Frauenfußball-EMZDF blamiert sich mit Klischee-Clip

Der Sender überträgt die Frauenfußball-EM aus Schweden und hat dazu einen Werbespot gedreht. Der zeigt eine Spielerin nicht auf dem Platz – sondern in der Waschküche. von Sonja Álvarez

Ein Ausschnitt aus dem aktuellen ZDF-Spot zur Frauenfußball-EM

Ein Ausschnitt aus dem aktuellen ZDF-Spot zur Frauenfußball-EM  |  © TSP

Aha, da gehören Frauen fürs ZDF also hin. Nicht in die Küche, nein, lieber gleich in den Wäschekeller. Das zeigt zumindest der Werbespot, den der Mainzer Sender zur am Mittwoch beginnenden Frauenfußball-Europameisterschaft gedreht hat: Eine Spielerin dribbelt im blütenweißen  Deutschland-Trikot leichtfüßig die Treppe in den Keller hinab, die Tür zur Waschmaschine ist bereits geöffnet, zielsicher schießt sie den dreckigen Ball in die Trommel, drückt aufs – haha, wie lustig - Programm "Leder", am Ende heißt es: "Ballsauber in Schweden – die Uefa Frauenfußball-EM im ZDF".

Offenbar muss dem Sender dringend gesagt werden, dass diese EM auf dem Spielfeld stattfindet. Er will sie nämlich zusammen mit dem Ersten übertragen. Allerdings hat sich das ZDF mit dem Clip schon jetzt ein peinliches Eigentor geleistet. Da wird zur besten Sendezeit das Deutschlandspiel am Donnerstag gezeigt, da werden Experten befragt und die Begeisterung der Fans gelobt – und doch entlarvt dieser Clip, dass das ZDF beim Thema Frauenfußball offenkundig nicht über das Klischee hinaus denken kann. Seit dem Sendebeginn des ZDFs 1963 scheint sich auf dem Lerchenberg in Sachen Frauen wenig bewegt zu haben.

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Entsprechend groß ist auch die Entrüstung im Netz. Bei Twitter regen sich zahlreiche Nutzer unter den Hashtags #EM2013 und #ZDF auf. Sexistisch ist er, schreiben viele. Während das  Social-Media-Team des Senders am Mittwoch noch versucht zu beruhigen: "Internet, wir geben Euer Feedback zum #em2013 Trailer seit ein paar Tagen weiter. Wir warten auf eine Antwort - die wir Euch geben können", versteht das ZDF offenbar nicht, was es beim Clip zur EM falsch gemacht haben soll.


 ZDF: "Der Spot ist nicht sexistisch"

"Der Spot für die Frauen-Fußball-EM in Schweden soll auf augenzwinkernde Weise dieses Ereignis bewerben", sagt eine Sprecherin. Er sei zusammen mit einer freien Produktionsfirma gedreht worden. Über die Kosten macht der Sender keine Angaben, teilt aber mit: "An der Entwicklung waren im Übrigen auch Frauen beteiligt." Was den Clip selbstverständlich nicht besser macht – und die Frage aufwirft, in welcher Form die Frauen denn wohl beteiligt waren. Durften sie den Männern das Wasser reichen? Der Sender steht trotzdem zu seinem Werk: "Wir nehmen die Kritik zur Kenntnis, halten den Spot aber keineswegs für sexistisch."

1970 lästerte ZDF-Kommentator Wim Thoelke beim Beitrag über ein Frauenfußball-Länderspiel böse: "Decken, decken – nicht Tisch decken!" Vor zwei Jahren gab es zur Weltmeisterschaft im eigenen Land dann einen riesigen Hype um "20Elf von seiner schönsten Seite", so das offizielle Fifa-Motto, denn, klar, Frauen müssen erstmal schön sein. Was sie dann auf dem Platz können, ist Nebensache - im Gegensatz zum Wäschekeller. Da müssen sie Leistung zeigen. Im ZDF-Clip liegt neben der Waschmaschine bereits ein Haufen sauberer Bälle. Der soll von der Frau dann wohl auf den Platz gebracht werden. Die Männer wollen schließlich endlich spielen. 

