Diane Kruger"Die Franzosen arbeiten so wenig – unglaublich, dass Filme entstehen"

Diane Kruger spielt in "The Bridge" erstmals in einer TV-Serie. Im Interview sagt sie, warum, und was mehr Spaß macht: amerikanische Action oder französisches Arthouse. von 

ZEIT ONLINE: Stimmt es, dass man sich amerikanische Serien nicht mal mehr beim Bügeln anschauen kann, weil sie inzwischen so vielschichtig sind?

Kruger: Ja, auf alle Fälle. Ich gucke Serien sogar am liebsten en bloc – das ist eigentlich noch schöner. Im Moment herrscht zumindest in Amerika eine Goldene Ära für Serienproduzenten. Das ist für uns Schauspieler sehr aufregend, weil die dramatischen Rollen jetzt dort zu haben sind. Sie finden heute in Hollywood kaum einen Kollegen, der nicht eine Kabelserie sucht.

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ZEIT ONLINE: Was ist derzeit Ihre Lieblingsserie?

Kruger: Breaking Bad liebe ich und auf Netflix House of Cards von David Fincher mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Absolute Renner.

Diane Kruger

Diane Kruger wurde 1976 in Deutschland geboren. Mit 16 ging sie als Model nach Paris. Sechs Jahre später hatte sie genug von diesem Job und wechselte ins Schauspielfach. Seitdem Wolfgang Petersen sie für die Rolle der schönen Helena in Troja gecastet hatte und Guillaume Canet für Mon idole spielt sie im regelmäßigen Wechsel sowohl in den USA als auch in Frankreich, in Großproduktionen wie Inglourious Basterds oder jüngst in dem Fantasy-Film Seelen, als auch in Debut-Filmen wie Frankie der französischen Regisseurin Fabienne Berthaud, für die sie später noch Barfuß auf Nacktschnecken machte.

Kruger lebt in Los Angeles und in Paris. Sie spricht drei Sprachen fließend. Das Interview gab sie in akzentfreiem Deutsch. Lediglich hin und wieder rutschte ihr ein amerikanischer Begriff dazwischen. Den haben wir dann des Charmes willen übernommen.

Zur Serie "The Bridge – Americas"

Vorlage zu der amerikanischen Produktion ist die skandinavisch-deutsche Krimi-Serie Die Brücke – Transit in den Tod, die 2012 im ZDF ausgestrahlt wurde. Statt auf der Öresund-Brücke wird nun auf der Bridge of Americas eine Frauenleiche gefunden, die exakt hälftig zwischen den beiden Nachbarländern liegt. Offensichtlich ist es die Tat eines Massenmörders, der damit auf soziale Missstände aufmerksam machen will. In der amerikanischen Produktion spielt Diane Kruger die US-amerikanische Ermittlerin Sonya Cross, die den Fall gemeinsam mit ihrem mexikanischen Kollegen lösen muss. Wie ihr schwedisches Vorbild leidet auch Cross am Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus.

ZEIT ONLINE: Warum geht komplexes Erzählen, Figuren entwickeln, Milieus erkunden in einer Serie besser?

Kruger: Weil man mehr Zeit hat. Deswegen habe ich auch diese Serienrolle angenommen. Meine Figur, die amerikanische Ermittlerin Sonya Cross, kann sehr unangenehm sein, weil sie am Asperger-Syndrom leidet. Aber man erfährt in den ersten zwei Episoden gar nicht genau, was mit ihr los ist. Die Zuschauer waren anfangs very confused. Doch dann habe ich 13 Stunden Zeit, alles zu zeigen. Eine goldene Rolle.

ZEIT ONLINE: Zeit ist kein Garant. In Deutschland haben wir den Tatort, der läuft schon seit Jahrhunderten und weist trotzdem keine fortlaufende Story auf. Die Charaktere entwickeln sich nicht wirklich weiter.

Kruger: Das ist eine andere Art von Fernsehen. Die gibt es in Amerika auch, Serien wie CSI: Pro Episode wird nach vorhersehbarer Dramaturgie ein Fall gelöst. Man weiß genau, wer zum Aufklären wann wohin geht.

ZEIT ONLINE: Ihre Serie ist nach der Bridge of the Americas zwischen dem texanischen El Paso und dem mexikanischen Juárez benannt. Die Grenze zwischen den beiden Staaten verläuft auf der Brücke und genau dort liegt zu Beginn eine Leiche. Das versinnbildlicht gut, worum es geht: Etwas, was eigentlich verbinden sollte, trennt zwei sehr gegensätzliche Regionen. Daraus erwachsen eine Menge Probleme: Prostitution, Menschenhandel, illegale Immigration.

Leserkommentare
    • WolfHai
    • 14. September 2013 9:53 Uhr

    Ein schöner Artikel: freundlich, unaufgeregt, informativ, und nicht die Vorurteile des Interviewers, sondern - man höre und staune - die Aussagen der freundlich behandelten Interviewten standen im Mittelpunkt: mehr von sowas auf Zeit Online!

