Film "Bottled Life"Quell der goldenen Wasserhähne

Das beste Marketing der Welt: Nestlé macht aus Leitungswasser ein Lifestyleprodukt. Der Dokumentarfilm "Bottled Life" zeigt, wie der Konzern agiert, wenn man ihn lässt. von 

Mit Nestlés Wasser in ein besseres Leben: Werbung für die Marke Pure Life in Pakistan

Mit Nestlés Wasser in ein besseres Leben: Werbung für die Marke Pure Life in Pakistan  |  © W-film/DokLab

Wenn Astrophysiker im Universum nach extraterrestrischem Leben forschen, suchen sie zuerst H₂O. Wasser ist der Quell allen Lebens und deshalb auch auf der Welt die wichtigste Ressource. Mancherorts sprudelt es im Überfluss, anderswo muss man tief in die ausgedörrte Erde bohren, um es zutage zu fördern. Darf sich jeder daran bedienen? Wem gehört das Wasser eigentlich?

Diese Fragen beschäftigen Umweltschützer, Entwicklungshelfer und Globalisierungskritiker seit einigen Jahren. Nun stellen die Schweizer Filmemacher Urs Schnell und Res Gehriger sie erneut. Sie durchleuchten das scheinbar so saubere Mineralwassergeschäft des Nestlé-Konzerns, dem größten Lebensmittelhersteller der Welt. Ihre Dokumentation Bottled Life, die bisher auf Arte und vielen internationalen Festivals zu sehen war, kommt jetzt ins Kino.

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Peter Brabeck habe lange überlegt, wie seine Firma weitere 140 Jahre bestehen könne, erzählt er gleich zu Anfang des Films. Schließlich sei er "ganz klar aufs Wasser gekommen". Brabeck ist Verwaltungsratschef von Nestlé, das mit abgefülltem Grundwasser seit den Siebzigern ein Vermögen verdient hat. Der Konzern führt den Weltmarkt für Flaschenwasser an und macht jetzt mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz damit. 64 Getränkemarken gehören zu Nestlé Waters, darunter Fürst Bismarck, San Pellegrino, Vittel und Perrier. Durch den Erwerb von Poland Spring, dem beliebtesten Mineralwasser der USA, kontrolliert Nestlé seit 1992 auch den amerikanischen Markt. Dort beginnen die Regisseure mit ihrer Recherche.

Ein libertäres Paradies in den USA

Im Bundesstaat Maine, im Örtchen Poland, drang einst eine Quelle aus dem Boden, die mittlerweile nur noch zaghaft plätschert. Nestlé bohrte einige Kilometer entfernt einen neuen Brunnen, der täglich Zehntausende Hektoliter sauberes Grundwasser fördert, und freilich heißt das Produkt weiterhin Poland Spring. Für eine profitorientierte Aktiengesellschaft ist Maine ein libertäres Paradies, dank seines antiquierten Grundbesitzrechts: Der Landeigentümer darf so viel Wasser fördern, wie er will. Nestlé kaufte oder pachtete ein paar Schollen und eröffnete einen Brunnen nach dem anderen. Die Anwohner müssen zusehen, wie ihr Grundwasser knapper wird, während sich die Schweizer mit einheimischem Leitungswasser die Hähne vergolden.

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Es gibt wenige Produkte, deren Gewinnspanne so enorm ist wie die von Mineralwasser. Was beinahe kostenlos aus der Erde kommt, erzielt später im Supermarkt einen höheren Verkaufspreis als Benzin an der Tankstelle. Flaschenwasser ist wohl der beste Marketingtrick der vergangenen 20 Jahre. Ein Lifestyle-Trend in einer Selbstoptimierungsgesellschaft, deren Grenzen sich längst von den Industriestaaten in Richtung Schwellen- und Entwicklungsländer ausgeweitet haben.

Auch dorthin folgen die Filmemacher dem Nestlé-Konzern. Sie zeigen, wie dessen Marke Pure Life durch gezielte Werbung in Pakistan zum Statussymbol und in Nigeria zu einer der wenigen zuverlässig sauberen Trinkwasserquellen wurde. Kein Getränk ist so stark verbreitet wie Pure Life. Es besteht in 27 Ländern aus gefiltertem, mit künstlichen Mineralien versetztem Leitungswasser und schmeckt überall gleich. Wo korrupte Regierungen die öffentliche Wasserinfrastruktur verrotten lassen, schließt Nestlé eine Marktlücke und scheffelt das Geld der Ärmsten.

Leserkommentare
  1. 1. Betrug

    Das ist so ähnlich, wie die Marke "Bonaqua" von Coca-Cola. Das ist im Grunde gesalzenes Leitungswasser. Gerne tut man alles, damit der blöde Verbraucher dieses mit Mineralwasser verwechselt.

    8 Leserempfehlungen
    • tufelix
    • 12. September 2013 9:08 Uhr

    Wer mehr über die Machenschaften von Nestlé - auch: in welchen Institutionen die alles sitzen - wissen will:

    Thilo Bode - Die Essensfälscher
    Hans-Ulrich Grimm - Vom Verzehr wird abgeraten

    Es geht nicht nur um Wasser: die Interessen liegen in "Functional Food", also chemisch veränderte Nahrung, Nahrungsmittelergänzungen. Der Konzern kümmert sich auch um Diabetes, Adipositas und Alzheimer - indem er Erwachsene und auch bereits Kleinkinder mit Zucker überfüttert.

    Wer sich um sich selbst sorgen will - der verzichtet auf alle Getränke und "Nahrungs"mittel, die von diesem Konzern und von anderen Functional-Food-Konzernen wie Danone stammen. Sie machen nicht gesund - sondern krank, sie schaden dem Organismus langfristig.