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Gab es diesen #Aufschrei auch vor zwei Jahren, als es hieß "Dritte Plätze sind was für Männer"?

    Ist "Die Welt zu Gast bei Freunden" besser? Oder heißt das, dass Männer erstmal nett sein müssen?

    19 Leserempfehlungen
  2. Ja, so sind wir. Statt zu schmunzeln suchen wir das Stichwort für mainstreamige Empörung. Schade. Die Zukunft ist fest in den Händen der verkrampften.

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    Himmel, was ist daran denn nicht zu verstehen?! Sexismus bleibt Sexismus - egal unter welchem Deckmäntelchen er heute auch versteckt sein mag und egal, ob die verwendeten Klischees sich nun gegen Männer oder Frauen richten.

    Aber das ist etwas, dass auch das ZDF einfach nicht erfassen kann. Die meinen ernsthaft, wenn man Sexismus in vermeintliche Ironie oder platten Humor kleidet, wäre er keiner mehr.

    Dem entsprechend sind dann auch die Rechtfertigung des ZDFs, die auf derart peinliche Werbung immer wieder ähnlich lauten: es haben ja Frauen an der Konzeption des Spots mitgearbeitet und schließlich betrachte man das Ganze ja mit einem Augenzwinkern.

    Na dann, ist doch alles gut, oder? Wer sich beschwert, muss dann zwangsläufig frustriert oder hysterisch sein und auf alle Fälle keinen Sinn für Humor haben.

  3. aber mit einem Spruch der vor über 40 Jahren gefallen ist:

    "1970 lästerte ZDF-Kommentator Wim Thoelke beim Beitrag überein Frauenfußball-Länderspiel ..."

    sich heute noch zu echauffieren, naja.

    Was war eigentlich vor zwei Jahren mit Euch Medien los, als es hieß "Dritte Plätze sind was für Männer".
    Kann mich noch dunkel erinnern, dass Spörrle hier bei ZO sehr unterwürfig den "tollen Witz" erkannt zu haben glaubte.

    Einfach mal den ganzen Sexismus anprangern, ja auch den gegen Männer

    Gruß
    tL

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    Vielleicht geht es aber auch einfach um gelungene, gute Sprüche, weniger um Sexismus. "Dritte Plätze sind was für Männer" war einfach gut, den fand sogar ich als vermeintlich total diskrimierter Mann lustig. Während "Ballsauber in Schweden" einfach ein langweiliges Wortspiel ist, das leider in keiner Weise Wettkampfatmosphäre oder Spannung erzeugt, sondern Frauenfußball eher verniedlicht oder sogar lächerlich macht - wäre ich Fußballerin, würde mich der Spot nerven.

  4. ... ist nicht ideal, sollte aber mit Humor & nicht so verbissen genommen werden. Die Mannschaft kann grds. etwas. Das wurde in den vergangenen Jahren (auch wenn es bei der WM im eigenen Land nicht so gut lief) mehrfach bewiesen. Die Mitleidstour, dass Frauenfußball noch nicht in dem Maße angenommen wird wie Männerfußball hilft nicht weiter.

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    "sollte aber mit Humor & nicht so verbissen genommen werden."

    das sehe ich anders. wo immer solche stereotyp sexistischen bilder als "witz" verpackt unters volk gebracht werden, sollte man widersprechen. natürlich auch bei sprüchen wie "3. platz ist was für männer". es darf einfach nicht mehr normal sein, dass gruppen pauschal in schubladen gesteckt werden und man dann noch verlangt, sie sollen das mit humor nehmen.

    • Atan
    • 11. Juli 2013 14:53 Uhr

    nur interessieren, weil sie ihn als Vehikel für irgendwelche ideologischen Veranstaltungen nutzen wollen? Machen die einen Sport etwa nicht kaputt? Fußball lebt von von seinen Unterhaltungs- und Erlebnisqualitäten, nicht von schnarrenden PC-Appellen.

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    • zappp
    • 11. Juli 2013 14:53 Uhr

    Wenn einer bei uns einen guten Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

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  5. Knick bloß nicht ein, ZDF!

    9 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte ZDF | Fußball | Sender | Twitter | Internet
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