Wenn das Fernsehen Politiker porträtiert, dann meist als Demontage oder voll Demut. Anfang 2013 etwa inszenierte Sat.1 in Der Minister Karl-Theodor zu Guttenberg als schmierige Knallcharge. Vier Jahre zuvor dagegen gab sich das ZDF alle Mühe, dem Mann aus der Pfalz nahezukommen, ohne ihm nahe zu treten. Mit Der Rücktritt versuchte sich der Kohl-Regisseur nun auf dem Guttenberg-Kanal am nächsten Politikerleben und siehe da – ausgerechnet auf dem Kommerzkanal …

… fand Thomas Schadt die Mitte!

Von wegen! Das Dokudrama arbeitet die letzten 68 Amtstage des damaligen Präsidenten überwiegend gelungen auf und hält dabei die Balance zwischen Politikbashing und Medienschelte. Eine schwierige Aufgabe. Kaum eine Figur der jüngeren Zeitgeschichte polarisierte stärker als der Provinzfürst an der Republikspitze.

Der Hauptdarsteller Kai Wiesinger bringt das adäquat zum Ausdruck. Seit seinem Durchbruch in Kleine Haie und einem Anspruchsintermezzo im Knastdrama 14 Tage lebenslänglich schien der Schauspieler auf seichte Stoffe für leichte Sendeplätze gebucht. Der Figur Christian Wulff kommt er jedoch beeindruckend nahe.

Glaubhaft verkörpert er den zwischen Larmoyanz, Verdrängung und Trotz schwankenden Politiker und wird dem Original auch optisch gerecht.

Um den Kontrast zwischen Wulff und dem von ihm bekleideten Amt aufzuzeigen, bedient sich die Regie noch anderer Mittel. Eines Schokoweihnachtsmanns etwa auf dem Schreibtisch des gernegroßen Staatschefs

Der natürlich weder da noch dort zufällig steht.

Dazu Wulffs Berater Olaf Glaeseker, glaubhaft bodennah gespielt von Holger Kunkel.

Oder Kai Diekmann, fast schon zu feist verkörpert durch Hans-Jochen Wagner.

Und dessen Reporter Heidemanns, nicht schlecht, aber arg seriös gespielt von Thorsten Merten.

Auf dem Second Screen wird das honoriert.

Dabei gilt für Bild das gleiche wie für Lindt-Weihnachtsmänner: Schleichwerbung ist verboten. Wobei die Grenzen zur legalen Reklame angesichts der episch langen Unterbrechungen ohnehin verschwimmen. Der Werbeindustrie kämen weitere Sat.1-Biopics in Echtzeit sicher gelegen. Die Twitter-Nutzer haben auch schon Ideen: