Eine gewaltige Explosion beendet am 26. September 1980 abrupt das ausgelassene Feiern auf dem Oktoberfest in München. Eine Bombe, versteckt in einem Mülleimer, tötet 13 Menschen und verletzt mehr als 200 weitere. Der Anschlag ist der schlimmste Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik. Hunderte Polizisten, Verfassungsschützer und Staatsanwälte beginnen in der Nacht des Anschlags zu ermitteln. Beim Aufklären des Gewaltakts versagen sie alle.

Bis heute bleibt vieles an dem Fall rätselhaft. Auch deswegen ranken sich Verschwörungstheorien um das Attentat. Der junge Regisseur Daniel Harrich hat den dramatischen Stoff nun in einem packenden Spielfilm ver- und aufgearbeitet. Der blinde Fleck erzählt von der mühsamen Suche eines Journalisten nach der Wahrheit, von seinem Kampf gegen Vertuscher in Behörden und gegen Politiker, die auf dem rechten Auge blind sind, die die Gefahr von Rechtsextremisten verharmlosen.

Als der Sprengsatz vor mehr als 33 Jahren auf dem Oktoberfest explodiert, herrscht Bundestagswahlkampf. Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß versucht, aus dem Anschlag politisches Kapital zu schlagen. Er behauptet, Linksradikale seien für die Tat verantwortlich, und fordert strengere Gesetze. Doch linksextreme Täter kann die bayerische Polizei ihrem Ministerpräsidenten nicht präsentieren. Die Bombenleger kommen aus einem ganz anderen politischem Spektrum. Die Ermittler stoßen auf einen Neonazi als mutmaßlichen Haupttäter – dabei hatten Strauß und seine Anhänger zuvor stets eine Gefahr von Rechtsaußen verneint. Als die rechtsradikale, terroristische Wehrsportgruppe Hoffmann aus Bayern vom Bundesinnenminister im Januar 1980 verboten wurde, hielt sein bayerischer Kollege das aus Sicherheitsgründen für nicht nötig und verharmloste die gewaltbereiten Neonazis, bei denen automatische Waffen und Handgranaten sichergestellt wurden, als "halbverrückte Spinner".

In der Wehrsportgruppe Hoffmann hatte auch der mutmaßliche Bombenleger, Gundolf Köhler, den bewaffneten Kampf trainiert. Er war mit zahlreichen Rechtsextremen vernetzt. Dennoch behaupten die Ermittler in Bayern, dass der Sprengsatz von einem "sexuell frustrierten Einzeltäter" gelegt worden sei. Köhler habe nicht aus einer politischen Motivation heraus gehandelt. Die Bundesanwaltschaft schließt sich dieser Bewertung an.

Polizisten und Juristen eignen sich in diesem Fall nicht als Filmhelden. Die Drehbuchautoren habe daher entschieden, einen anderen Rechercheur in das Zentrum ihrer Geschichte zu stellen: den Radiojournalisten Ulrich Chaussy, der seit Jahrzehnten in München über die rechte Szene berichtet. Doch Journalisten liegen – gemeinsam mit Rechtsanwälten – am unteren Ende der Skala der angesehenen Berufe. Ein realexistierender Rechercheur als Filmheld – kann das funktionieren?