Die beeindruckende Tilda Swinton (Mitte) in "Snowpiercer" © Berlinale/Courtesy of Snowpiercer Ltd.

Meist werden sie mit einem sperrigen Adjektiv belegt und in die Bedeutungslosigkeit geschickt: Die Dokumentationen, Spiel- und Essayfilme in der Berlinale-Sektion "Internationales Forum des jungen Films" wollen experimentierfreudiges und avantgardistisches Kino zeigen. Und doch sind sie nach dem Festival mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in keinem Kino mehr zu sehen. 

Der Beitrag Snowpiercer bricht diese traurige Regel. Zwar erlebte der Film seine deutsche Uraufführung im diesjährigen Forum. Aber das international produzierte Science-Fiction-Spektakel startet jetzt wie ein potenzieller Blockbuster in den deutschen Kinos.

Im asiatischen Raum und Frankreich lief er bereits im vergangenen Jahr an. Nur für die englischsprachigen Länder steht noch kein Starttermin fest, irgendwann im Sommer soll er kommen. Ungewöhnlich für eine Produktion dieser Größe, die normalerweise einen weltweit koordinierten Kinostart bekommt. Das könnte am amerikanischen Produzenten-Mogul Harvey Weinstein liegen, auch bekannt als "Harvey mit den Scherenhänden". Wie andere Filme zuvor will er auch Snowpiercer nach seinen eigenen Vorstellungen zurechtschneiden und erklärende Kommentare aus dem Off hinzufügen. Die Originalversion soll nur einen eingeschränkten Kinostart bekommen. Schließlich sollen den Film auch Kinogänger in Idaho und Oklahoma verstehen, lautet das Argument. Scheinbar hält Weinstein den Film für zu komplex – oder seine Landsleute für zu simpel gestrickt. Weinstein hat damit auf den einschlägigen US-amerikanischen Filmnachrichtenseiten einen Sturm der Empörung ausgelöst.

Dabei klingt die Handlung, die auf einer Graphic Novel basiert, erst einmal nach Standardware: Um der globalen Erwärmung Herr zu werden, bringt die Menschheit ein künstliches Gegenmittel in die Atmosphäre. Dummerweise kühlt es den Planeten derart herunter, dass eine neue Eiszeit anbricht. Ewiges Eis und Schnee bedecken zerbröselnde Städte und leere Ebenen. Die Menschheit ist ausgestorben. Alle Menschen? Nein, in einem futuristischen Zug, der wie von selbst immer wieder um die Welt rast, harren die letzten Überlebenden aus.

Krieg der letzten Menschen

Im Snowpiercer hat sich eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet. In den hinteren Waggons vegetieren verlauste, verdreckte Massen, die sich von glibberigen Proteinblöcken ernähren und sich von den Herrschenden aus den vorderen Wagen schikanieren lassen müssen. Mehrmals haben die Unterdrückten versucht, zu rebellieren, nie hatten sie Erfolg.

Als erneut Soldaten kommen und Kinder in den vorderen Zugteil entführen, sieht Curtis (Chris Evans), der unfreiwillige Anführer, die Zeit für einen erneuten Aufstand kommen. Wagen für Wagen kämpfen sich die Männer und Frauen nach vorn, unter ihnen der aus dem Gefängniswaggon befreite, drogensüchtige Namsoong (Song Kang-Ho), der als Einziger die Türen öffnen kann.