Natürlich muss man sich nach einem Kinobesuch nicht fühlen wie nach einem Vollkornbrot, und nach einem Fantasyfilm schon gar nicht. Wer die knappen drei Stunden von Peter Jacksons Smaugs Einöde überstanden hat, freut sich womöglich, angemessen knülle und vollends benebelt aus dem Kino zu kommen, von all dem Knall und Schwertgeklirr und der Daueradrenalisierung, denn darum geht’s ja auch.

Vielleicht ist man sogar angemessen entzückt darüber, dass in den vergangenen Stunden einmal nicht die Konkursmasse irgendwelcher schwergelebten Leben verwaltet wurde, wie es sich im Vollkornbrotkino ja üblicherweise ereignet. Es erfordert allerdings eine gewisse Bejahungsbereitschaft, sich dem zweiten Teil von J.R.R. Tolkiens Der kleine Hobbit über die volle Distanz zu stellen, die mentale Voraussetzung, einfach mal "Das ist ja doll" zu denken, ohne ein lästiges Aufbäumen des Intellekts. Also los. Zwerge: doll. Drachen: doll. Zauberer: doll. Und die Landschaft Neuseelands: jungejunge. Letztere ist spätestens seit der Herr der Ringe-Trilogie bekannt, zu der die Hobbit-Trilogie gewissermaßen die Vorgeschichte bildet, literarisch eigentlich nur ein 300-seitiges Aperçu, aber da heute alles im Kino trilogisiert wird, will man nicht weiter nachfragen.

Überhaupt bekommen Fragen dem Film gar nicht, angefangen damit, warum die 13 Zwerge und der Hobbit Bilbo (Martin Freeman) andauernd im Gänsemarsch Mittelerde durchschreiten, als habe man sich nichts zu erzählen. Zum Beispiel, warum Zwerge eigentlich Treppen bauen wie auf den Bildern von M.C. Escher und Türen anfertigen, die nur an einem Tag bei Mondlicht zu öffnen sind. Warum Fantasysoundtracks immer nach Rhein- und Kerrygold klingen und warum 13 Zwerge und der Hobbit Bilbo andauernd im Gänsemarsch... ach, Verzeihung, man vergisst bei diesem Film ständig, was schon passiert ist, weil alles, wirklich alles, ein Höhepunkt sein soll.

Kurz gesagt geht's in Smaugs Einöde um das Abenteuer von Bilbo und seinen Begleitern – angeführt von Thorin – die das Zwergenreich Erebor vom Drachen Smaug befreien wollen, der dort in einem Berg auf einem Ozean aus Gold sitzt. Auf dem Weg gerät die Truppe ins Netz von Riesenspinnen, verläuft sich in verzauberten Wäldern und rauscht in leeren Weinfässern einen Fluss hinab, wobei sie vor Monstern namens Orks fliehen, die ihr auf den Fersen sind.

Es gibt den Magier Gandalf, der die Gruppe bald verlässt, um eine Ruine aufzusuchen. Und es gibt Elfen, insbesondere den gülden frisierten Legolas (Orlando Bloom) und seine platonische Freundin Tariel, beides Kampfmaschinen ersten Ranges, die unentwegt Hundertschaften von Orks in grandios choreografierter Videospielmanier übern Jordan schicken, dass selbst Tarantino neidisch wäre. Dazu glüht oben der Himmel, wie von einem liebeskranken Maler entworfen und drunten bricht sich allerhand Männerbündisches, Heldenmütiges und Ungewaschenes (Mit Ausnahme der Elfen, die immer aussehen, als stiegen sie gleich in ihren Volvo) Bahn, das man dem Genre ohnehin schuldig ist.

Das Joppenfell wiegt sich lenorweich im Wind, Böses dräut aus alten Burgen, Bilbo verfällt der Macht DES Rings, alles fügt sich langsam zusammen und fern hört man schon des Schickals erzene Hammerschläge, die letzthin zu dem führen werden, was Jackson schon erfolgreich und mehrfach oscarprämiert verfilmt hat.

Einst Passionsgeschichte, jetzt Wiesendurchquerung

Im Herrn der Ringe ließ sich damals durchaus eine heidnische Passionsgeschichte erkennen. Eine großangelegte Erzählung über Gier, Versuchung und den endzeitlichen Kampf zwischen Gut und Böse. Dagegen ist nun die dramaturgisch gesehen serielle Reihung von Wiesendurchquerungen, erklommenen Bergen, gurgelnden Orks, etwas kleinwüchsigem Klamauk kaum der Rede wert.

Wieso auch? Es geht schlicht um die totale visuelle Überwältigung und Betäubung des Zuschauers. Er soll bloß staunen. Über die Wasserfälle, und dass sogar Riesenspinnen eine Mimik haben, nicht zu vergessen die Goldmassen in den Gewölben und die Landschaft, die Landschaft. Und: ja, ja, ja, wo hat man das schon so gesehen?

Peter Jacksons Illusionsmaschine läuft, aber es bleibt nicht viel, außer eben formvollendete Zeitverschwendung, die man hinterher wohl Erlebnis nennen soll. Die Oberfläche des Films ist so poliert wie wohl noch nie in der Kinogeschichte, schon nicht weit darunter ist alles öd und leer. Die Figuren haben zwar eine Bestimmung, aber keinen Charakter, Eigenarten, aber keine Eigenschaften, sie sind nicht mehr als das Inventar für eine selbstverliebte Leistungsschau heutiger tricktechnischer Möglichkeiten, und es dürfte deshalb auch kein Wunder sein, dass der computeranimierte Smaug als die stärkste Gestalt erscheint, machtbesessen, gierig, eitel, grundböse und mit einer provinzmimenhaften Neigung zum Monologisieren.

Als Leserservice ließe sich an dieser Stelle noch das ganze Bonusmaterial aufzählen, das Peter Jackson aufwenden musste, um Tolkiens Original auf die epische Länge des Imponierkinos zu strecken (Unvergessen die gefühlten neun Stunden, in denen die Zwerge in Teil 1 am Esstisch sitzen). Aber warum noch mit exegetischen Details langweilen, wenn der Film das schon allein besorgt.