Pierre Niney als Yves Saint Laurent und Charlotte Le Bon als seine Muse Victoire Doutreleau © Tibo & Anouchka - SquareOne/Universum

Manche sind der Meinung, Mode sei nur eine Hülle und Haute Couture die exaltierteste Form eines Handwerks, das an der Oberfläche vergeblich nach Sinn suche. Ein Film über den wohl bedeutendsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts könnte dieses Bild zurechtrücken, indem er den Zauber der hohen Schneiderkunst auf die Leinwand bringt. Ein Film wie Yves Saint Laurent vielleicht, der die Panorama-Sektion der 64. Berlinale im wieder auferstandenen, hochglanzpolierten Zoo Palast eröffnete.

Im Jahr 1957 fand hier zum ersten Mal das Berliner Filmfestival statt. Im Jahr 1957 setzt auch die Geschichte ein, die der Regisseur Jalil Lespert erzählen möchte. Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent ist gerade 21, als er dazu berufen wird, nach Christian Diors Tod das renommierte Couture-Haus zu übernehmen. Ein blasser, schmaler, schüchterner Jüngling mit unglaublichem Talent, aber ein Chefdesigner? Frankreichs Modebranche ist konsterniert. Und sie wird es bleiben, denn Saint Laurent hat nicht vor, nach ihren Mustern zu schneidern.

Was er stattdessen tut, ist dem Film allerdings nicht so wichtig. Im Zentrum steht die Beziehung zu seinem Lebenspartner Pierre Bergé, mit dem er 1961 ein eigenes Label gründete und der noch heute, fünfeinhalb Jahre nach Saint Laurents Tod, den Nachlass verwaltet. Yves und Pierre, der Künstler und sein Geschäftsmann, der Manisch-Depressive und seine Mitte, der Drogensüchtige und der Nüchterne, der Labile und der Stabile. Ein Sujet, das sich das Mainstreamkino nicht schöner wünschen kann: wie man ein Genie liebt.

Yves quarzt, zeichnet, quarzt, trinkt, quarzt, drapiert, quarzt, deliriert. Und dann ist mal wieder Modenschau. Pierre telefoniert, verhandelt, telefoniert, zeigt Verständnis, telefoniert, organisiert, telefoniert, steht im Hintergrund, denn dann ist mal wieder Modenschau. So geht es 20 Jahre lang, bebildert von hübschen Pariser Bohème-Clichés und ihrer exotistischen, postkolonial-hippiesken Entsprechung in Saint Laurents Anwesen in Marrakesch. Bis 1976, als sich das Paar vorübergehend trennt und der Film endet.