Deutscher Film : Verfassungsgericht prüft Filmförderung

Die Kinobetreiber wollen die Filmförderung nicht weiter finanzieren. Die Abgabe wird auf alle Ticketverkäufe umverteilt, obwohl Kinos vor allem ausländische Filme zeigen.

Das Bundesverfassungsgericht will noch in diesem Jahr prüfen, ob die Finanzierung der Filmförderung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Dabei soll geklärt werden, "ob die Entscheidungstätigkeit der Filmförderungsanstalt ausreichend demokratisch legitimiert ist", heißt es in der Mitteilung des Gerichts

Eine entsprechende Beschwerde war von Kinobetreibern eingereicht worden, die nach dem Filmfördergesetz (FFG) zur Finanzierung herangezogen werden und sich ungerecht behandelt sehen. Ihr Beitrag bemisst sich nach dem Kartenverkauf aller gezeigten Filme. Da die Kinos aber überwiegend ausländische Produktionen im Programm hätten, sei nicht einzusehen, warum sie den deutschen Film fördern sollten.

Die Filmförderungsanstalt (FFA) fördert als bundesweite Einrichtung die deutsche Filmwirtschaft und die kreativ-künstlerische Qualität des deutschen Films. Zur Finanzierung erhebt sie Abgaben von Kinobetreibern, Zwischenhändlern der Videobranche und Fernsehanstalten. 

Filmförderung ohne wirtschaftliche Erfolgsaussichten

Laut der Mitteilung des Bundesverfassungsgerichts haben die Kinos selbst wenig Interesse an der Filmförderung, die Betreiber aus der konkreten Fördertätigkeit der FFA keine Vorteile. Die Förderung sei nicht auf Filme mit ausreichenden wirtschaftlichen Erfolgsaussichten ausgerichtet. Gelder würden vor allem in Produktionen gesteckt würden, die nur niedrige Erfolgschancen hätten.

Zudem kritisierten die Betreiber, dass andere Profiteure deutscher Filme, wie Filmexporteure, keine Abgabe zahlen müssten. Die Fernsehsender wiederum könnten ihre Abgabe mit der Fördergesellschaft frei verhandeln.

Fraglich sei auch, ob der Bund mit dem Filmförderungsgesetz seine Kompetenzen nicht überschritten habe. Der Bund stütze sich auf das Recht der Wirtschaftsförderung. Nach Ansicht der Kinobetreiber fällt das Gesetz jedoch unter Kulturförderung und damit in die Hoheit der Länder.

Die Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe findet am 8. Oktober in statt.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Schon wieder diese Diskussion

Dass deutsche Filme gefördert werden, finde ich völlig in Ordnung. Wir haben nun mal keinen deutschsprachigen Markt, der so groß ist, dass sich Filme ohne weiteres selbst finanzieren lassen. Die Franzosen machen dies übrigens in viel größerem Stil:

http://www.franzoesischer...

Auch wer sich die anspruchsvollen nordeuropäischen Werke anschaut, wird feststellen, dass diese von den beteiligten Nationen gefördert werden.
Die schwierigen Themen lassen sich leider nicht auf die Leinwand bannen, ohne dass man sie finanziell unterstützt. Leider schauen sich solche Filme nicht genügend Menschen an. Bei europäischen Produktionen oder manchen kleinen Filmen aus Südamerika oder Asien kann man eben noch einen gewissen Tiefgang feststellen. Unter vorgeheuchelter Tiefe verstehe ich eher das, was ich neulich in „Savages“ gesehen habe. Ein mehr oder weniger unterhaltsames Filmchen, in dem die Erzählstimme durch pseudophilosophisches Geschwafel den fehlenden Tiefgang vorgaukeln soll.

