Das Auental, Reich der Elfen, beginnt gleich hinter Hannover am Steinhuder Meer. Elfen und Menschen leben hier seit Jahrhunderten friedlich beisammen, doch jenseits der Grenze ihres Reichs lauert Gefahr: Der Fürst des untoten Fleisches (Dirk, Parteisekretär bei den Grünen) und seine Komplizin Anisha Fey, Herrscherin der Leere (Chris, Chemielehrerin aus Tübingen), ziehen aus, das Auental zu erobern.

Ein Dokumentarfilm will Wirklichkeit abbilden. Was aber, wenn nicht eine, sondern gleich zwei Realitäten darin Platz finden sollen wie in der Dokumentation Wochenendkrieger, in der die Protagonisten Mitspieler eines Fantasy-Rollenspiels sind? Es drängen sich Fragen auf nach der Wahrhaftigkeit der Welt, in der wir leben, und wer wir sein wollen in dieser.

Andreas Geiger umkreist diese Fragen in seinem Film konzentriert. Fünf Menschen begleitet der Regisseur in seinem Kinodebüt dabei, wie sie unter der Woche ihren Alltag leben und sich an Wochenenden zu Liverollenspielen zusammenfinden. Eine Lehrerin, ein Montagearbeiter, eine Modedesign-Studentin, ein Maskenbildner und ein Parteisekretär. Sie sind fest verankert in dem einen Leben.Wenn die Schule oder Schicht jedoch vorbei ist, kleben sie sich spitze Ohren an, schlüpfen in fantastische Kostüme, schminken sich Pestbeulen oder weiße Gesichter und werden zum Fürst der Untoten, zur Königin der Elfen oder zum Gärtner der öligen Pestilenz.

Das Spiel in Wochenendkrieger heißt Conquest of Mythodea, ist weltweit die größte Veranstaltung seiner Art und lockt jeden Sommer mehr als 7.000 Spieler und etwa 1.000 Statisten auf das Rittergut Brokeloh. Liverollenspiel (im Fachjargon kurz LARP für Live Action Role Play) ist ein Spielkonzept, das sich an den Handlungen aus Romanen und Filmen wie Herr der Ringe, Harry Potter oder Game of Thrones orientiert. Sie liefern Ideen für den Plot, die Rahmenhandlung oder Hintergrundgeschichte eines Liverollenspiels, an dem sich die Spieler orientieren und der ihnen das Eintauchen in fantastische Welten ermöglicht.

Wie berühren sich die beiden Welten, in denen Geigers Protagonisten leben? Jeder der fünf hat eine individuelle Erklärung parat, auf welche Weise ihm das Rollenspiel im Leben hilft und wie es Prozesse in Gang gesetzt hat, die seinen Alltag veränderten. Ob Schüchternheit, fehlende Menschenkenntnis oder der Umgang mit der eigenen Sexualität: Der Film lässt seine Charaktere über ihre Rolle als Alltagsmenschen und Fantasiefiguren und die Berührungspunkte zwischen beiden reflektieren. Zum Beispiel, Gregor, der sagt, er habe erst durch das Liverollenspiel gelernt, wie er als schwuler Mann richtig auftreten muss, um so anzukommen, wie er das gerne will. Und seit Chris die fauchende Anisha Fey spielt, kann sie ihre Mimik und Stimme besser einsetzen, um lärmende Schüler in Schach zu halten. Nicole schließlich ist es wichtig, dass ihre Mutter zum Liverollenspiel mitkommt, weil sie so etwas teilen können. In einer Spielszene sieht man die Ältere als Dienstmagd schützend hinter der Elfenkönigin alias ihrer schüchternen Tochter stehen. In dieser Situation scheint sie aber gut alleine klarzukommen. Sie herrscht einen Mann an, ihr beim Untersuchen eines Schatzes zu helfen. Es ist ein stetes Pendeln zwischen den Realitäten und man schaut den Charakteren dabei gerne zu.

Selten wird so deutlich, dass wir alle auch im Alltag Rollen spielen. Doch während im Beruf oder Familienleben gewisse Verhaltensweisen erwartet werden und es Grenzen gibt, kann sich im Liverollenspiel jeder seine Rolle selbst wählen und ausgestalten. Wie möchte ich sprechen und aussehen, möchte ich eine große oder eher kleine Rolle spielen, gut oder böse sein? Zwar gibt es für das organisierte Rollenspiel ein Drehbuch, es wird jedoch gemeinsam mit den Spielern geschrieben, sodass jeder seine Ideen einbringen kann.