ZEIT ONLINE: Herr van der Veen, Sie wurden vergangene Woche aus Russland ausgewiesen, nachdem Sie in Murmansk auf einem Festival für Menschenrechte einen Film über homosexuelle Menschen gedreht haben. Warum?

Kris van der Veen: Vor einem halben Jahr habe ich mit einer Organisation in Murmansk Kontakt aufgenommen, sie heißt House of Equality. Vorrangig ist es eine Menschenrechtsorganisation. Sie bemüht sich auch sehr, die Rechte von LGBTs (engl. Sammelbegriff für Lesbisch, Schwul, Bi- und Transsexuell) zu stärken. Mein Team und ich kamen auf die Idee, einen Film über die Lage von Homo- und Transsexuellen in Russland zu drehen. House of Equality hat nach Menschen gesucht, die Lust haben, von ihrem Alltag zu berichten.

ZEIT ONLINE: Sie wurden dort festgenommen. Wie ist das passiert?

Van der Veen: Ich habe einen Workshop durchgeführt und über Schwulenehe und die Situation der LGBTs in den Niederlanden erzählt. Danach gab es eine Diskussion. Plötzlich tauchten etwa 15 Leute auf, manche von ihnen in Polizeiuniform, und wiesen uns an, den Raum zu verlassen. Mein Filmteam und ich wurden in ein anderes Zimmer gebracht und acht Stunden lang verhört. Wir durften keinen Anwalt anrufen. Die Befragung war nicht gerade angenehm. Ihr Ziel war es, uns einzuschüchtern.  

ZEIT ONLINE: Was wurde Ihnen vorgeworfen?

Van der Veen: Sie haben uns sehr viele Fragen zum Seminar gestellt, auch dazu, welche Interviews ich geführt und welche Fragen ich den Menschen gestellt habe. Am Ende mussten wir ein Bußgeld von 70 Euro zahlen, weil wir angeblich die falschen Visa hätten. Wenn ich Vorträge über Menschenrechte halte, wäre mein Visum nicht ausreichend.

ZEIT ONLINE: Alles wegen eines falschen Visums?

Van der Veen: Die Beamten warfen mir auch vor, ein minderjähriges Mädchen befragt zu haben. Sie hatte mir keinen Pass gezeigt, daher weiß ich nicht, wie alt sie tatsächlich war. Wir wurden am Montag um 9 Uhr vor Gericht in Murmansk geladen. Die wussten zunächst nichts über den Fall und schickten uns wieder weg. Ich habe ein paar gute Freunde und Kollegen im Europäischen Parlament, die uns sehr geholfen haben. Jedenfalls gab es kein Gerichtsverfahren gegen uns. Wir haben auch nichts Illegales getan.