Es gibt wohl kein Land auf der Welt, das so viele öffentlich-rechtliche Sender alimentiert wie Deutschland. ARD und ZDF zusammen verantworten ein Dutzend Fernseh- und 55 Rundfunk-Programme. Sie beschäftigen 26.600 Mitarbeiter. Ihr Etat beträgt 8,3 Milliarden Euro.

Der Reichtum und die Qualität der Programme werden immer wieder gelobt. Aber wahr ist leider auch, dass das stetige Wachstum keinem öffentlichen Bedürfnis gefolgt ist, sondern der inneren Logik eines Apparates, der sich durch eine Zwangsabgabe finanziert und der kommerziellen Zwängen nicht unterliegt.


Infolgedessen – und das ist schon oft bemerkt worden – ist das öffentlich-rechtliche System immun gegen Kritik von außen. Es gleicht einer riesigen Behörde, die keiner gewählt hat und die keiner verändern, geschweige denn abschaffen könnte.

Das öffentlich-rechtliche Privileg soll (das jedenfalls war die Idee) den Sendern die politische und die ökonomische Unabhängigkeit garantieren. Doch steht es damit nicht sonderlich gut. Der Einfluss der politischen Parteien in den Gremien ist erheblich.

Und mit der Vielzahl ihrer halb privaten Subunternehmen verfolgen die Sender eben doch kommerzielle Ziele. Ganz zu schweigen von der Werbung, die uns täglich mit Risiken und Nebenwirkungen versorgt und die so tut, als würde das Wetter nicht von Petrus, sondern von Banken gemacht.

Bei den Anhörungen vor dem Bundesverfassungsgericht geht es zurzeit darum, ob der Staatsvertrag des ZDF rechtens ist und ob das Gebot der Staatsferne durch einen übermäßigen Einfluss der politischen Parteien verletzt wird. Die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen hatten Klage erhoben, weil christdemokratische Verwaltungsräte 2009 die Wiederwahl des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender verhindert hatten.

Das Gericht wird sein Urteil im Frühjahr fällen. Wie immer es ausfällt: An der Praxis der Sender wird sich nichts Wesentliches ändern. Wir werden weiterhin damit leben müssen, dass dieses Bikini-Mädchen mit wippenden Brüsten kurz vor der Tagesschau den Strand entlangläuft und für ein Schlankheitsmittel wirbt.

Anspruchsvolle Zuschauer werden weiterhin nur spät ins Bett kommen. Wer sich für Literatur interessiert, wird auch künftig auf Literatursendungen im Fernsehen verzichten müssen, weil sie nicht genügend Quote bringen.

Es ist nicht in Ordnung, dass das wichtige, aber nicht eben populäre Gebiet der Kunstkritik, also der Auseinandersetzung mit Ausstellungen, Büchern, Konzerten und Inszenierungen, fast ausschließlich den Zeitungen überlassen bleibt, die bekanntlich um Leser und Anzeigen-Erlöse kämpfen.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das von einer Gebühr lebt, die man durchaus Steuer nennen kann, hätte die Pflicht, auch das Minoritäre zu pflegen. Es könnte das, was von allein sein Publikum findet, den Privatsendern überlassen. Stattdessen schielt man auf die Quote, als gälte es, Aktionäre zu befriedigen.

Es ist ein altes Lied. Aber weil sich Karlsruhe in diesen Tagen mit einer großen Anstalt beschäftigt, darf man es vielleicht abermals vor sich hin brummen.