Apple ist das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt. Steve Jobs hatte es mit Produkten wie den Mac-Computern, dem iPod, iPad und iPhone dazu gemacht. Nach seinem Tod im Oktober 2011 lebt seine Marke fort und erfährt von den globalen Nutzern eine fast sakrale Verehrung.

Die zeigt Rasmus Gerlachs Dokumentarfilm Apple Stories. Ein "Heiligtum" nennt da eine Frau ihr iPhone, als sie es von der Reparatur abholt. Zwei Schüler harren 59 Stunden vor einem Hamburger Apple-Store aus, um als Erste das iPhone 5 in ihren Händen halten zu können. Ein Mann bekommt vor dem Schaufenster des Ladens leuchtende Augen und spricht von der Sucht, die ihn nach dem Kauf des ersten Apple-Produkts befallen hat.

Doch die Marke mit dem Apfel kennt auch den Sündenfall. Für ihn interessiert sich Gerlach zuvorderst. Das Sündige lauert hinter den eleganten, glatten Oberflächen, steckt in Platinen und Prozessoren der handlichen Geräte: 679 Euro kostet das aktuelle iPhone im Laden, auf rund 150 Euro werden die Produktionskosten geschätzt. Möglich ist diese Gewinnspanne allein durch niedrige Kosten bei Rohstoffabbau und Verarbeitung. Das meint vor allem: durch schlechte Arbeitsbedingungen.

Der Dokumentarfilmer Gerlach stieg für die Recherchen hinab in die Erzminen Ruandas. Dort bauen einheimische Bauern mit Hammer und Meißel Zinn ab, für einen Monatslohn von etwa 40 Euro. Sie selbst werden sich niemals ein iPhone leisten können. In Flip-Flops und ohne Helm bewegen sie sich durch dunkle Schächte, in denen Sauerstoff Mangelware ist.

Die Verbindungen einer iPhone-Platine bestehen zu rund 70% Prozent aus Zinn. Das Schwermetall gilt als Konfliktmineral. Sein Abbau und Verkauf sind Grund zu militärischen Auseinandersetzungen. Auch aus Angst vor Schmugglern werden die Grenzen Ruandas zu Burundi und zum Kongo streng bewacht.  

Ein Manko von Gerlachs Film offenbart sich, als ihn sein Weg von Afrika nach Asien führt: mangelnde Aktualität. Ins Zentrum rückt die Zulieferfirma Foxconn, die vor zwei Jahren wegen der Selbstmorde von Angestellten in die Kritik geraten war. Apple Stories zeigt einen der letzten TV-Auftritte von Steve Jobs, in dem er die Lage zu verharmlosen sucht. Die Suizidrate liege – auf ein Jahr hochgerechnet – noch unter dem amerikanischen Durchschnitt, sagte Jobs. Außerdem sei das Werk im chinesischen Shenzhen eine "wirklich schöne Fabrik" mit Restaurants, Kinos und Swimmingpools. 

Gerlachs Bilder zeigen eine andere Realität: Riesige, schmucklose Kästen mit Netzen unter den Fenstern, die potenzielle Selbstmörder auffangen sollen. Suizid ist ohnehin verboten, steht in den Verträgen der Arbeiter.