Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Er erlag einer Malariaerkrankung, teilte die Filmfirma Lotus mit. Glawogger hielt sich für Dreharbeiten in dem afrikanischen Staat Liberia auf. Er war seit Dezember 2013 mit seinem Filmteam auf Weltreise, um eine neue Dokumentation zu drehen. Das Projekt sollte sich in eine Serie globalisierungskritischer Filme einreihen.

Seine Werke werfen einen scharfen Blick auf die Schattenseiten der Globalisierung. In Whores' Glory schilderte Glawogger das Schicksal von Prostituierten, körperliche Schwerstarbeit in Schwellenländern setzte er mit Workingman's Death in Szene. Mit dem Film Megacities beleuchtete er die Metropolen Bombay, New York, Mexiko City und Moskau. Die Trilogie zu den Arbeitswelten war das Kernstück des Werks des preisgekrönten österreichischen Regisseurs, Drehbuchautors und Kameramanns.

Glawogger, in Graz geboren, studierte am San Francisco Art Institute und an der Wiener Filmakademie. Mit der Tragikkomödie Ameisenstraße (1995) wuchs seine Bekanntheit. Für das Dokudrama Kino im Kopf ließ er 1996 Profis und Laien einen Film skizzieren, den sie schon immer machen wollten.

International gelang ihm der Durchbruch 1998 mit dem Dokumentarfilm Megacities, der auf dem renommierten Sundance Film Festival gezeigt wurde. Die Reihe zur Globalisierung wollte Glawogger nun mit seinem Projekt fortsetzen, für das noch kein konkretes Konzept vorlag. "Es ist eine Carte blanche", hatte er die Produktion der Wiener Lotus Film und der Berliner Razor Film beim Aufbruch im Dezember 2013 umschrieben. Mit einem VW-Bus fuhr das kleine Team über den Balkan nach Italien, Marokko, Mauretanien, den Senegal, Guinea und Gambia. Über Sierra Leone gelangte Glawogger schließlich nach Liberia. In einem Blog für die Süddeutsche Zeitung beschrieb er seine Reiseerlebnisse.

Glawoggers Filme wurden mit zahlreichen Filmen ausgezeichnet

Eine Aufteilung der Welt in Gut und Böse lehnte er ab. "Ich brauche nicht zu bewerten, um Stellung zu beziehen. Ich muss nur das zeigen, was ich sehe", sagte er aus Anlass seines Films Whores' Glory. "Ich glaube, ein Film, der sich vornimmt, allen Zwischentönen eines Themas zu folgen, hat keine Zeit für die Einteilung in Gut und Böse, weil die ja auch nichts bringt." Es gebe neben dem Verbrechen des Menschenhandels und schwerem Drogenkonsums auch viele andere Aspekte eines Alltags, der ganz andere Fragen aufwerfe. "Der so oft geforderte moralische Bewertungsgedanke ist ja fast kunstfeindlich", betonte der Regisseur.

Glawogger erhielt zahlreiche internationale Preise: für Megacities den Wiener Filmpreis und für Workingman's Death den Europäischen und den Deutschen Filmpreis. Whores' Glory wurde 2011 bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury in der Reihe Orizzonti ausgezeichnet.