenwechsel zu erkennen und selbstkritisch zu erkennen, dass das Hollywood'sche Modell längst verloren hat.

    Wie in anderen Kunstformen werden Independant-Produktionen an Popularität gewinnen, da zunehmend erkannt wird, dass Kino eben doch Film und nicht Popcorn bedeutet.

    7 Leserempfehlungen
    • HackFin
    • 02. August 2013 14:45 Uhr

    Wenn ich mich richtig erinnere, schaue ich seit Jahren fast ausschließlich europäische Filme und den ein oder anderen süd-koreanischen Film.

    Die letzten beeindruckenden Filme aus den USA an die ich mich erinnern kann, sind Big Fish, Fight Club und The Straight Story.

    Huch, das ist ja schon über zehn Jahre her.

    3 Leserempfehlungen
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    Genau! Keiner.

    • 4LOM
    • 02. August 2013 23:04 Uhr

    Wenn man seit Jahren fast ausschließlich europäische und asiatische Filme guckt, könnte es auch schwer werden, gute US-amerikanische Filme für sich zu entdecken. Daher hat ihr Urteil, dass Hollywood oder der US-Markt seit über zehn Jahren keinen guten Film mehr hervorgebracht habe, wohl keinerlei Grundlage. Das Hollywood-Blockbuster-Kino ist - bis auf wenige Ausnahmen - wirklich nicht mehr zu genießen, aus den Staaten kommen trotzdem immer noch hervorragende Filme zu uns rüber.

  4. ... Die kreativen Leute sind schon längst in die Computerspielbranche abgewandert, dort jagt zur Zeit ein Hit MIT INHALT den Nächsten, "Last of Us", "Bioshock Infinite"... Etc..

    9 Leserempfehlungen
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    "Szene aus dem Blockbuster "Pacific Rim": Die Gigamonster Kaiju verspeisen die Golden-Gate-Bridge zum Frühstück."

    Das ist so ein Schmarrn ohne Sinn. Oder dieses Battleship beispielsweise.

    Man schaut, was man als Kind sehen wollte. Transformers, Elfen und Zwerge, Superhelden, Astronauten, Gruselfiguren wie Vampire...

    Wolverine will ich sehen. Hoffentlich ist da wenig Action und viel Geschichte.

    Die von Ihnen genannten Produktionen sind sicherlich überragend und dennoch Beispiele, dass das Triple A Format dazu gehört. Ich sehe auch kein Problem in riesigen Budgets solange der Anspruch gewahrt wird welcher einen Film oder das Spiel im Kopf bleiben lässt.

    Dennoch beweist die Call of Duty Reihe, dass Eventkino auch in der Spieleindustrie noch wirtschaftlich ungeschlagen ist.

    Insgesamt sind Spiele auch besser geeignet Tiefgang zu bieten da in 15 oder gar 50 Stunden ein viel glaubhafteres Universum erschaffen werden kann als an einem Kinoabend, daher ist der Vergleich vllt. auch nicht ganz fair. ( Deswegen vllt. auch so viele aufstrebende Serien )

    The Last of Us, Bioshock infinite oder das kommende GTA 5 sind aber defintiv alle auf ihre eigene Art und weiße wunderbare Beispiele wie gelungene mediale Unterhalttung aussehen kann und das sogar mit wirtschaftlichen Erfolg.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Steven Spielberg | Steven Soderbergh | George Lucas | Film | Fox | Blockbuster
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