TV-Kritik im Sekundentakt: Oft sind die Kommentare auf dem sogenannten Second Screen viel unterhaltsamer als das, was auf dem Fernsehbildschirm zu sehen ist. Die Twittritik auf ZEIT ONLINE erklärt, was die Zuschauer wirklich beschäftigt.

Trüge die Hölle bürgerlicher Verlustängste einen Ortsnamen – es wäre wohl Duisburg. Duisburg, die Stadt mit den Zechenruinen und Plattenbausilos. Mit national einmaligen Schulden und international befreiten Zonen. Mit vielen Arbeitslosen und wenig Perspektiven. Auch im heimischen TV-Film erscheint Duisburg als Stadt des Niedergangs. Kein Wunder also, dass der erfahrene Krimi-Regisseur Kaspar Heidelbach gleich zu Beginn des neuen Tatort, äh – Schimanski ein Ölfass auf dem Straßenstrich entzündet.

Zwei Schüssen strecken einen Typen nieder, der offenbar Dreck am Stecken hat – auch wenn sein Hipster-Gesicht fast so sauber-süß ist wie das seines Erwerbskollegen Nils.

Zum Glück betritt bald der Ursprungsrüpel des hiesigen Fernsehkrimis den Bildschirm. Jener Kommissar, der "Scheiße" zum textlichen Mainstream gemacht hat und speckige Windjacken zur ministrablen Beamtenuniform.

Zu dumm nur, dass Götz George viele Jahre nach dem Tod seines Kollegen Feik aka Thanner und wenige Monate nach dem seines Fernseh-Vorgesetzten Kriminalrat Königsberg zusehends über die Thematisierung seines Alters funktioniert.

In der Folge Loverboy ging es also nur augenscheinlich um Zuhälter, die junge Mädchen mit falschem Charme und vermeintlicher Zuneigung Richtung Prostitution locken.

Sondern darum, den Exbullen Schimmi als alternden Privatdetektiv auf seine nahende Überflüssigkeit vorzubereiten.

Vorher darf er aber noch schlüpfrige Autokennzeichen am Citroen und sogar politische unkorrekte Worte verwenden, ohne dass die Handschellen der Sprachpolizei klicken.

Kann allerdings nicht mal mehr die dürrste Wohnungstür eintreten. Oder einschlägige Drogen unterscheiden.

Die ARD gibt sich also selbstreferenziell, indem sie unablässig die Berührungsängste ihres Stammpublikums mit der Gegenwart thematisiert.