Ein Haufen Container steht am Rande eines Sees zwischen Bergen und Wäldern. Eine Gruppe Mitvierzigerinnen hat sich in Paradise, wie dieses Stück Land in der neuseeländische Kleinstadt Laketop heißt, niedergelassen. Sie suchen nach Selbsterkenntnis und hoffen auf Antworten ihrer Guru GJ, einer schroffen, androgynen Frau mit grauen silberlangen Haaren.

Paradise bildet eines der vielen kleinen Soziotope in der Crime-Mystery-Serie Top of the Lake, die arte ab 7. November ausstrahlt.

Geschrieben, entwickelt und umgesetzt  hat die sechsteilige Mini-Serie die neuseeländische Regisseurin Jane Campion zusammen mit ihrem Koautor Gerard Lee. Berühmt wurde Campion 1993 mit ihrem Film Das Piano. Die Geschichte von einer taubstummen Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihrer Tochter nach Neuseeland zu einem ihr unbekannten Ehemann reist, erhielt drei Oscars. Campion wurde als bisher einzige weibliche Filmemacherin mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.

Viele der Motive des Pianos finden sich auch in Top of the Lake wieder. Das Eindringen von Frauen in eine Männergesellschaft, Diskriminierung, Brutalität – aber auch Fantasie, Witz und Schlagfertigkeit. Campion ist eine Meisterin des feinfühligen Porträtierens. In fast sechs Stunden erzählt sie die Geschichte um das Verschwinden der 12-jährigen schwangeren Tui Mitcham. Im Lauf der Ermittlungen zeigt sich, wie das Leben in der idyllischen Kleinstadt von sexueller Gewalt und Drogenhandel überschattet ist.

In seinen Grundthemen erinnert Top of the Lake an David Lynchs Twin Peaks. Campion orientiert sich aber auch bewusst an den Mystery-Thriller-Serien, die in den letzten Jahren populär geworden sind. Anders als The Killing oder What Remains legt sie ihren Fokus aber nicht auf eine verzwickte Handlung und komplexe Erzählstränge. Top of the Lake saugt den Zuschauer in das Soziotop Laketop hinein – einen brutalen wie absurden Ort, an dem alles so ist, wie es scheint und man es deshalb nicht glauben kann. 

Die Frauen fügen sich in die machistische Gesellschaft

Matt Mitcham, der Vater der verschwundenen Tui, ist ein gewalttätiger Drogenboss und tyrannischer Herrscher über die Kleinstadt. Auf seinen Spuren ist die Polizistin Robin Griffin, die einst aus Laketop nach Sydney geflohen ist – aus eben jenen Gründen, die der Fall Tui zum Vorschein bringt. Die machistische Gesellschaft hat sich nicht geändert und die meisten Frauen fügen sich darin.

Ob Frauen oder Männer – alle Protagonisten sind einsame, isolierte und oftmals verzweifelte Charaktere, die in verschiedensten Familien- und Gruppen-Konstellationen leben. Wie ein Flussarm ziehen sich die Motive des Todes und der Suche nach Liebe durch die Serie, deren Charaktere wie störrische Kinder nach immer gleichen Mustern handeln.