"Guck doch mal Sport für die TV-Kolumne", heißt es aus der Redaktion. Das ist einfach gesagt. Denn wenn nicht gerade Fußball läuft, Wintersportsaison oder Olympia ist, muss man schon genau suchen: Radsport? Abgesetzt wegen Dopings. Tennis? Abgesetzt wegen deutscher Erfolglosigkeit. US-Sport? Findet man mit viel Glück auf Sport1, dem Werbekanal mit Sportpausen. Doch es gibt noch einen Sender auf den hinteren Programmplätzen: Eurosport, die letzte Bastion für Sportfans und Randsportarten.

Eurosport zeigt so ziemlich alles, was bei drei nicht unter der Dusche ist: Leichtathletik, Volleyball, Motorsport, Hockey, und in einer überkandidelten Wednesday Selection Sportarten mit "Klasse und Eleganz": Snooker, Golf, Segeln, Pferdesport; eine Auswahl für die Rolexträger und Porschefahrer.

Für alle anderen gibt es das Kontrastprogramm mit der Strongman Champions League und Holzfällersport; Kraftmeierei im Doppelpack und das zur besten Sendezeit um 20 Uhr – auch das ist Eurosport: Hier wird die Quote noch per Hand gestemmt.

Wer Strongman-Wettbewerbe nicht kennt: Es ist so etwas wie Gewichtheben auf Stero… ok, schlechtes Beispiel. Sagen wir einfach, es ist so etwas wie Gewichtheben. Statt großer Männer, die in engen Anzügen Gewichte stemmen, gibt es beim Strongman große Männer, die in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Früher, auf den Jahrmärkten, wurden dafür Bratpfannen verbogen oder Telefonbücher zerrissen. Inzwischen ist der Sport längst professionalisiert und die Athleten messen sich beim Log Lifting oder dem Power Stairs Medley, was irgendwie immer noch ein wenig nach Rummel klingt.

Los geht es aber erst mal mit dem Klassiker Truckpull: 20 Meter muss ein Lastwagen an einem Seil gezogen werden. Während die Bewohner der Karibikinsel Martinique, die erste Station auf der diesjährigen Tour, im Hintergrund noch etwas ungläubig gucken, legen sich die Athleten ins Zeug. Der Schweiß läuft in Strömen, die Stiernacken kräuseln sich und die dick bandagierten Beine stapfen Meter um Meter nach vorne.

"Das Problem ist die Luftfeuchtigkeit, je nachdem wie die Verhältnisse sind", klärt das Kommentatoren-Duo wissend auf. Ahhh! Für einen Moment hatte ich geglaubt, das Problem seien die 21 Tonnen, die hinten am Seil hängen. Prompt müssen die ersten Teilnehmer "reißen lassen", wie es so schön heißt: Ein junger Norweger und auch der Titelverteidiger aus Polen haben Probleme.

So geht es weiter über insgesamt sieben Disziplinen. Es ist der urzeitliche Kampf von Mann gegen Masse, nur mit mehr Models, die zwischen den Disziplinen die überschaubare Meute unterhalten. "Maximum Human Performance" steht auf den Shirts der Athleten, und schon beim Zugucken bekommt man Muskelkater. "Der ist blau!" "Das kostet richtig Körner!" "Da macht der Muskel zu!", analysieren die Kommentatoren um die Wette. Strongman, das ist Betonblock-Poesie.

Natürlich gibt es auch große Emotionen: Gerald Gschiel aus Österreich hat sich in eine gute Position gebracht. Beim Tyre Flip kommt es dann tatsächlich zum Showdown. Gschiel gegen den führenden Serben Ervin Katona, ein Duell auf Augenhöhe: Fünfmal werden die riesigen Traktorreifen umgewuchtet, am Ende fehlt Gschiel eine halbe Sekunde. Für den zweiten Platz reicht es dennoch und damit für seinen bis dato größten Erfolg in der Champions League. Da werden schon mal ein paar Tränen unter Palmen vergossen, was schon das Zeug für eine ZDF-Telenovela hätte.