Vater, Mutter, zwei schmollende Jugendliche und ein Schäferhund auf der Rückbank – die italoamerikanische Familie Manzoni aus Brooklyn landet in einer beschaulichen Kleinstadt in der Normandie. Nicht ganz freiwillig. Nachdem der ehemalige Pate Fred (Robert De Niro) vor Gericht gegen seine kriminellen Kollegen ausgesagt hat, ist er mit seiner Frau (Michelle Pfeiffer) und den beiden Kindern in Frankreich untergetaucht. Aber die Resozialisierungsmaßnahmen in der alten Welt gestalten sich schwierig, weil die Mitglieder der Familie etwas ungeübt in gewaltfreien Konfliktlösungsstrategien sind.

 

Luc Bessons Mafiakomödie Malavita lebt vor allem von seiner gelungenen Besetzung. Robert De Niro ist der wohl berühmteste Mobster-Darsteller Hollywoods und auch Michelle Pfeiffer verfügt nach Scarface und Die Mafiosibraut über einschlägige Erfahrung. Verweise auf andere Mafia-Werke durchziehen den gesamten Film, den Martin Scorsese koproduziert hat.

Als Fred, der sich in der Normandie als Schriftsteller ausgibt, zu einem Filmklubtreffen eingeladen wird, schickt die Cinemateque irrtümlich eine Kopie von Goodfellas. Nach der Vorführung schwärmt der ehemalige Mafioso ein wenig zu gut informiert über die Authentizität des Films. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Tarnung der Familie auffliegt, denn Fred fängt nun tatsächlich an zu schreiben: seine Memoiren.

Ein Schauspieler wie De Niro meistert eine Rolle wie diese ohne Kraftanstrengung, aber in der emotionalen Wandlung vom müden, zerknitterten Exil-Paten hin zum jederzeit gewaltbereiten Psychopathen scheint manchmal Travis Pickle durch, den er 1976 in Martin Scorseses Taxi Driver gespielt hat.

Dazu will die franko-amerikanische Produktion nicht nur eine Mafia-, sondern auch eine Cultur-Clash-Komödie sein. Besson, der in den Neunzigern mit Filmen wie Nikita und Léon – der Profi in die US-Domäne des Actionfilms eingedrungen ist und sich in seiner Karriere sowohl mit französischer wie amerikanischer Filmkultur auseinandergesetzt hat, lässt die naheliegenden Vorurteile zögerlich aufeinander prallen. Höchstens Michelle Pfeiffers Monolog über die gesundheitlichen Vorzüge des italienischen Olivenöls gegenüber Crème fraîche birgt ein gewisses Kultpotenzial.

Malavita ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein B-Movie mit Erstliga-Stars und einer aufrichtigen, manchmal etwas linkischen Liebe zum Genre. Sicherlich kein Meilenstein der Kinogeschichte, der in zwanzig Jahren noch in französischen Filmklubs diskutiert wird, aber solide Unterhaltung mit einer kurzen Halbwertszeit.