Darlene Love, Judith Hill, Merry Clayton, Lisa Fischer, Claudia Lennear, Patti Austin, Janice Pendarvis, Táta Vega. Die Namen sagen wohl nur den wenigsten etwas, ihre Stimmen hat jeder schon gehört. Merry Clayton zum Beispiel intonierte in Gimme Shelter von den Stones mit spiritueller Inbrunst die berüchtigte Textzeile "rape, murder, it's just a shot away", ihrem mächtigen Stimmvolumen verdankt auch Lynyrd Skynyrds reaktionärer Südstaaten-Rocker Sweet Home Alabama seine Gospel-gesättigte Soulfulness. Und Darlene Love hatte mit He's a Rebel sogar mal einen veritablen Hit – nur entschied Produzent Phil Spector, die Aufnahme als Single der weitaus populäreren Crystals zu veröffentlichen.

Es ist das Schicksal von Backgroundsängerinnen, im Schatten berühmter Musiker und Sänger zu stehen. "Man erwartet, dass du die Noten triffst, keine Credits für deine Arbeit beanspruchst und möglichst schnell wieder verschwindest", beschreibt Session-Sänger David Lasley in Morgan Nevilles Oscar-prämierter Dokumentation 20 Feet from Stardom das Anforderungsprofil. Kein ruhmreicher Job.

Dabei kann das Zusammenspiel von Lead- und Background-Gesang den entscheidenden Unterschied machen zwischen einem gewöhnlichen Popsong und einem Klassiker für die Ewigkeit. Hier entstehen jene intangiblen Momente, in denen Studiotechnik und Magie ununterscheidbar werden. "Wenn die Solostimmen verschmelzen und zu einer einzigen Harmonie anschwellen, das ist ein erhabenes Gefühl", sagt Janice Pendarvis, die schon für Sting, David Bowie und Blondie gesungen hat. Bruce Springsteen nennt die Power des Harmoniegesangs sogar eine "transformative" Kraft, den "Sound einer weltlichen Erkenntnis".

Diesem alchimistischen Prozess versucht der Musikdokumentarfilmer Morgan Neville mit 20 Feet from Stardom auf die Spur zu kommen und hat dafür – neben den eigentlichen, unbekannten Stars seines Films – auch einige große Namen vor die Kamera bekommen.

Bruce Springsteen, Sting, Mick Jagger und Stevie Wonder geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von ihren Sängerinnen sprechen. Aus ihren überschwänglichen Lobeshymnen hört man aber auch ein gewisses Schuldbewusstsein heraus. Denn 20 Feet from Stardom ist nicht nur eine Liebeserklärung an die prächtigen weiblichen Stimmen der Popmusik, sondern auch ein Dokument des Scheiterns.

Die symbolischen sieben Meter (20 Feet) bis ins Rampenlicht erwiesen sich für viele der im Film porträtierten Sängerinnen als unüberbrückbare Distanz. Nur Darlene Love, die allerdings ihren Lebensunterhalt zeitweilig als Putzkraft verdiente, und Lisa Fischer haben auch als Solokünstlerinnen die verdiente öffentliche Anerkennung erhalten. Love wurde vor drei Jahren in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, Fischer gewann 1992 einen Grammy als beste R-'n'-B-Sängerin. Danach verschwand auch sie in der Versenkung, obwohl sie bis heute regelmäßig mit den Rolling Stones auf Tour geht.