Es ist den überzeugenden Schauspielern zu verdanken, dass sich in der filmischen Langeweile überhaupt so etwas wie Enttäuschung einstellen kann: Mit Pierre Niney (Titelfigur), Guillaume Gallienne (Bergé) und Nikolai Kinski in einer Nebenrolle als jungem Karl Lagerfeld hätte man sicherlich auch ganz andere Dinge erzählen können. Zum Beispiel die Kulturgeschichte, die da heimlich vorbeihuscht, während sich die Kamera mal wieder an den adretten Mannequins festsaugt.

Zwar zeigt der Film Saint Laurents revolutionäre Entwürfe, aber er blendet ihr gesellschaftliches Echo aus. Er zeigt die mutige Trapezlinie, mit der der Designer seine erste Dior-Kollektion bestritt, aber nicht die Befreiung von der weiblichen Wespentaille, die sie brachte. Er zeigt Frauen im Anzug, aber verschweigt, welchen Skandal die neue feminine Stärke auslöste. Er zeigt farbige Models, aber lässt unerwähnt, dass Saint Laurent der Erste war, der sie beschäftigte. Anhand jedes Defilées hätte man erklären können, wie Mode als soziale Praxis funktioniert und wie dieser Meister mit seinen Arbeiten am Geschlechterverständnis gerüttelt hat.   

Ganz zu schweigen von der Sinnlichkeit, durch die das Schneiderhandwerk zur Kunst wird. Die Geburt der Idee, die Liebe zum Material, die Hingabe zur Verarbeitung, das gemeinschaftliche Fieber, das alle erfasst, die an der Kollektion mitarbeiten. Eben das, was Haute Couture ausmacht. Dem Mangel an echter Sinnlichkeit versucht der Regisseur mit Sexszenen beizukommen: Das Genie, ja, das vögelt rum, führt ein ausschweifendes Leben und ist eben nicht ganz zurechnungsfähig. Aber dafür chic.

So steht Jalil Lesperts Yves Saint Laurent am Ende wie ein hohler Götze da. Dass dieser Mann die Mode umgekrempelt hat, musste extra in den Abspann geschrieben werden, es wäre sonst unbemerkt geblieben. Lesperts Film hätte einem großen Publikum etwas Wahrhaftiges erzählen können und banalisiert stattdessen seinen Helden und dessen Lebenswerk. Mode ohne Sinn ist eben nur eine Hülle. Und der prächtigste Kinosaal ist nichts ohne gute Filme.