Man hat schon Altbackeneres im Fernsehen gesehen als Wetten, dass..? – aber nicht viel.

Das klingt nach kalkuliertem Verriss auf Kosten des in der vergangenen Woche mehr denn je getretenen Moderators Markus Lanz. Aber "altbacken" ist – nach Abzug aller Gemeinheiten, die einem so einfallen würden – genau das Wort, das im Kopf hängenbleibt: Wenn Brötchen altbacken sind, sind sie nicht mehr frisch. Sie sind aber noch genießbar, sofern man keine Ansprüche hat. Und so ist auch Wetten, dass..? nach 15 Monaten Markus Lanz. Die einst wichtigste Unterhaltungsshow des Landes, die nach wie vor von ihrem über viele Jahre erworbenen Ruf lebt – dem, dass jederzeit etwas Sehenswertes passieren könnte, was einen hochschrecken lässt aus seiner Sofalägrigkeit –, ist vergleichbar mit einem labbrigen, zähen Brötchen.

Das hat mehrere Gründe, und nur einer davon heißt Lanz. Aber natürlich ist er als Gesicht der Show der auffälligste. In den 149 Minuten aus Karlsruhe gelang es ihm, sage und schreibe zwei ganz gelungene Scherze zu machen. Zur Begrüßung sagte er: "Ich hatte mir vorgenommen, es etwas gemütlicher angehen zu lassen, und gerade mit Blick auf die letzten Tage ist mir das gelungen." Mit Bezug auf die gegen ihn laufende Zuschauerpetition gab er wenig später den Rat, wenn man ein Problem mit den vielen Baustellen in Karlsruhe habe, solle man doch eine Onlinepetition einrichten.

Gebrauchsspuren nicht nur bei den Wetten

Ansonsten stellte er seinen Gästen Fragen, die Desinteresse am Gespräch belegen – wobei das freilich auch zu den Markenzeichen seines Vorgängers gehörte. Er benutzte "sehr sehrs" und "Ich freu mich sehrs" und "spektakulärs" wie andere Leute Spiegelstriche, und warf mit Superlativen um sich. Und wenn man zwischendurch auf die Uhr sah, durchzuckte einen der Wunsch, es liefe Dalli Dalli mit Kai Pflaume – eine Spielshow ohne jedes Ausrufezeichen, der man den Spaß am Spiel anmerkt, während manche Wetten, dass..?-Ausgabe sich immerzu erfolglos fürs Guinness-Buch bewirbt.

Beispielhaft für übers-Ziel-schießende Sensationismen war Lanz' Anmoderation der Wette eines Rallyefahrers, der schneller einen Skihang hochbrettern wollte als der Skirennfahrer Hermann Maier hinunterfahren kann (was ihm nicht gelang). "Ich glaube, eine der schönsten Außenwetten der vergangenen Jahre", sagte Lanz. Nur gab es eine Variation dieser Wette – die Version Fahrrad gegen Snowboard – erst in Thomas Gottschalks letzter Sendung im Dezember 2011. Und auch das war eine Neuauflage. Schon 2006 gab es ein Wettrennen, damals zwischen einem Motocross-Gespann und dem Skifahrer Stephan Eberharter.

Das ist eine Kleinigkeit – klar. Aber sie spricht Bände. Nicht nur für Lanz' Moderationsstil, der kein Grau kennt, sondern auch für die Liebe, mit der die Show gemacht wird: Es ist ein Format der schon benutzten Ideen. Auch die Wette einer Frau, die sich die zufällige Anordnung von 1.110 Stecknadeln so gut merken konnte, dass sie anschließend festzustellen vermochte, welche Änderung vorgenommen wurde, gab es 2010 schon ganz ähnlich, damals mit einer Sternenkarte.

Und nicht nur die Wetten haben Gebrauchsspuren. (Fürs Protokoll: Wettkönig wurde ein Mann, der einbeinig Leitern hochhüpfte.) Der Comedian, der sich Atze Schröder nennt, war zu Gast und präsentierte die einzige Idee, mit der er schon seit vielen Jahren auftritt: nämlich eine Perücke und eine getönte Sonnenbrille. Peter Maffay, der am häufigsten geladene Gast in der Geschichte der Show, sang Halleluja. Der Rest der Gästeliste bestand aus dem wortkargen Fußballnationalspieler Max Kruse, aus Hans Sigl, der den Bergdoktor spielt, aus dem Schauspieler Liam Neeson, der kein großes Interesse daran zeigte, unterhaltsam zu sein und natürlich schnell wieder zum Flieger musste.

Um 22.04 Uhr kam die schwangere Yvonne Catterfeld auf die Bühne – unter allen Wettkandidaten, Musik-Acts und Sofagästen die erste von insgesamt zwei Frauen an diesem Abend. Lanz bedachte sie sogleich mit einem Scherz, den er auch schon einmal bei Michelle Hunziker angewandt hatte: "Wo genau bist du schwanger?"

Arm an Einfällen wie eine ungeprobte Karnevalssitzung

Die Show war so humorkonservativ und arm an Einfällen wie die ungeprobte Karnevalssitzung eines Männer-Kegelklubs in der katholischen Provinz. Das klingt einerseits bitter, andererseits scheint es nicht anders gewollt gewesen zu sein. Dass Wetten, dass..? nicht mehr die Show ist, die junges Publikum oder Familien binden soll, hat man selten so deutlich gemerkt wie diesmal. Der Weg dorthin ist schon länger erkennbar, seit die Redaktionsleitung im Juli 2013 Oliver Heidemann übernommen hat. Heidemann ist auch für die Helene-Fischer-Show zuständig und hat beim ZDF unter anderem das Sonntagskonzert und Lustige Musikanten betreut. Wetten, dass..? ist auf dem Weg zum Musikantenstadl ohne Trachten.

Noch ist der Ruf der Show ein anderer als der des Stadls. Auch beim nächsten Mal werden wir wieder darauf warten, dass etwas Sensationelles passiert. Nur, mal ernsthaft: Wetten, dass nicht?