Homosexualität in Russland"Wir wurden acht Stunden lang verhört"

Kris van der Veen wollte einen Film über Schwule und Lesben in Russland drehen. Dann wurde er des Landes verwiesen. Den Film soll es dennoch geben, sagt er im Interview. von 

Kris van der Veen, 33, ist Mitglied der niederländischen grünen Partei GroenLinks und arbeitet als Projektmanager und Sozialarbeiter in Groningen.

Kris van der Veen, 33, ist Mitglied der niederländischen grünen Partei GroenLinks und arbeitet als Projektmanager und Sozialarbeiter in Groningen.  |  © privat

ZEIT ONLINE: Herr van der Veen, Sie wurden vergangene Woche aus Russland ausgewiesen, nachdem Sie in Murmansk auf einem Festival für Menschenrechte einen Film über homosexuelle Menschen gedreht haben. Warum?

Kris van der Veen: Vor einem halben Jahr habe ich mit einer Organisation in Murmansk Kontakt aufgenommen, sie heißt House of Equality. Vorrangig ist es eine Menschenrechtsorganisation. Sie bemüht sich auch sehr, die Rechte von LGBTs (engl. Sammelbegriff für Lesbisch, Schwul, Bi- und Transsexuell) zu stärken. Mein Team und ich kamen auf die Idee, einen Film über die Lage von Homo- und Transsexuellen in Russland zu drehen. House of Equality hat nach Menschen gesucht, die Lust haben, von ihrem Alltag zu berichten.

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ZEIT ONLINE: Sie wurden dort festgenommen. Wie ist das passiert?

Van der Veen: Ich habe einen Workshop durchgeführt und über Schwulenehe und die Situation der LGBTs in den Niederlanden erzählt. Danach gab es eine Diskussion. Plötzlich tauchten etwa 15 Leute auf, manche von ihnen in Polizeiuniform, und wiesen uns an, den Raum zu verlassen. Mein Filmteam und ich wurden in ein anderes Zimmer gebracht und acht Stunden lang verhört. Wir durften keinen Anwalt anrufen. Die Befragung war nicht gerade angenehm. Ihr Ziel war es, uns einzuschüchtern.  

ZEIT ONLINE: Was wurde Ihnen vorgeworfen?

Van der Veen: Sie haben uns sehr viele Fragen zum Seminar gestellt, auch dazu, welche Interviews ich geführt und welche Fragen ich den Menschen gestellt habe. Am Ende mussten wir ein Bußgeld von 70 Euro zahlen, weil wir angeblich die falschen Visa hätten. Wenn ich Vorträge über Menschenrechte halte, wäre mein Visum nicht ausreichend.

ZEIT ONLINE: Alles wegen eines falschen Visums?

Van der Veen: Die Beamten warfen mir auch vor, ein minderjähriges Mädchen befragt zu haben. Sie hatte mir keinen Pass gezeigt, daher weiß ich nicht, wie alt sie tatsächlich war. Wir wurden am Montag um 9 Uhr vor Gericht in Murmansk geladen. Die wussten zunächst nichts über den Fall und schickten uns wieder weg. Ich habe ein paar gute Freunde und Kollegen im Europäischen Parlament, die uns sehr geholfen haben. Jedenfalls gab es kein Gerichtsverfahren gegen uns. Wir haben auch nichts Illegales getan.

Leserkommentare
  1. das sie zu kompensieren versuchen indem sie Schwule und Lesben verprügeln.

    Welches Problem das wohl ist?

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    • GolaSS
    • 26. Juli 2013 20:33 Uhr

    ich glaub nicht, Sie werden die Festplatte in einem unversehrtem Zustand je wiederbekommen...

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  2. ...mich wieviele Regierungsmitglieder in Russland Abends heimlich in den entsprechenden Videokabinen rumschleichen:-)

    Obwohl, vieleicht ist es nur Opportunismus, die Umfragen in Russland sprechen eine eindeutige Sprache. In diesem Fall sollten wir uns nicht für was Besseres halten, unsere Politiker würden sich genauso, haben sich in der Vergangenheit genauso verhalten.

  3. um eine wohlkalkulierte Provokation handelte, davon darf ich doch ausgehen, oder?

    Ich würde als nächsten Drehort ein wärmeres Land vorschlagen, Saudi Arabien bietet sich da an....

    3 Leserempfehlungen
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    Inwiefern sollte oder wollte der Herr van der Veen denn provozieren? Dadurch, dass er Interessierte über die Rechtslage in seiner Heimat aufklärte? Oder dadurch, dass er mit LGBTs über ihre Erfahrungen sprechen wollte?

    Da niemand gezwungen wurde teilzunehmen und Russland ja laut gewissen Politikern eine Demokratie mit Meinungsfreiheit ist, dürfte beides kein Problem gewesen sein.

    • dacapo
    • 04. August 2013 1:06 Uhr

    ........ Russland, wäre meine Frage.

  4. Inwiefern sollte oder wollte der Herr van der Veen denn provozieren? Dadurch, dass er Interessierte über die Rechtslage in seiner Heimat aufklärte? Oder dadurch, dass er mit LGBTs über ihre Erfahrungen sprechen wollte?

    Da niemand gezwungen wurde teilzunehmen und Russland ja laut gewissen Politikern eine Demokratie mit Meinungsfreiheit ist, dürfte beides kein Problem gewesen sein.

    3 Leserempfehlungen
  5. wenn diese Festplatte nicht verschlüsselt war, kann man davon ausgehen, dass die Menschen, eren Kontakte dort stehen und in Russland verweilen oder wohnen recht bald unangenehmen Besuch erhalten.

    wenn er darauf die Kontaktdaten sowie auch die Interviespartner oder gar die filmaufnahmen gespeichert hat, hat er den Leuten einen bärendienst erwiesen

    ziemlich blauäugig der Aktivist - vor allem wenn man schon weis wie die offizielle Lage gegenüber der gelebten Lage dort ist !

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und verzichten auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
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    der die Einseitigkeit der hiesigen Berichterstattung über Russland auf den Punkt bringt.
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dossier/1992509/

  7. der die Einseitigkeit der hiesigen Berichterstattung über Russland auf den Punkt bringt.
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dossier/1992509/

    Antwort auf "[...]"

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  • Schlagworte Film | Medien | Russland | Bußgeld | Festival | Gerichtsverfahren
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