Wenn es funktioniert

Mag Ihnen ja entgangen sein, aber der französische Film ist dadurch sehr erfolgreich. Meiner unerheblichen Meinung nach, ist Frankreich die führende Filmnation. Von dort kommen immer wieder interessante Geschichten und ständig wird die erstklassige Schauspielerriege um neue talentierte Darsteller erweitert. Das Zeugs aus Hollywood kann man ja inzwischen meist gar nicht mehr ansehen.
Und bei Filmen setzen Sie also auf den Markt? Der Markt regelt ja sonst alles so wunderbar, dass dabei immer hohe Qualität herauskommt. Funktioniert auch in der Lebensmittelindustrie, bei den Rundfunksendern oder dem Gesundheitswesen erstklassig. Seltsame Welt in der Sie so leben. Kultur ist ohne Förderung nun mal nicht lebensfähig und Film gehört dazu.

Geldspeicher und so

Stimmt, ich habe auch schon gehört, dass sich etliche deutsche Darsteller/-innen größere Fahrzeuge kaufen mussten, um all den Zaster aus der Filmförderung in die frisch gebauten Geldspeicher zu transportieren. Ironie off.
Ganz abgesehen davon, gibt es seit einigen Jahren ein paar deutsche Schauspieler, die den Vergleich mit ihren internationalen Kollegen nicht scheuen müssen.

Ja es ist mir entgangen

vielleicht ist der Französische Film auch einfach nicht so erfolgreich wie er behauptet. Der Film mit dem Reichen im Rollstuhl und dem Schwarzen der den schob, war so der letzte französische Film von dem ich was gehört hab,

Die Französchische Kulturpolitik würde ich mir eh nicht zum Vorbild nehmen. Die hängen daran weiterhin sich zu einer Weltmacht aufzuplustern, die sie nicht sind, egal wieviel Sie in ihre Filmwirtschaft stecken, egal was Sie für Radioquoten haben und egal ob Lufthansa in Frankreich seine Werbung mit französischen Claims bestreiten muss, egal ob neben jedem NATO Schriftzug bei Konferenzen nochmal OTAN steht. Ihre sprache ist im konstanten Abstieg. Als zweite Sprache in der Schule wird Sie nur gewählt wenn es keine bessere gibt.
Wir deutschen haben uns damit abgefunden das wir kein Weltreich sind und keine Weltsprache haben. Deshalb haben wir keine Flugzeugträger, keine Atomwaffen, keine Radioquote und deshalb brauchen wir auch keine lächerliche Subvention des deutschen Films. Wir können es uns Sparen den verlorenen Kampf dadurch aufzuhalten Geld hinterherzuwerfen.

Frankreichphobie?

Kann es sein, dass Sie aus irgendwelchen Gründen eine kleine Frankreichphobie haben? Wenn ich Ihren Kommentar so lese, habe ich den Eindruck, dass Sie das Kinoprogramm abseits des Mainstreams ignorieren. Maluslupus hat ja schon einige Beispiele aufgezählt und eigentlich wird man kaum fertig, wenn man all die guten Filme aus Frankreich nennen will, doch gibt es da beispielsweise auch noch Filme wie Paulette, Willkommen bei den Sch’tis, Nathalie küsst, Micmacs, Die Eleganz der Madame Michel, Intime Fremde oder Nur für Personal. Die Liste könnte man beinahe ewig fortsetzen.

Da werden Kinos zu einer Abgabe herangezogen,

mit deren Hilfe Filmproduktionen gefördert werden, deren wirtschaftliches Scheitern mit der Antragstellung nachgewiesen sein muss? Realsatire.
Als würden die Betreiber nicht schon für ihre Betriebsstätten an den "Beitragsservice" zahlen und damit Eigenproduktionen der öffentlich-rechtlichen Rundfunks unterstützen, die ja beliebig randständig, Entschuldigung, intellektuell tiefschürfend, sein können.
Es ist natürlich viel praktischer, wenn das Geld erst über den Beitragsservice zur ARD geht, diese das zur FFA schickt, und ein Gremium aus Mitgliedern der Rundfunkanstalten das Geld weiter verteilt.