Biopic "The Look of Love"Eine irre Sucht nach Geld und Frauen

Paul Raymond wurde mit Nachtklubs und Pornomagazinen zum reichsten Mann Englands. Das Biopic "The Look of Love" zeigt den einstigen "King of Soho" als egomanen Charmeur. von 

Journalisten stürmen auf Paul Raymond zu, als er 1974 ein Londoner Gerichtsgebäude verlässt. "Das war eine der teuersten Scheidungen, die dieses Landes je erlebt hat", wirft ihm eine Reporterin entgegen. "Nun", antwortet der Herausgeber von Pornomagazinen und selbsternannter "King of Soho" genüsslich, "ich glaube, es war die teuerste Scheidung, die dieses Land je erlebt hat."

Der Regisseur Michael Winterbottom (The Road to Guantanamo) und der Drehbuchautor Matt Greenhalgh (Control) haben ein Biopic über Raymond gedreht. Doch zeigen sie in The Look of Love weder, wo er herkam – nämlich als Junge mit fünf Schilling in der Tasche aus Liverpool –, noch wie er endete, als reichster Mann des Vereinten Königreichs. Sie interessieren sich für die Jahrzehnte dazwischen, für einen gierigen Charmeur, der nichts mehr liebte, als im Mittelpunkt zu stehen.

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Genau das tat er lange, als König des sündigsten aller Londoner Stadtviertel. In den swingenden Sechzigern steht Raymond für Soho, sex and sophistication. In seinen Nachtklubs lässt er barbusige Schönheiten tanzen, auch die eigene Ehefrau. Stets kratzt er an der Grenze zur Illegalität, die des guten Geschmacks übertritt er ohnehin nach Meinung vieler. Er selbst sieht in seiner Arbeit Erotik, keine Pornographie.

Für heutige Augen ist es tatsächlich herzergreifend züchtig, was auf der Bühne der Revue Bar geschieht. Zumal ihr Besitzer Raymond, gespielt von Steve Coogan, zu dieser Zeit noch weit entfernt ist vom schmierigen Playboy-Gehabe eines Hugh Hefner oder Rolf Eden. Er zitiert Oscar Wilde, und selbst seine Zoten garniert er mit so viel Selbstironie, dass man sie ihm kaum übelnehmen kann. Adrett frisiert, im Trenchcoat und mit goldener Krawattennadel ist er vor allem eins: very British.

Darin erinnert er an eine andere britische Kunstfigur, die in den beginnenden Sechzigern zum Kult avancierte: Während Paul Raymond dem großen Geld nachjagte, verfolgte Sean Connery als James Bond Dr. No. Den Frauen stellten beide nach. So ist es kein Zufall, dass The Look of Love der Ästhetik der Agentenfilme folgt, von den Silhouetten weiblicher Körper im Vorspann bis zur saxophonschmusigen Bettkantenmusik. "Die weiße Katze fehlt mir leider noch", sagt Raymond an einer Stelle des Films in Anspielung auf Bond-Bösewicht Blofeld.

Mit Steve Coogan ist Regisseur Winterbottom eine großartige Besetzung für die Rolle des Lebemanns gelungen. Meist als Comedian unterwegs, spielt Coogan seine Figur hier gänzlich ohne Klamauk, stattdessen mit oft spöttischem Witz. Er verleiht ihr eine spielerische Doppelbödigkeit, die hinter all dem Esprit schon früh auch Abgründe erkennen lässt.

Leserkommentare
    • TDU
    • 28. August 2013 13:57 Uhr

    Zit: "Für Raymond hat jeder Mensch einen Wert. Solange dieser stimmt, versprüht er Charme. Wer keinen Nutzen für ihn hat, dem begegnet er mit Desinteresse."

    Man könnte meinen, es ginge um die Entwicklung deutscher Politik und Staat seit den letzten 10 Jahren und deren Zukunft.

    Zit: "Das scheinbare Heilsversprechen allumfassender Liberalität endet im Tod." Welch ein hoher Preis und tragischer Verlust, den aber auch eine Menge wenig Begüterter und weniger Egomanischen zu zahlen hatten und haben.

    Und das Heilsversprechen des allumfassenden Sozialstaats endet für immer mehr in der Armut. Wie für ihn vermutlich auch, wäre er geblieben wo er hingehörte. Von Finanziellen her gesehen, hat er, der Angehörige der Privatwirtschaft, alles richtig gemacht.

    Und der selbstgerechte Wohlstandsbürger kann sich wieder echauffieren und moralisieren über diese Geldgeilheit. Dieser Bürger wäre natürlich arm geblieben und dann viel glücklicher geworden.

    Eine Leserempfehlung
  1. "Eine irre Sucht nach Geld und Frauen"

    Diese Überschrift ist an Frauenfeindlichkeit schwer zu überbieten. "Eine irre Sucht nach Geld und Aufmerksamkeit" wäre eine akzeptable Überschrift gewesen.

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    Das erschließt sich mir nicht. Hätte dort "Männern" gestanden, wäre das dann auch männerfeindlich gewesen?

