Erwachsenwerden ist vielleicht das Schwierigste und Unnötigste, was einem auf dieser Welt passiert. All die Akne, die festen Zahnspangen, die Hochgefühle, der Liebeskummer. Kein Wunder also, dass Florian (Frithjof Gawenda) – Sohn eines Turmspringtrainers, pummelig und Held des Films Ich fühl mich Disco – lieber in Tagträumen lebt als sich dem Alltag auszusetzen. Der ist, wie bei allen Jugendlichen, hormoninduzierter Wahnsinn.

Bei Florian, genannt Flori, kommt erschwerend hinzu, dass er keine Freunde hat und sich weder für Mädchen, noch für Technik und schon gar nicht für Sport interessiert. Flori und sein Vater Hanno – ebenfalls dick, monströser Schnauzbart und auch gefühlsmäßig ungelenk – können nicht so gut miteinander. Hanno ist von seinem Sohn enttäuscht, der sich weder für Fußball noch für das Simson-Mofa interessiert, das er ihm schenkt. Flori wiederum kann mit den Erwartungen, die sein Vater an ihn stellt, nicht umgehen. Am liebsten tanzt er mit seiner Mutter im Polyesteranzug und aufgemaltem Bart durch die Wohnung und singt die Schlagersongs seines Lieblingsmusikers Christian Steiffen mit.

Als Floris Mutter (Christina Grosse) am Saftmixer stehend einen schweren Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt, sind Hanno und sein Sohn auf sich allein gestellt. Während Flori sich in von Rachmaninow orchestrierte Tagträume stürzt, sucht Hanno Trost im Schnaps. Inmitten dieser familiären Krise verliebt sich Flori in Radu, einen Turmspringer aus Rumänien, der von seinem Vater trainiert wird. Erstaunlicherweise führt genau das dazu, dass sich Vater und Sohn wieder näherkommen. Endgültig skurril wird es, als Hanno, durch ein Lehrvideo von Rosa von Praunheim bestärkt, dem Sohn die Angst vor dem Coming Out nehmen will und sich mit ungelenken Solidaritätsbekundungen in Floris zart erblühendes Liebesleben einmischt.

Axel Ranisch, Regisseur des Überraschungserfolgs Dicke Mädchen aus dem Jahr 2011, betont, dass in seinem neuen Film viel Stoff seiner eigenen Biographie stecke. Der Film sei eine große Liebeserklärung an seine Jugend, seine Heimat Lichtenberg und an den eigenen Vater. 

Die Story eines jugendlichen Coming-Outs ist dabei recht gewöhnlicher Filmstoff. Ranisch – nach eigenen Angaben selbst dickes und schwules Kind zweier Leistungssportler – erzählt seine Geschichte auf eigenwillige Weise und voller abstruser und berührender Szenen. Den wilden Trash-Elementen ist es wohl zu verdanken, dass sie so unverbraucht daherkommt.

So nimmt Schlagermusiker Christian Steiffen die Rolle des quasi-auktorialen Erzählers ein, der mit viel Verständnis die Herbst-Familie einander wieder näher bringt, dabei aussieht wie John Travolta in Saturday Night Fever und spricht wie Horst Schimanski. In der Kneipe treffen das Idol des Sohnes und Hanno, vom homosexuellen Interesse seines Sohnes schwer verunsichert, aufeinander: "Entschuldigung, bist du Christian Steiffen?" Selbstzufriedenes Nicken. "Dürfte ich dir eine reinhauen?" – "Ja klar." Hanno haut zweimal kräftig zu. "Jetzt geht’s mir besser." – "Na dann bin ich aber froh. Setz dich doch." – "Was trinkst du?" – "Milch. Wo soll ich bei dir nur anfangen, Hanno?!"

Dass Ranisch mit Christian Steiffen einen echten Schlagersänger zum Cast zählen kann (man ordnet ihn dem Genre des sogenannten Neo- oder Indie-Schlagers zu), ist nur eine der vielen urkomischen Elemente des Films.