Mutter-Töchter-Zwist: Meryl Streep (Mitte) als tablettensüchtige Matriarchin Violet schikaniert ihre Töchter Barbara (Julia Roberts, li.) und Ivy (Julianne Nicholson, rechts) in "Im August in Osage County". © Tobis Film

Im Flugzeug saß John Wells einmal neben einem Mann, der Lawrence von Arabien schaute – auf einem iPad Mini. Er sei glücklich gewesen, "dass überhaupt noch jemand Lawrence von Arabien schaut", sagt Wells. Aber er habe gedacht: "Nimm wenigstens den Laptop!"

Wells hat viele Großerfolgsserien produziert, ER mit George Clooney zum Beispiel, auch bei The West Wing war er dabei. Seine neue Regiearbeit Im August in Osage County ist eine Adaption des Theaterstücks von Tracy Letts, der dafür 2008 den Pulitzer-Preis gewann. Er vermisse Stoffe, die character driven, figurengesteuert, seien, sagt Wells im Interview mit ZEIT ONLINE. Den Schauspielern in Hollywood geht es offensichtlich ebenso. Für eine Rolle in Im August in Osage County standen die Stars Schlange. Meryl Streep spielt mit, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Ewan McGregor, Chris Cooper, Sam Shepard, Juliette Lewis, Margo Martindale.

Streep und Roberts waren für einen Oscar in den Kategorien beste Haupt- und beste Nebendarstellerin nominiert, gingen allerdings leer aus. Trotzdem ist Im August in Osage County ein guter Film, der sich nicht verbiegt. "Die Studios", sagt Wells, "fokussieren vermehrt auf Material, das niemanden vergrault, das in China ebenso funktioniert wie in den USA". Wells erzählt eine Geschichte über Amerika. Die Familie, um die es geht, heißt nicht umsonst Weston.

Eine verlorene Familie ist das, völlig zerrüttet. Streep spielt die unausstehliche Matriarchin Violet, ein Wrack, das schlechte Perücken trägt und hoffnungslos tablettensüchtig ist. "Valium, Vicodin, Darvon, Percaden, Percocet ...", zählt ihr Ehemann Beverly (Sam Shepard) auf, "und Xanax, zum Spaß". Er selbst ist Alkoholiker. Den Niedergang seiner Frau mag er irgendwann nicht mehr mitansehen. Er zitiert T.S. Eliot ("Life is very long") und nimmt sich das Leben.  

Der Kraftausdruck-o-Meter schlägt heftig aus

Zum Leichenschmaus finden sich die drei erwachsenen Töchter mitsamt Anhang im großen, etwas abgerockten Anwesen in Oklahoma ein, einem "Irrenhaus", wie die älteste Tochter Barbara (Julia Roberts) sagt. Es dauert nicht lange, bis Türen zugeschlagen werden und Geschirr zu Bruch geht.

Vor allem aber wird mit Worten um sich geschlagen in diesem hoch getakteten Dialoggewitterkino. The Wolf of Wall Street soll zwar den Rekord an Flüchen in einem Film halten. Der Kraftausdruck-o-Meter schlägt aber auch bei Im August in Osage County stark aus. Tracy Letts hat sein Theaterstück selbst als Drehbuch adaptiert, und es zwar leicht gekürzt, aber nicht geglättet. Selten wurde in einem Film so wunderbar dreckig gestritten wie bei Wells' Familienzoff in der Hitze Oklahomas.