    ... Realität verweigern, nicht war? Als ob dieses Spiel möglich wäre wenn die eine oder andere Frau nicht mitspielen würde. Ich bin mir sicher da wurde Niemand gezwungen. Überlassen Sie den Damen bitte selber für wen sie sich entscheiden.

  2. 3. Wieso?

    Das erschließt sich mir nicht. Hätte dort "Männern" gestanden, wäre das dann auch männerfeindlich gewesen?

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    Allerdings wäre eine Formulierung wie "Eine irre Sucht nach Geld und Männern" männerfeindlich, weil damit Männer auf Objektstatus reduziert, die Sache "Geld" und Männer auf eine Stufe gestellt würden.

    • TDU
    • 28. August 2013 16:55 Uhr

    Das ist der "Fluch" der politischen Korrektheit. Der Beschreibung einer Realität wird schon als feindlich empfunden. Die Realität selbst verschwindet dabei eigentlich aus dem Focus der Betrachtung (und man kann dann mit ihr umgehen, wie es beliebt).

    Dabei ist es gerade die Frage, ob der dauernde Willen nach immer anderen oder mehreren Frauen dem Bedürfnis nach endlich erfüllter Liebe oder Aufmerksamkeit oder dem Bedürfnis nach Verfügbarkeit zur Herstellung abwechsungsreicher Triebbefriedigung geschuldet ist. Was da frauenfeindlich ist, muss nicht so einfach sein. Liebe ist nun auch nicht nur friedlich und immer freundlich.

    Ausserdem kann sich ein feindliches Moment durchaus auch als grundtiefe Feindschaft in erster Linie gegen sich selbst erweisen.

  3. Allerdings wäre eine Formulierung wie "Eine irre Sucht nach Geld und Männern" männerfeindlich, weil damit Männer auf Objektstatus reduziert, die Sache "Geld" und Männer auf eine Stufe gestellt würden.

    Antwort auf "Wieso?"
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    Stünde dort jetzt "Hunde"... Jetzt wird es albern.

    Also, das weibliche Geschlecht zu begehren ist doch erst mal alles andere als frauenfeindlich. Ich sehe darin eher eine schmeichelhafte, heterosexuelle Gesinnung. Und bei Männern wäre es eben die schmeichelhafte homosexuelle Neigung. Ich kann das verstehen. Frauen sind nun mal aufreizend, ästhetisch, klug, einfach wunderbar. Mit dieser Sucht könnte ich, wäre ich davon betroffen, durchaus leben.

    HAND!

    • TDU
    • 28. August 2013 16:55 Uhr

    Das ist der "Fluch" der politischen Korrektheit. Der Beschreibung einer Realität wird schon als feindlich empfunden. Die Realität selbst verschwindet dabei eigentlich aus dem Focus der Betrachtung (und man kann dann mit ihr umgehen, wie es beliebt).

    Dabei ist es gerade die Frage, ob der dauernde Willen nach immer anderen oder mehreren Frauen dem Bedürfnis nach endlich erfüllter Liebe oder Aufmerksamkeit oder dem Bedürfnis nach Verfügbarkeit zur Herstellung abwechsungsreicher Triebbefriedigung geschuldet ist. Was da frauenfeindlich ist, muss nicht so einfach sein. Liebe ist nun auch nicht nur friedlich und immer freundlich.

    Ausserdem kann sich ein feindliches Moment durchaus auch als grundtiefe Feindschaft in erster Linie gegen sich selbst erweisen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wieso?"
  4. ... Realität verweigern, nicht war? Als ob dieses Spiel möglich wäre wenn die eine oder andere Frau nicht mitspielen würde. Ich bin mir sicher da wurde Niemand gezwungen. Überlassen Sie den Damen bitte selber für wen sie sich entscheiden.

  5. Stünde dort jetzt "Hunde"... Jetzt wird es albern.

    Also, das weibliche Geschlecht zu begehren ist doch erst mal alles andere als frauenfeindlich. Ich sehe darin eher eine schmeichelhafte, heterosexuelle Gesinnung. Und bei Männern wäre es eben die schmeichelhafte homosexuelle Neigung. Ich kann das verstehen. Frauen sind nun mal aufreizend, ästhetisch, klug, einfach wunderbar. Mit dieser Sucht könnte ich, wäre ich davon betroffen, durchaus leben.

    HAND!

    Antwort auf "Objektstatus"
    • Hagmar
    • 30. August 2013 13:58 Uhr

    Ich habe den Film gesehen, fast bis zum Ende. Ich hätte nach den ersten 15 Minuten gehen sollen: Eine Aneinanderreihung von ziemlich platten Szenen, vor allem Sexszenen, immer wieder sich wiederholende Aufnahmen von Dreharbeiten zu Pornofilmen. Unappetitlich und ermüdend. Schockieren tut einen heute ja fast nichts mehr....
    "...Winterbottoms irritierendem Hybrid aus Konzertvideo und Pornofilm"(9 Songs) - hier geht es nur noch um Pornofilm und Pornohefte und albernes Pornotheater.
    Die Überschrift finde ich durchaus richtig, denn der Protagonist kennt kein anderes Verhältnis zu Frauen, als diese zum Objekt zu machen. Eine nach der anderen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Michael Winterbottom | Sucht | Sean Connery
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