Wenn’s im Rücken zwickt und Verfolgungsjagden Schnappatmung verursachen, ist es für die meisten Action-Stars Zeit zum Bilanzieren. Wie möchte man von seinen Fans in Erinnerung behalten werden? Die letzte Karrierephase ist zugleich ein Charaktertest: Siegt die Vernunft über das Ego? Und wie viel Selbstironie verträgt sich mit dem Image des Actionstars? Bei Arnold Schwarzenegger steht ein abschließendes Urteil derzeit noch aus, ob das Altern in Würde seine letzte große Rolle werden wird.

Einerseits ist es ja grundsympathisch, dass es ihn nach seinem Ausflug in die Politik noch einmal zurück zum Film gezogen hat (egal ob mit echtem Herzblut oder doch nur für das gesalzene Schmerzensgeld an seine Ex-Frau). Es irritiert allerdings, dass Schwarzenegger seine Karriere genau dort wieder aufnimmt, wo er sie knapp zehn Jahre zuvor mit Terminator 3 aussetzte.

Clint Eastwood hatte in Schwarzeneggers Alter mit Erbarmungslos und In the Line of Fire bereits sein seriöses Spätwerk eingeleitet. Und was die ironische Demontage seines eigenen Images angeht, ist Schwarzenegger 1993 mit Last Action Hero schon weiter gewesen.

Die drei Filme seit Schwarzeneggers Amtszeit als Gouverneur (plus einem Cameo-Auftritt in Expendables 2) sind ganz in der Vergangenheit verhaftet, der jüngste, Sabotage, irgendwo zwischen Phantom Kommando und Predator aus seinen formativen Jahre als Actionstar. In denen hießen Schwarzeneggers Figuren noch John Matrix oder Dutch. Diesmal heißt sie Breacher, "der Brecher", und seine Kollegen haben so klingende Spitznamen wie Monster, Grinder und Pyro. 

Die einzige Frau in diesem Männerbund, gespielt von der zierlichen Mireille Enos, hört auf den schlichten Namen Lizzy, ist aber durchgeknallter als alle ihre stiernackigen und ganzkörpertätowierten Kollegen zusammen. Es gehört wohl zum Berufsethos professioneller Tough Guys, dass der Name wie eine Visitenkarte ausweisen muss, wie wenig Spaß man in diesem Metier versteht. (Es sei denn, es handelt sich um Witze über Männerfürze und Fäkalien, von denen es in Sabotage reichlich gibt.)

Die Männer gehören zu einer Spezialeinheit der amerikanischen Drogenpolizei DEA, die unter Leitung von Breacher/Schwarzenegger südamerikanische Drogenkartelle unterwandert. Kein Job, bei dem man sich viele Freunde macht – erst recht nicht, wenn man das Kartell nebenbei um zehn Millionen Dollar Drogengeld erleichtert. Aber auch innerhalb der Einheit gibt es einen Maulwurf. Die erbeuteten zehn Millionen verschwinden und plötzlich sterben Breachers Partner wie die Fliegen.

Der Regisseur und Drehbuchautor David Ayer (Training Day, End of Watch) ist ein Experte für dreckige Polizeifilme. Er bringt durchaus die Erfahrung mit, um Schwarzenegger eine anständige Rolle zu schreiben. Doch der Respekt vor der Action-Ikone Arnie scheint in Hollywood hemmende Wirkung zu haben.

Dem Debütanten Kim Jee-woon, dem Regisseur seines Comebacks The Last Stand, mochte man das noch durchgehen lassen. Aber auch Ayer setzt statt auf altersweise Selbstreflexion, die einem Actionstar in Schwarzeneggers Alter gut stünde, auf enthemmte Selbstparodie. Das ist nicht nur unter Schwarzeneggers Würde, es diskreditiert auch Ayers gelungenere Beiträge zum Genre des Polizeifilms.

Dabei kann man dem Regisseur Ambitionen, dem neuesten Schwarzenegger-Vehikel eine eigene Handschrift zu verpassen, nicht absprechen. Die unruhige Handkamera, die im Verité-Copdrama End of Watch noch als erzählerisches Stilmittel fungierte, verleiht den Actionszenen in Sabotage physische Wucht. Im Gegensatz zu etlichen Regie-Kollegen opfert Ayer die Übersichtlichkeit der Action im Schnitt nicht modischem Aktionismus.

Mit Liebe zur Verstümmelung

Manchmal geht die Kamera hier allerdings durch. Dann blickt der Zuschauer vom Ende eines Waffenlaufs in das Gesicht des Schützen (eine Art invertierte Egoshooter-Perspektive) oder während einer Autoverfolgungsjagd von der Ladefläche eines Pick-up-Trucks auf die getönte Heckscheibe.

Innerhalb eines ansonsten wenig innovationsfreudigen Formats wirken solche form-avantgardistischen Spielereien schon beinahe wie kreative Befreiungsschläge. Das gilt ebenso für die mit viel Liebe zum Detail ausgeschmückten Bilder von menschlichen Verstümmelungen. 

Einer der korrupten Cops wird mitsamt seinem Wohnmobil von einem Zug fein säuberlich über einen längeren Streckenabschnitt verteilt. Schwarzenegger darf später am Tatort Fähnchen in die dampfenden Überreste stecken. Ein anderer Kollege wird an die Decke genagelt, sodass aus seinem aufgeschlitzten Bauch die Eingeweide wie Girlanden in den Raum hängen.

Diese bizarren Ausflüge in das Genre des Torture-Porn verfolgen keine Programmatik. Sie sind nur Teil einer Matthew-Barney-artigen Strategie, dem Mythos eines Auslaufmodells ein paar letzte starke Bilder zu verpassen: knirschendes Metall, blutiges Gedärm, gerötete, poröse Haut, die sich papyrusähnlich über muskulöse Körperpartien spannt. Auch Arnold Schwarzenegger wird sich am Ende als Normalsterblicher erweisen. In Sabotage darf er jedoch, allen äußeren Umständen zum Trotz, noch einmal den ganz Starken spielen.