Urban-Fantasy-Filme : Okkultes Brimborium fürs Mädchenzimmer

Diese Woche läuft "Chroniken der Unterwelt – City of Bones" in deutschen Kinos an. Worin nur soll der Reiz solcher Fantasy-Filme liegen? Meistens sind sie Stuss.

Johann Sebastian Bach als heimlicher Dämonenjäger – das hat schon was. Das Abspielen der perlenden Bach-Fugen am Klavier gilt in dem Fantasy-Thriller Chroniken der Unterwelt – City of Bones als todsicheres Mittel, um dämonisches Gesocks aus ihrer menschlichen Hülle heraus zu treiben. Man mag diesen musikalischen Exorzismus unfreiwillig komisch finden. Andererseits wurden ja schon in Unheimliche Begegnung der dritten Art die Außerirdischen durch eine bestimmte Tonfolge herbeigerufen. Während sich die Aliens bei Spielberg jedoch als harmlose Gesellen entpuppten, sind die Dämonen, mit denen es Clary und ihre "Schattenjäger"-Clique in City of Bones zu tun bekommen, sehr böse. Daneben gibt es unzählige Schattenwesen, die zwar ein bisschen Dämonen-Blut in sich tragen, mit denen man sich aber arrangieren kann. Selbst Clarys fürsorglicher Ersatzvater entpuppt sich als Werwolf. Nur die Vampire machen mal wieder Stress.

Muss das sein? Ein Jahr nach dem Ende der Twilight-Saga sollten Werwölfe und Vampire doch ihren Frieden gemacht haben. Wer aber für die Jungs-Zielgruppe mehrmals jährlich mit Wahnsinns-Budgets kaum unterscheidbare Superhelden-Sequels in die Multiplexe drückt, findet auch Platz für Twilight-Epigonen. Es hat ohnehin überraschend lange gedauert, bis der Boom der weiblichen Fantasy-Literatur bei den Filmproduzenten angekommen ist. Und die weltweite Leserschaft dieser Teenie-Bestseller (50 % davon sollen übrigens älter als 18 Jahre sein) scheint sich nun mal mehr als je zuvor an "alten Geschichten", wie es in City of Bones heißt, an Old-School-Hokuspokus, Mythen und Aberglauben zu berauschen – sieht man von den in der Zukunft spielenden Tributen von Panem mal ab.

Trotz des literarischen Hypes aber fällt die Bilanz, jenseits der Twilight-Kassenknüller, eher mau aus. Denn weitere Verfilmungen von Urban Fantasy-Schmökern wie zum Beispiel die Hexenromanze Beautiful Creatures und die deutsche Zeitreisenden-Saga Rubinrot haben ihre kommerziellen Erwartungen nicht erfüllt.

Nun also folgt ein neuer Versuch mit der Adaption von Cassandra Clares City of Bones, dem ersten von sechs Chroniken der Unterwelt-Bänden (der sechste erscheint in Deutschland im März 2014). Man wird Clare kein Unrecht tun, wenn man sie als literarische Trittbrettfahrerin bezeichnet. Clare alias Judith Rumelt wurde bekannt als Fanfiction-Autorin, die in ihrer Draco-Trilogie die Harry Potter-Romane weitergesponnen hat. City of Bones erweist sich denn auch als dreistes und gekonntes Crossover aus Twilight, Harry Potter und vielen Fantasy-Klischees.

Mit der New Yorkerin Clary wird eine neue Identifikationsfigur aus der Taufe gehoben: ein eher unscheinbares, burschikoses Mädchen, dessen Leben an seinem 16. Geburtstag total auf den Kopf gestellt wird. Clarys dumpfes Gefühl, anders zu sein, bewahrheitet sich, als sie Zeichen und Wesen wahrnimmt, die andere "Mundies", also Menschen-Muggel, nicht sehen können. Nachdem ihre Mutter entführt wurde, wird Clary von "Schattenjägern" genannten Halbengeln aufgenommen, die seit Kreuzritter-Zeiten dazu bestimmt sind, Dämonen zu töten. À la Twilight wird Clary von zwei tollen Typen – dem nerdigen "besten Freund" Simon und dem schneidigen Schattenjäger Jace – begehrt. Die Zentrale der Ghostbuster ist ein verzauberter Palast mitten in Manhattan, und als faschistoider Bösewicht fungiert der Voldemort-hafte Valentine, der skrupellos für die "Reinrassigkeit" seiner Zunft kämpft. Als "McGuffin" dient ein goldener Kelch im Stil des Heiligen Grals, dessen Versteck Clary in ihrer verschütteten Erinnerung hütet.

