Der Krieg in Afghanistan spielt derzeit gleich in zwei Filmen die Hauptrolle. Es wird geschossen, getötet und gestorben, und beide Filme erzählen den Konflikt überwiegend aus Sicht der Beteiligten. Dennoch lässt sich der Krieg in Afghanistan kaum unterschiedlicher darstellen als in Zwischen Welten und Lone Survivor.

Der deutsche Berlinale-Beitrag Zwischen Welten, der diese Woche anläuft, erzählt die Geschichte einer deutschen Einheit, die afghanische Sicherheitskräfte im Kampf gegen Aufständische unterstützen soll, und vom Leben des Dolmetschers, der diese Soldaten begleitet. Er zeigt nicht nur die Mission der Bundeswehr am Hindukusch, der Film der Regisseurin Feo Aladag setzt sich im Jahr des Abzugs der westlichen Kampftruppen aus Afghanistan und dem Ende der Internationalen Unterstützungsmission (Isaf) auch intensiv mit dem Leben der Menschen in Afghanistan auseinander, mit ihren Sorgen, Ängsten und Hoffnungen.

Lone Survivor (am 20. März gestartet) hat einen schlichteren Plot: Vier Navy-Seals, amerikanische Elitesoldaten, bekommen den Auftrag, einen Taliban-Anführer zu finden und auszuschalten. Die Handlung orientiert sich an einer wahren Geschichte. Der in den Vereinigten Staaten sehr erfolgreich gestartete Hollywood-Streifen scheint zunächst ein stumpfer Kriegsfilm zu sein. Wenige Helden versuchen einen Hügel gegen eine gewaltige, anonyme, fremde Übermacht zu verteidigen. Dabei wachsen sie über sich hinaus – und opfern sich. Tauscht man die Schauplätze und die Waffen aus, könnte Lone Survivor auch im Wilden Westen spielen (Cowboys gegen Indianer), in Afrika (Kolonialtruppen gegen Wilde) oder in der Antike (Griechen gegen Perser).

Es sind die drastischen Nahaufnahmen von Kopfschüssen, offenen Wunden, weggeschossenen Fingern, die Lone Survivor von Kriegs- und Kampffilmen des Rambo-Genres unterscheiden. Darin wird ähnlich wild geballert, Rambo kämpft aber weitgehend unbeschadet immer weiter. In Lone Survivor, das verrät schon der Titel, überlebt nur einer der amerikanischen Elitekrieger. Schwer verwundet wird dieser Held (Mark Wahlberg) gleich zu Beginn des Films in einem Hubschrauber ins Spital geflogen, sein Überleben als Rückblick erzählt.

Lone Survivor zeigt Soldaten im Kampf, dem Zuschauer verlangt er dabei einiges ab. Mehr als eine halbe Stunde lang sieht man den amerikanischen Soldaten während eines nicht enden wollenden Feuergefechts beim Sterben zu. Ihre Motivation, der Grund für den Einsatz und dessen Sinn thematisiert der Film hingegen nicht.

"Wie lässt sich im 21. Jahrhundert vom Krieg erzählen?" fragte im Februar das Berliner Haus der Kulturen der Welt. Drei Tage lang setzten sich Autoren, Filmemacher, Fotografen, Menschenrechtler, Publizisten, Soldaten, Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Zeugen aus Konfliktgebieten während der Tagung mit dieser Frage auseinander. Die Kuratoren und Gäste kamen überein, dass Krieg und das Erzählen darüber, Neutralität ausschließt. Die Teilnehmer sprachen auch über die Grenzen der Erzählens: Kann man Kriegsvergewaltigungen thematisieren, ohne in die Pornografie abzugleiten? Wie viel Raum sollte man den Tätern geben?

Einfache Antworten gab es nicht in Berlin. Einig waren sich die meisten, dass gute Artikel, Bücher und Filme nicht nur den Krieg als Handwerk des Soldaten zeigen dürfen. Die Perspektive der Opfer sei immens wichtig und ein genauer Blick darauf, worum es in einem Konflikt eigentlich geht.

Schließlich wird Krieg in der westlichen Welt immer mehr zu etwas Unbekannten, das in fernen Teilen der Welt stattfindet. Die meisten Deutschen haben heute selber keinen Krieg mehr erlebt oder überlebt. In Mitteleuropa herrscht bald 70 Jahre Frieden. Slavenka Draculic, Schriftstellerin aus Kroatien, kritisierte in Berlin, dass der Horror des Krieges, das, was den Menschen in den Konflikten widerfahre, die Öffentlichkeit kaum noch erreiche.

Nicht nur in Dokumentationen, auch in Spielfilmen ist es daher entscheidend, welches Bild sie vom Krieg vermitteln. Jeder Filmemacher muss sich die Fragen stellen: Wie viel reales Grauen bringe ich auf die Leinwand? Aus welcher Perspektive erzähle in den Film? Wie inszeniere ich Gewalt und Tod?