TV-Kritik im Sekundentakt: Oft sind die Kommentare auf dem sogenannten Second Screen viel unterhaltsamer als das, was auf dem Fernsehbildschirm zu sehen ist. Die Twittritik auf ZEIT ONLINE erklärt, was die Zuschauer wirklich beschäftigt.

Sage noch mal jemand, das Fernsehen mit seiner Programmschematik, der Berechenbarkeit, den sturen Riten und Gebräuchen tauge nicht mehr zur kollektiven Aufregung im Abend(unterhaltungs)land. Zuweilen reicht nämlich schon die kleinste Korrektur an den Stellschrauben des Bewährten, schon springt die Erregungsmaschine an: Wie viel Veränderung darf denn sein?

…da beginnt auch schon die Debatte, ob das denn gehe, den Tatort verschieben. Schon lange vorm Titellied gibt es folglich mehr Tweets als nach dem Leipziger Schlussakkord vom Mittwoch. Statt Gemecker über Selbstzensur, Jugendschutz und Fernsehnachtschicht überwiegt der Jubel, dass es gleich zwei Tatorte am Stück gibt.

Aber bis zur Klärung, ob Franziska nun wirklich zu krass ist für die Primetime, müssen wir kurz noch durch den hessischen Tatort.

Dass die Hälfte des grandiosen Frankfurter Morddezernats (Nina Kunzendorf) für den ersten von zwei Restfällen des Restermittlers (Joachim Król) durch eine Neue (Alwara Höfels) ersetzt wird, wäre anderntags eine Sensation. Diesmal aber ist der Hessische Tatort erstmals seit Kommissar a.D. Leo Felber in den Neunzigern bloß Vorfilm des Hauptprogramms, Warm-up für den großen Thrill.

Die berüchtigte Kölner Episode versammelt eine Menge Testosteron hinter Gittern.