Diane Kruger : "Die Franzosen arbeiten so wenig – unglaublich, dass Filme entstehen"

Diane Kruger spielt in "The Bridge" erstmals in einer TV-Serie. Im Interview sagt sie, warum, und was mehr Spaß macht: amerikanische Action oder französisches Arthouse.

ZEIT ONLINE: Stimmt es, dass man sich amerikanische Serien nicht mal mehr beim Bügeln anschauen kann, weil sie inzwischen so vielschichtig sind?

Kruger: Ja, auf alle Fälle. Ich gucke Serien sogar am liebsten en bloc – das ist eigentlich noch schöner. Im Moment herrscht zumindest in Amerika eine Goldene Ära für Serienproduzenten. Das ist für uns Schauspieler sehr aufregend, weil die dramatischen Rollen jetzt dort zu haben sind. Sie finden heute in Hollywood kaum einen Kollegen, der nicht eine Kabelserie sucht.

ZEIT ONLINE: Was ist derzeit Ihre Lieblingsserie?

Kruger: Breaking Bad liebe ich und auf Netflix House of Cards von David Fincher mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Absolute Renner.

ZEIT ONLINE: Warum geht komplexes Erzählen, Figuren entwickeln, Milieus erkunden in einer Serie besser?

Kruger: Weil man mehr Zeit hat. Deswegen habe ich auch diese Serienrolle angenommen. Meine Figur, die amerikanische Ermittlerin Sonya Cross, kann sehr unangenehm sein, weil sie am Asperger-Syndrom leidet. Aber man erfährt in den ersten zwei Episoden gar nicht genau, was mit ihr los ist. Die Zuschauer waren anfangs very confused. Doch dann habe ich 13 Stunden Zeit, alles zu zeigen. Eine goldene Rolle.

ZEIT ONLINE: Zeit ist kein Garant. In Deutschland haben wir den Tatort, der läuft schon seit Jahrhunderten und weist trotzdem keine fortlaufende Story auf. Die Charaktere entwickeln sich nicht wirklich weiter.

Kruger: Das ist eine andere Art von Fernsehen. Die gibt es in Amerika auch, Serien wie CSI: Pro Episode wird nach vorhersehbarer Dramaturgie ein Fall gelöst. Man weiß genau, wer zum Aufklären wann wohin geht.

ZEIT ONLINE: Ihre Serie ist nach der Bridge of the Americas zwischen dem texanischen El Paso und dem mexikanischen Juárez benannt. Die Grenze zwischen den beiden Staaten verläuft auf der Brücke und genau dort liegt zu Beginn eine Leiche. Das versinnbildlicht gut, worum es geht: Etwas, was eigentlich verbinden sollte, trennt zwei sehr gegensätzliche Regionen. Daraus erwachsen eine Menge Probleme: Prostitution, Menschenhandel, illegale Immigration.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ach ja ...

mal ganz im Ernst: ...und die besten Filme (z.B. in den 70iger Jahren) kamen aus ....? Tadaaa... Frankreich, und auch aktuell,..- Tusch! Frankreich!. Ich gebe zu, ich mag die Aktionfilme aus Hollywood, aber wenn es um Geschichten, gut erzählten Geschichten geht, dann doch lieber ein Film aus dem "alten" Europa. Insofern halte sich die Frage nach der int. Beschränkheit der Interwieven für verständlich....