Auf dem Papier klingt es nach einer hinreißenden Geschichte: Eine junge, schöne Prinzessin mit gebrochenem Herzen verliebt sich ausgerechnet in einen Herzspezialisten. Obwohl so gut wie jeder Atemzug der Prinzessin dokumentiert wird, bleibt die Beziehung der Öffentlichkeit zunächst weitgehend verborgen. Als die Liaison dann doch noch ins Blitzlicht gezerrt wird, scheitert sie, weil es der Herzchirurg nicht erträgt.

Eine Romanze mit Hindernissen – perfekter Stoff fürs Kino. Gäbe es da nicht ein Problem: die schöne Prinzessin ist Lady Diana. Die Geschichte erzählt aus den letzten zwei Jahren ihres Lebens.

Damit sticht auch ein Film, der liebevoll erzählt und schauspielerisch solide ausgeführt ist wie Oliver Hirschbiegels Diana bei den Briten in ein Wespennest. Filmkritiker gerieten jüngst förmlich außer Atem, so sehr echauffierten sie sich über diese erste cineastische Annäherung an die vor 16 Jahren verunglückte Exfrau von Prince Charles. Es prasselte Ein-Stern-Kritiken. Zuletzt war sich die britische Presse so einig als sie die Pädophilie der BBC-Ikone Jimmy Saville verurteilte.

Der Guardian kritisiert den "bizarren, flachen Dialog", der nichts als eine "Fantasievorstellung der Boulevardpresse darüber sei, wie sich berühmte Menschen im Privaten unterhalten". Zu "verzerrt, zuckersüß und grotesk" sei der Eindruck, der von Prinzessin Diana erzeugt wird und ein viel spannenderer Film könne über ihre Schattenseiten gemacht werden, "ihre fehlerbehaftete, weniger heilige menschliche Seite". Die Daily Mail findet den Film so "darauf bedacht, niemandem auf den Schlips zu treten", dass er dadurch "fürchterlich langweilig" wirkt. Auch sie prangert die "fast komplette Bereinigung" von Dianas "egozentrischen, neurotisch bedürftigen und manipulativen Aspekten" im Film an. Er erkläre "weder ihre Komplexität noch ihre Widersprüchlichkeiten", sei reine "Geschmacklosigkeit und Ausbeuterei", wettert der Telegraph.

Dabei hilft es Hirschbiegels Anliegen nicht gerade, dass sich der echte Hasnat Khan, der Londoner Herzchirurg und Geliebte Dianas, schon vor der Premiere von dem Inhalt der Produktion distanzierte. Er sagte, sie gründe auf "Tratschgeschichten und Erzählungen von Dianas Freunden und Verwandten von mir, die keine Ahnung von unserer Beziehung hatten". Er hatte jede Zusammenarbeit verweigert und sich den Film auch gar nicht angeschaut. Das Drehbuch basiert auf Kate Snells Bestseller Diana: Her Last Love.

Folglich wundert es auch nicht, dass das Diana-Team bei dem Stelldichein mit der Presse eine Ruhe ausgestrahlt haben soll, die der auf der Titanic gleichgekommen sei – eine Stunde nach der Kollision mit dem Eisberg. So zumindest beschreibt Allison Pearson vom Telegraph die Stimmung. Radio-Moderatoren der BBC nahmen die Hauptdarstellerin Naomi Watts derart in die Mangel, dass sie davon lief. Presseinterviews gab sie daraufhin nur noch im schützenden Tandem mit ihrem Regisseur, der die sich zuspitzenden Angriffe gekonnt und im besten Boris-Becker-Englisch abfederte.

Was treibt diese vernichtenden Kritiker an? Ist es versteckte Xenophobie? Unbehagen darüber, dass sich ausgerechnet ein kulturfremder deutscher Regisseur an diesem heißen Eisen vergreift, quasi übergriffig wird? Ein Mann, dem man vielleicht einen glaubwürdigen Film über die letzten Tage Hitlers zutraut, niemals aber einen biografischen Streifen über die landeseigene Kultfigur Diana? Die Filmwissenschaftlerin Belén Vidal vom King’s College London bezweifelt das. "Oliver Hirschbiegel ist hier für seine Arbeit an Der Untergang und Five Minutes of Heaven sehr angesehen. Er scheint die richtigen Qualifikationen für dieses neue Filmprojekt mitzubringen. Zudem gibt es durchaus eine gefestigte Tradition ausländischer Regisseure, die sich mit der Ikonografie des englischen Adels befassen. Man denke etwa an Shekhar Kapurs Elizabeth oder Ang Lees Sinn und Sinnlichkeit."