In Norwegen, in der Nähe von Bergen, lebt eine Bilderbuchfamilie, bestehend aus dem glücklichen Ehepaar Katrine und Bjarte, ihrer studierenden Tochter mit Baby und einer fürsorglichen Großmutter. Allein für das kuschelige Holzhaus am Fjord würde mancher sehr viel geben. Die dramatische Fallhöhe, die in diesem Film aufgebaut wird, ist beträchtlich.

Der Niedergang dieser heilen Welt beginnt nach dem Fall der Mauer. 1990 taucht an Katrines Arbeitsplatz ein junger deutscher Anwalt auf. Katrine ist die Tochter eines deutschen Wehrmachtssoldaten und einer Norwegerin; eines der Besatzungskinder, die in Lebensborn-Heime nach Nazi-Deutschland verschleppt wurden. Nur wenige fanden Jahrzehnte später wieder zu ihren leiblichen Müttern zurück. So die Filmfigur Katrine.

Der Anwalt will nun, dass sie als Zeugin bei einer Anhörung aussagt, mit der eine Klage auf Wiedergutmachung erreicht werden soll. Doch zunächst lehnt Katrine sein Ansinnen ab – vorgeblich, um ihre Mutter Åse vor neuerlichem Gerede zu schützen.

Zwei Leben liefert zweifelsfrei einen erneuten Beweis, dass die Wirklichkeit die ungeheuerlichsten Geschichten schreibt, doch die historische Materie, die der Regisseur Georg Maas in seinem Drama aufdröselt, ist so verzwickt, dass der Film wohl nicht nur unter ausländischen Kinogängern manches "Häh?" hervorrufen wird.

Dennoch geht das Drama als deutscher Kandidat für die Auslandsoscar-Nominierungen ins Rennen. Die gefeierte Offbeat-Komödie Oh Boy hatte angesichts der aufwühlenden Vergangenheitsbewältigung in Zwei Leben wohl keine Chance. Die Einreichung von Filmen, die sich mit der jüngsten deutschen Geschichte befassen, hat Tradition. In den Vorjahren wurden Barbara, Sophie Scholl, Der Untergang und Der Baader-Meinhof-Komplex ausgewählt. Das Leben der Anderen schließlich heimste 2006 den Academy Award für den besten fremdsprachigen Film ein. Und wer sich von der beklemmenden "Trau-schau-wem"-Atmosphäre dieses Stasi-Dramas ergreifen ließ, dürfte an dem erschütternden Schicksal der Lebensborn-Kinder erst recht Anteil nehmen.

Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Norwegen 1940 wurden etwa 250 Kinder aus Verbindungen zwischen deutschen Soldaten und Norwegerinnen von den Nazis in Lebensborn-Heime nach Deutschland verschleppt, weil die Nazis die "Aufnordung der deutschen Rasse" forcierten. In Norwegen wurden die Mütter als "Deutschenflittchen" geächtet. Nach dem Krieg wurden in der DDR die Kinder aus Hitlers Lebensborn-Heimen von der Stasi ins Visier genommen.

Mehr soll hier nicht verraten werden von der entsetzlichen Perfidie, mit der die Kinder auch in der Nachkriegszeit politisch missbraucht wurden.