Auf den ersten Blick ist diese Second-Hand-Geschichte also ziemlicher Stuss.

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Kommentare

28 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

World of Darkness

Ich wollte schon schreiben, nichts geht über die Welt von Vampire: The Masquerade. Schön, dass ich da nicht der Einzige bin.
Wobei mir Chroniken der Unterwelt irgendwie eher nach einem Abklatsch von Buffy - The Vampire Slayer klingt. Welches mir, zumindest von den Staffeln die ich damals geschaut hab, eigentlich sogar gefallen hat. Auf jedenfall waren die Charaktere schöner und sympathischer als in allen Teenie Fantasy Schnulzen der letzten Jahre.
Ich glaube aber seit dem ersten Blade Film (die danach mussten nicht sein) gab es auf der Kinoleinwand eigentlich keine Blutsauger mehr, die es wert waren, dafür Eintritt zu bezahlen. Königin der Verdammten war glaube ich noch ganz nett. Aber ansonsten fällt mir ehrlich gesagt nichts ein. Ein (un)totes Genre.

Also die liebe Buffy war mir ehrlich gesagt sogar ein bisschen

zu stark für meinen Geschmack, wenn ich mich recht erinnere. Naja sie war ja auch "die Jägerin", wäre trotzdem schön gewesen, wenn ihre Gegner länger als 10 Sek überleben, vielleicht war das ja am Anfang der Serie noch anders. Aber ja, man könnte ruhig die weiblichen Heldinnen wieder mehr aufleben lassen

Wenn ich jetzt so zurück denke, was die Zielgruppen angeht, hätte es Twiligth vor 10 Jahren gegeben, dann hätte ich darüber genauso die Nase gerümpft. Und ich habe die Filme gesehen bis auf den letzten, ich weiss wovon ich spreche. Diese fassungslosen Blicke von mir und meinen Kollegen auf dem Sofa, nach den ersten 10 Minuten und ersten Dialogen. "Ich weiss, sollte ein Spass Abend sein, aber..." "Wir haben den jetzt eingelegt, wir ziehen das jetzt durch."

Vor 10 Jahren habe ich da noch gejubelt über meine Interview mit einem Vampir DVD oder die Bram Stoker's Dracula DVD. Wie Gary Oldman da mit Winona Ryder im Bett sitzt und mit ihrem Wunsch und seinem Verlangen hadert, und sie dann nur "Dann bring mich weg von all diesem Tod!" Ach, da hab ich als 16 jähriger geschmachtet, und das würde ich noch heute. DAS waren Vampir-Romanzen!
Ich weiss das klingt jetzt so ein bisschen wie ein "Früher, da war alles besser"-Kommentar, aber es ist doch schade, dass es soetwas heute nicht mehr gibt. Früher hat es doch auch geklappt, warum muss es heute... plump und undurchdacht sein...
Ach, ich klinge wie der Reich-Ranicki des Vampir Genre "Früher, ja früher, da war es besser, intelligenter!"

Hab ihn jetzt nachgeholt

War in der Tat klasse, guter Film. Und reife Leistung von Lina Leandersson, gibts nicht oft, dass eine 13 jährige so ernst spielt, und vor allem so bitterböse guckt. Hat mich ein bisschen an die Rolle von Kirsten Dunst aus Interview mit einem Vampir erinnert.
Verrückt übrigens, von dem Film gibt es mittlerweile auch ein Hollywood Remake. Die können es nicht lassen, hat man das nicht damals bei Nightwatch auch gemacht, oder bei Juon: Der Fluch und noch dutzenden anderen.

Naja, also jedenfalls nachdem ich den Film gesehen habe, glaube ich sogar sie sollten auf jedenfall Durst von Park Chan-Wook sehen, das dürfte ihnen ebenfalls sehr gefallen.