Ein Spot, in dem Adolf Hitler als kleiner Junge von einem Mercedes überfahren wird: Darf Werbung so etwas? Die Jury des Nachwuchsfilmpreises First Steps Award fand den Clip gut. Regisseur Tobias Haase, Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg, erhielt am Montagabend in Berlin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für den besten Werbefilm. 

In dem schon vorab viel beachteten Spot wird Hitler als Kind dank moderner Autotechnik in seinem Heimatdorf überfahren. Am Ende erscheint der Slogan: "Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen." Autohersteller Mercedes-Benz unterstützt zwar den Filmpreis, hatte sich von dem Clip aber distanziert.

Die Jury stärkte Regisseur Haase den Rücken, er bleibe seinen Idealen treu. "Solche Ideen-Verfechter braucht die Kreativbranche." Als Zuschauer werde man durch den Spot förmlich gezwungen, sich eine Meinung zu bilden. Noch nie habe die Jury so kontrovers diskutiert.

Der mit 25.000 Euro verbundene Preis für den besten abendfüllenden Spielfilm ging an Jöns Jönsson von der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Lamento handelt von einer Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Regisseur Rosa von Praunheim (70) erhielt einen Ehrenpreis für seine Lebensleistung als Mentor. Bester Kurzfilm wurde Parvaneh von Talkhon Hamzavi, beste Doku Neuland von Anna Thommen – beides sind Werke aus der Zürcher Hochschule der Künste.

Neben Werbefilmer Haase gab es zwei weitere Preisträger aus der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Mit dem No Fear Award wurde Cosima Maria Degler für Zwei Mütter geehrt, darin geht es um ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch. Sunny von Barbara Ott setzte sich bei den Spielfilmen unter 60 Minuten durch.

"Das war ein ganz besonders starker Jahrgang", bilanzierte Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Die Auszeichnung wird von der Filmakademie ausgerichtet und gehört zu den wichtigsten Preisen für den Nachwuchs. Initiatoren waren 1999 die Produzenten Nico Hofmann und Bernd Eichinger.