Ich glotz TV – der Name unserer Kolumne ist Programm. Unsere Autoren schalten sich ein. Und verraten von Montag bis Freitag, welche Phänomene sie im deutschen Fernsehen entdecken.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit seinen Kindern über Drogen zu sprechen? Für Jenke von Wilsmdorff der, als ihn Sohn Janik "voll am Abkacken" erlebt, angedröhnt nach ein paar Joints im niederländischen Haarlem. Während der 20-Jährige konstatiert, dass sein Erziehungsberechtigter echt keinen Bock auf Kiffen macht, hat der gerade wieder Karussell im Kopf. Und abends nun immer tierisch Hunger, oder eben "Fresskick", wie Janik sagt.

Es ist Montagabend, kurz vor 22 Uhr, willkommen im Jenke-Experiment auf RTL: "Wie gefährlich ist Kiffen wirklich?" Ich flüchte nach dem dritten Lachflash des Protagonisten ins Bad, räume die Wäsche aus der Maschine und frage mich, worauf ich mich da eingelassen habe.

Wenige Tage zuvor: E-Mail von der Ressortleiterin Kultur. Der Typ, der immer Selbstversuche mache, mache nun auf Drogen. Passe doch super. Im Wissen laufe doch dieser Schwerpunkt dazu. Ich sage zu, gebe aber zu bedenken, dass sich meine letzte Drogenerfahrung auf die Weihnachtsfeier beschränkt. Zigarillo mit dem Chef zu so früher Stunde, dass ich Paffen mit Inhalieren verwechselte. So kotzübel wie mir damals ist es Jenke von Wilmsdorff nicht.

Method Acting und etwas Betroffenheit

Der hinkt der Realität lediglich ein oder zwei Sekunden hinterher, als ihm dämmert: Kein Kater am Morgen? Das mache dieses Marihuana sicher gefährlich. Sohn Janik erzählt, dass Cannabis eine Modedroge unter Jugendlichen sei. Hmmm ja, und was macht die so? Papa fängt an zu kichern. Lachflash.

Der 48-jährige RTL-Grenzgänger will wissen, was ist. Wer selber einen durchzieht, soll verstehen, warum angeblich bis zu vier Millionen Deutsche zur verbotenen Droge greifen. Bestechende Logik. Die hat im vergangenen Jahr ebenso viele Zuschauer vor den Fernseher gelockt, als sich Jenke vier Wochen lang zwei Blutgerinnsel im Enddarm ansoff. Alkoholexperiment. Reife Leistung. Davor hat er sich auch schon fett gefressen und spielte werdende Mama, indem er sich künstlich Wehen verpassen ließ.

Zurück zu Joint, Bong und Haschgebäck. Neben RTLs Musterschüler in Sachen Method Acting muss nun ein echter und wirklich leidgeprüfter Cannabiskonsument her. Seriöse Sache, klar. Mit verzerrter Stimme und verfremdeten Gesicht (hätte ich RTL gar nicht zugetraut) berichtet ein Mann von seiner 23-jährigen Abhängigkeit. Jenke schaut betroffen. Zwei Psychosen, Verfolgungswahn, depressive Phasen und Wahrnehmungsstörungen haben den Süchtigen in die Psychiatrie gebracht. Kiffen mache vor allem psychisch abhängig, sagt ein Suchtexperte. Legalisierung? Auf keinen Fall.

Schnitt. Jenke ist wieder in seiner Rolle: "Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund." Kräftiger Zug an der Grasfluppe. Zwischendrin jettet er über den Atlantik, wo die Amis in Colorado doch gerade Cannabiskonsum legalisiert haben. "Muss man mal hin." Dort wird eine Dispensary besucht, die Hanf anbaut. Jenke darf an den Pflänzchen schnüffeln, der Gospel Oh happy day ertönt. Dann ab auf Kiffertour mit Denvers Jugend. Das knallt.