    14 Leserempfehlungen
  1. auf die Serie "Die Brücke" machen doch tatsächlich Lust darauf, die amerikanische Version von "Die Brücke - Transit in den Tod" zu sehen.

    Diese deutsch-dänisch-schwedischen Produktion ist es die Ermittlerin Saga, die diesem Film den besonderen Touch bringt. Als beinahe autistische wirkende Frau wirkt sie zielsicher, hartnäckig und in der Regel direkt und klar handeln.

    Diese Rolle wird wohl in der amerikanischen Verfilmung von Diane Krüger übernommen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Die Franzosen arbeiten 12 Stunden auf’m Dreh, die Amerikaner 14. Schlussfolgerung: Die Franzosen arbeiten so wenig. (Schnappatmung!)

    Mon dieu!

    12 Stunden, 14 Stunden... Ich frage mich: ist die Schauspielerin ein wenig beschränkt?

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Besonders über Ihre Beleidigung Frau Krüger gegenüber, sollten Sie noch einmal nach erfolgreicher Lektüre des Artikels reflektieren.

    Effektive 9 Stunden Dreh pro Tag in Frankreich sind nun einmal recht wenig im Gegensatz zu den effektiv 12 Stunden Dreh pro Tag in Hollywood.

    75% nach Adams Liese ;-)

    Zum Artikel: Diesen informativen Artikel über das Filmgeschäft, der nicht das Ego des Fragestellers in den Mittelpunkt stellt, finde ich sehr gelungen.

    • dacapo
    • 18. September 2013 20:18 Uhr

    Wer ist denn nun beschränkt, dass ist hier die Frage. Vor allen Dingen und gesetzt der Fall, ist es angebracht gleich von Beschränktheit zu reden? Offensichtlich leben Sie alleine, "ohne Kontrolle".

  3. Besonders über Ihre Beleidigung Frau Krüger gegenüber, sollten Sie noch einmal nach erfolgreicher Lektüre des Artikels reflektieren.

    Effektive 9 Stunden Dreh pro Tag in Frankreich sind nun einmal recht wenig im Gegensatz zu den effektiv 12 Stunden Dreh pro Tag in Hollywood.

    75% nach Adams Liese ;-)

    Zum Artikel: Diesen informativen Artikel über das Filmgeschäft, der nicht das Ego des Fragestellers in den Mittelpunkt stellt, finde ich sehr gelungen.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "12, 14."
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    • AlaskaS
    • 14. September 2013 13:34 Uhr

    mal ganz im Ernst: ...und die besten Filme (z.B. in den 70iger Jahren) kamen aus ....? Tadaaa... Frankreich, und auch aktuell,..- Tusch! Frankreich!. Ich gebe zu, ich mag die Aktionfilme aus Hollywood, aber wenn es um Geschichten, gut erzählten Geschichten geht, dann doch lieber ein Film aus dem "alten" Europa. Insofern halte sich die Frage nach der int. Beschränkheit der Interwieven für verständlich....

    • WolfHai
    • 14. September 2013 12:32 Uhr

    Zur angenehmen Atmosphäre dieses Interviews trägt es vermutlich auch bei, dass die Interviewte ihre Sozialisation ins Schauspielgeschäft u.a. in den USA erhielt. Dadurch kann sie auf freundliche, offene Fragen freundliche, offene Antworten geben, und ist nicht immerzu hin- und hergerissen zwischen dem leichten Größenwahn und der leicht zur Schau getragenen Volksverachtung und der dann zum Ausgleich benötigten Selbstabwertung, die es so häufig gibt, wenn Deutsche deutsche Filmgrößen interviewen.

    Und eine Filmgröße ist Frau Kruger mittlerweile sicherlich - aber dem Interview merkt man es nicht an.

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  4. Frau Kruger lebt und arbeitet gern in Frankreich, ist aber ganz offensichtlich dem doch sehr amerikanischen Denken von Quantität > Qualität verfallen... Insgesamt sehr menschlich, dieses Interview, oder wie würden es die Franzosen sagen? "Nobody is perfect" :-)

    • WolfHai
    • 14. September 2013 12:38 Uhr

    "...ist aber ganz offensichtlich dem doch sehr amerikanischen Denken von Quantität > Qualität verfallen..."

    Da sind wir doch vielleicht etwas judgmental geworden, wie wir hier in Los Angeles sagen würden.

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    Da sind Sie doch tatsächlich über das "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Prinzip in meinem Kommentar gefallen... Kompliment aus Frankreich in die USA ;-)

  5. unspektakulär und informativ.

    Sehr sympathisch wie Frau Krüger mit etwas Abstand den amerikanischen Gigantismus beschreibt, zugibt sich davon auch beeindrucken zu lassen und doch feststellt, dass sie sich in Frankreich sehr wohl fühlt. Wahrscheinlich gerade weil dort nicht so viel gearbeitet wird und die Filme intimer, leidenschaftlicher sind.

    3 Leserempfehlungen

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