Johann Sebastian Bach als heimlicher Dämonenjäger – das hat schon was. Das Abspielen der perlenden Bach-Fugen am Klavier gilt in dem Fantasy-Thriller Chroniken der Unterwelt – City of Bones als todsicheres Mittel, um dämonisches Gesocks aus ihrer menschlichen Hülle heraus zu treiben. Man mag diesen musikalischen Exorzismus unfreiwillig komisch finden. Andererseits wurden ja schon in Unheimliche Begegnung der dritten Art die Außerirdischen durch eine bestimmte Tonfolge herbeigerufen. Während sich die Aliens bei Spielberg jedoch als harmlose Gesellen entpuppten, sind die Dämonen, mit denen es Clary und ihre "Schattenjäger"-Clique in City of Bones zu tun bekommen, sehr böse. Daneben gibt es unzählige Schattenwesen, die zwar ein bisschen Dämonen-Blut in sich tragen, mit denen man sich aber arrangieren kann. Selbst Clarys fürsorglicher Ersatzvater entpuppt sich als Werwolf. Nur die Vampire machen mal wieder Stress.

Muss das sein? Ein Jahr nach dem Ende der Twilight-Saga sollten Werwölfe und Vampire doch ihren Frieden gemacht haben. Wer aber für die Jungs-Zielgruppe mehrmals jährlich mit Wahnsinns-Budgets kaum unterscheidbare Superhelden-Sequels in die Multiplexe drückt, findet auch Platz für Twilight-Epigonen. Es hat ohnehin überraschend lange gedauert, bis der Boom der weiblichen Fantasy-Literatur bei den Filmproduzenten angekommen ist. Und die weltweite Leserschaft dieser Teenie-Bestseller (50 % davon sollen übrigens älter als 18 Jahre sein) scheint sich nun mal mehr als je zuvor an "alten Geschichten", wie es in City of Bones heißt, an Old-School-Hokuspokus, Mythen und Aberglauben zu berauschen – sieht man von den in der Zukunft spielenden Tributen von Panem mal ab.

Trotz des literarischen Hypes aber fällt die Bilanz, jenseits der Twilight-Kassenknüller, eher mau aus. Denn weitere Verfilmungen von Urban Fantasy-Schmökern wie zum Beispiel die Hexenromanze Beautiful Creatures und die deutsche Zeitreisenden-Saga Rubinrot haben ihre kommerziellen Erwartungen nicht erfüllt.

Nun also folgt ein neuer Versuch mit der Adaption von Cassandra Clares City of Bones, dem ersten von sechs Chroniken der Unterwelt-Bänden (der sechste erscheint in Deutschland im März 2014). Man wird Clare kein Unrecht tun, wenn man sie als literarische Trittbrettfahrerin bezeichnet. Clare alias Judith Rumelt wurde bekannt als Fanfiction-Autorin, die in ihrer Draco-Trilogie die Harry Potter-Romane weitergesponnen hat. City of Bones erweist sich denn auch als dreistes und gekonntes Crossover aus Twilight, Harry Potter und vielen Fantasy-Klischees.

Mit der New Yorkerin Clary wird eine neue Identifikationsfigur aus der Taufe gehoben: ein eher unscheinbares, burschikoses Mädchen, dessen Leben an seinem 16. Geburtstag total auf den Kopf gestellt wird. Clarys dumpfes Gefühl, anders zu sein, bewahrheitet sich, als sie Zeichen und Wesen wahrnimmt, die andere "Mundies", also Menschen-Muggel, nicht sehen können. Nachdem ihre Mutter entführt wurde, wird Clary von "Schattenjägern" genannten Halbengeln aufgenommen, die seit Kreuzritter-Zeiten dazu bestimmt sind, Dämonen zu töten. À la Twilight wird Clary von zwei tollen Typen – dem nerdigen "besten Freund" Simon und dem schneidigen Schattenjäger Jace – begehrt. Die Zentrale der Ghostbuster ist ein verzauberter Palast mitten in Manhattan, und als faschistoider Bösewicht fungiert der Voldemort-hafte Valentine, der skrupellos für die "Reinrassigkeit" seiner Zunft kämpft. Als "McGuffin" dient ein goldener Kelch im Stil des Heiligen Grals, dessen Versteck Clary in ihrer verschütteten Erinnerung hütet.

Auf den ersten Blick ist diese Second-Hand-Geschichte also ziemlicher Stuss.