    15 Leserempfehlungen
    • Hofres
    • 12. September 2013 9:16 Uhr

    Deutscher Kinostart ist Heute: http://www.kinotermine.bottledlife.wfilm.de/ Ich werde ihn mir auf jeden Fall anschauen. Für alle, die einen Überblick über die Marken wollen, die neben Poland Spring noch zu Nestlé gehören und über einen Boykott nachdenken, hier ist eine Übersichtskarte aus 2012: http://www.convergencealimentaire.info/map.jpg

    12 Leserempfehlungen
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    • Chris W
    • 12. September 2013 13:37 Uhr

    Diese und auch viele andere interessante Dokus gibt es schon länger bei youtube: http://www.youtube.com/watch?v=S1yUuywKrys

  2. ... Aktien kaufen.

    2 Leserempfehlungen
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    • Hofres
    • 12. September 2013 9:21 Uhr

    Man sollte das in einer konzertierten Aktion zusammenfassen, so viele Aktion wie möglich kaufen und am Tag des Wassers massenhaft verkaufen.

    • SvendT
    • 12. September 2013 12:52 Uhr

    Das sollten Sie. Ich bin schon seit Jahren dabei. Nestlé-Aktien sind echte "Enkelpapier". Kaufen und liegen lassen. Auf keinen Fall nervös werden. Das lohnt sich.

    • Hofres
    • 12. September 2013 9:21 Uhr

    Man sollte das in einer konzertierten Aktion zusammenfassen, so viele Aktion wie möglich kaufen und am Tag des Wassers massenhaft verkaufen.

    3 Leserempfehlungen
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    • SvendT
    • 12. September 2013 12:55 Uhr

    ... werden Sie aber ganz schön viel zu tun haben. "Würden Sie", trifft es wohl besser. Immer wenn in dem Zusammenhang von "Man sollte" (o.ä.) die Rede ist, dann weiss ich, dass es sich um einen Hannemann-Geht-Du-Voran handelt. Viel heisse Luft, nicht mehr.

  3. "Wo korrupte Regierungen die öffentliche Wasserinfrastruktur verrotten lassen, schließt Nestlé eine Marktlücke"
    Wo keine Marktlücke, da kein Geschäft.
    Da Nestlé & Co. ja selbst in Ländern mit gebildeter, gutverdiender Bevölkerung und guter Leitungstrinkwasserversorgung glänzende Geschäfte mit überteuertem "Mineralwasser" machen, sollte sich die Kritik zumindest anteilig auch an die Kundschaft und die Verhältnisse vor Ort richten.
    Aber nein, da müssten wir uns ja am Ende selbst .......und nicht nur den bösen Konzern.

    7 Leserempfehlungen
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    Natürlich sind solche Geschäfte nur dort gedeihlich wo die lokale Infrastruktur es zuläßt. Aber worum es im Kern geht ist eine Gesellschaft in der es die Regel sein sollte mögliche Gewinne nicht zu machen, weil sich einGeschäft fußend auf der Schwäche eines Dritten moralisch einfach nicht ziemt.

    Die moderne Marktwirtschaft in an einen Punkt gekommen, an dem das Geschäft um jeden Preis zählt und das ist ein ethisch-moralischer Tiefpunkt von dem wir uns als Gesellschaft wieder entfernen müssen.

  4. Angesichts des Gesichtsausdrucks von Peter Brabeck-Letmathe auf dem o.a. Foto möchte ich gerne aus dem Matthäus-Evangelium zitieren:

    "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und doch Schaden nähme an seiner Seele?"

    Warum tut dieser Mensch das sich und seiner Umwelt an?

    Haben Sie schon mal einen sog. Manager mit offenem und glücklichen Blick gesehen? Ich nicht.

    Und von solchen charakterlich defizitären Menschen lassen wir Normalbürger uns bedrängen und gegeneinander ausspielen.

    Ganz ehrlich - ich verstehe es nicht.

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    ...sieht aus wie ein Superschurke aus einem alten James Bond - Film ! Fehlt nur noch eine weisse Perserkatze, ein drehbarer Sessel und weibliche Bodyguards :)!

    Es sind die Hanseln, die entzückt auf ihr Aktiendepot, Renten, Sparbriefe, Versicherungen oder Fondsanteile schauen und garnicht wissen wollen, wo denn die satten Gewinne denn so herkommen.

    Ein Brabeck-Letmathe ist daher weniger ein sinistrer Superschurke, sondern eigentlich auch nur ein Handlanger, der sich seine Dienste aber sehr gut bezahlen läßt.

    ... einen Leserkommentar auf Süddeutsche online vom 21. September 2010 zitieren:

    "Unser heutiges Vettern- und Günstlingswirtschaftssystem fürchtet in der Praxis reale Leistungsfähigkeit so, wie der Teufel das Weihwasser, weil die Brut unserer Besitzstandsfeudalherrschaften so erbarmungslos leistungsunfähig ist, dass sie sich nur noch wie Gecken, Laffen und Höflinge des 17. und 18. Jahrhunderts zu inszenieren verstehen und versuchen, den gemeinen Mann und die gemeine Frau auf der Straße damit zu bluffen und zu blenden.
    Das ist Agenda 2010. Das sind die realen Alphatiere, Leistungsträger und Eliten.
    Nicht mehr, nicht weniger."

    • Rend
    • 12. September 2013 13:34 Uhr

    ...glücklich

  5. 8. Jo,...

    ...sieht aus wie ein Superschurke aus einem alten James Bond - Film ! Fehlt nur noch eine weisse Perserkatze, ein drehbarer Sessel und weibliche Bodyguards :)!

    5 Leserempfehlungen

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