Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot. Das teilten seine Frau Renate und die Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit. Er starb in der Nacht zu Mittwoch in einem Münchner Krankenhaus im Alter von 86 Jahren. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass Hildebrandt an Krebs erkrankt ist.

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die Hildebrandt mitbegründet hatte, schrieb: "Bis zum Schluss hatte er Pläne, hatte gekämpft und wollte sich im Dezember auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von seinem Publikum verabschieden. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt. Wir trauern mit seiner Familie um einen wunderbaren Menschen, lieben Freund, Förderer und eine moralische Instanz."


Sein enger Freund Dieter Hanitzsch, mit dem Hildebrandt das Online-Kabarett-Projekt Störsender.tv initiiert hat, sagte: "Es ist ein großer Verlust. Für uns alle." Am Mittwoch stand auf der Startseite des Projekts: "Danke, lieber Dieter, für alles."

Die Diagnose Prostatakrebs hatte Hildebrandt nach Angaben der Münchner Zeitung tz erst im Sommer bekommen. Alle Auftritte hatte er abgesagt. Nachdem sich sein Zustand vor wenigen Wochen gebessert hatte, durfte er zunächst nach Hause. Dann habe es aber einen Rückschlag gegeben und er sei erneut in die Klinik gekommen. 

Hildebrandt, der am 23. Mai 1927 als Sohn eines Oberlandwirtschaftsrats in Bunzlau/Schlesien geboren wurde, prägte das politische Kabarett in Deutschland über Jahrzehnte. Am 12. Dezember 1956 gründete er gemeinsam mit Regisseur und Leiter Sammy Drechsel, mit Ursula Herking, Klaus Havenstein und Hans-Jürgen Diedrich die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, der er bis zu seinem Tod als Gesellschafter angehörte.

Dem ersten gemeinsamen Programm Denn sie müssen nicht, was sie tun folgten zahlreiche weitere sowie 25 Fernseh-Livesendungen. Mit den Kabarettsendungen im Fernsehen Notizen aus der Provinz und Scheibenwischer wurde Hildebrandt zum wohl bekanntesten deutschen Kabarettisten.

Auch als Schriftsteller und Schauspieler erfolgreich

Sein erster Erfolg als Schriftsteller gelang Hildebrandt 1986 mit seiner Autobiographie Was bleibt mir übrig. Obwohl er sich nicht als Dichter, sondern eher als "so etwas wie einen aktuellen Semmelverkäufer" verstand, machte Hildebrandt 1992 "aus Zetteln ein Buch. Zweiter Versuch". Entstanden war ein autobiographisch-gesellschaftskritischer Erzählband, der unter dem Titel Denkzettel zum Bestseller wurde. Zu seinem 70. Geburtstag legte Hildebrandt 1997 den letzten Band seiner autobiographischen Trilogie mit dem Titel Gedächtnis auf Rädern vor. Mit seinem 2006 veröffentlichen Lebensrückblick Ich musste immer lachen stieß der "Gedächtniskünstler" ebenfalls auf große Resonanz. Sein Buch Nie wieder 80 erschien rechtzeitig zu Hildebrandts 80. Geburtstag 2007.

Nach seinem TV-Abschied ging er von 2010 an mit Solo-Programmen "Ich kann doch auch nichts dafür" und "Vorsicht Klassik" auf Tournee. Außerdem übernahm er in Helmut Dietls Kinofilm Zettl (Filmstart 2011), einer Fortsetzung des legendären Kir Royal, die Rolle des um 25 Jahre gealterten Fotografen Herbie.