Natürlich werden in Spielfilmen und Romanen oft inhaltliche Details zugunsten von Spannung und Dramaturgie vernachlässigt. Aber so viele Fehler wie im Film "All Is Lost" sind einfach ärgerlich. Zumal wenn sie das zentrale Thema betreffen, also Segeln und Seefahrt. Ich kann das ganz gut beurteilen, weil ich selbst zehn Jahre lang zur See gefahren bin. Hier eine Liste der gravierendsten Fehler:

  • Zu Beginn des Films wird das Segelboot mit der namenlosen Hauptfigur an Bord, gespielt von Robert Redford, von einem im Meer treibenden Container geschrammt. Der Container reißt ein Loch in den Bootsrumpf, das aber unrealistisch groß ausfällt. Bei so ruhigem Wetter wäre der Zusammenstoß wahrscheinlich recht glimpflich verlaufen.
  • Wenn die See außerdem so ruhig ist, dass der Segler mal eben auf den Container springen kann, dann würden sich durch das Leck nicht solche Sturzbäche ins Innere der Yacht ergießen, wie im Film zu sehen sind. 
  • Wie kann der namenlose Segler sich erst einmal eine Dose Bier aufmachen, wenn sein Boot unter Wasser steht?
  • Woher bekommt der Segler immer wieder trockene Klamotten?
  • Wieso sind plötzlich die Polster des Bootes wieder trocken?
  • Während eines Sturms geht der Segler ohne Safebelt und ohne Schwimmweste an Deck. Kein vernünftiger Segler würde das jemals tun.
  • Beim Bergen der Segel wird der Segler über Bord gespült, klettert anschließend aber seitlich an der Bordwand wieder ins Boot. Wie hätte er das schaffen sollen? Warum hat er nicht die vorher am Heck angebrachte Badeleiter benutzt?
  • Als er die Rettungsinsel bei Sturm auswirft und die Leine auch richtig an seinem Schiff befestigt, kann er die Rettungsinsel gegen den Wind zu sich heranzuziehen. Dann springt er mal eben hinein. Alles ohne Schwimmweste. Dann kentert die Rettungsinsel, aber der Segler öffnet den Reißverschluss, springt in die See und kann die Insel trotz Sturm wieder aufrichten. Um all das zu schaffen, bräuchte er Superkräfte.
  • Wie kann der Segler innerhalb weniger Minuten die Position mit einem Sextanten bestimmen? Um den Umgang mit dem Gerät zu lernen, habe ich an der Seefahrtschule ein Jahr gebraucht. Außerdem benötigt man für die Positionsbestimmung besondere Bücher. In seiner Rettungsinsel reicht ihm dazu eine simple Seekarte, die wundersamerweise trocken geblieben ist. Ein Lineal hat er, rein zufällig, auch dabei.
  • Es war schlau, vor dem Verlassen des Schiffes einen Kanister mit Süßwasser zu füllen und mit in die Rettungsinsel zu nehmen. Aber wie hätte Salzwasser in den verschlossenen Süßwassertank hineingeraten sollen?
  • Im Film ist der Segler über 1.000 Seemeilen vom Festland entfernt. Wie kann es da sein, dass der Zuschauer gelegentlich Konturen von Land am Horizont erkennen kann?
  • Als nachts in der Nähe ein Containerschiff vorbeifährt, schießt er mit einer Signalpistole die allgemein bekannte Seenotrakete ab. Das Schiff fährt weiter, als wäre nichts geschehen. In Wirklichkeit hätte die Mannschaft im Ausguck das Signal mit Sicherheit gesehen und Hilfe herbeigerufen.