Agatha (Mia Wasikowska) ist 18 und kommt gerade aus einer geschlossenen Anstalt. Dort lebte sie mithilfe unterschiedlicher Medikamentencocktails, seit sie als Kind ihrem kleinen Bruder Schlaftabletten gegeben und danach das Haus über ihm angezündet hatte. Der Bruder wurde damals unverletzt gerettet, bevor die Villa in den Hollywood Hills in Asche lag. Agathas Eltern bedauern seitdem aber, dass sie ihre Tochter nicht schon unmittelbar nach der Entbindung per Gerichtsbeschluss von sich fernhielten.  

Irgendwann wird Agatha Sex auf den Überresten ihres pyromanischen Anfalls haben und einen ziemlich hässlichen Mord begehen. Dennoch: In David Cronenbergs jüngstem Film Maps to the Stars ist die junge Frau die einzige Figur, deren Tun nachvollziehbar erscheint.

Am Anfang sei es gar kein richtiges Drehbuch gewesen, das ihm der Autor Bruce Wagner vorgelegt habe, sagt Cronenberg in Cannes. Es sei ihm vielmehr wie eine Katharsis vorgekommen. Die sei auch für ihn notwendig geworden nach all den Jahren Hollywood, in denen selbst ein angesehener Regisseur wie er, Cronenberg, acht bis zehn Jahre braucht, um eine Idee in einen Film zu verwandeln. Zwischendurch sei das Projekt aufgrund der ausländischen Co-Finanzierung ins Stocken geraten, weil nicht beide – Autor und Regisseur – US-Amerikaner sein dürften. Really crazy, dieses Business, will Cronenberg also zeigen.

Da das keine ganz neue Erkenntnis ist, haben die beiden dann mit dem finalen Skript gehörig übertrieben. Der Film beginnt mit einer Szene von Agathas kleinem Bruder (Evan Bird), der inzwischen 13 und ein Kinderstar ist, vom Erfolg millionenfach verwöhnt, aufrichtig unausstehlich und eine allzu offensichtliche Justin-Bieber-Karikatur.

Seine und Agathas Mutter (Olivia Williams) ist ein zu viel rauchendes Nervenbündel, der Vater (John Cusack) eine Art Coach/Therapeut/Guru für die Hollywood-Klientel. Unter ihnen die Schauspielerin Havana (Julianne Moore), die das Alter erreicht hat, in dem sie entweder Charakterrollen bekommt oder nicht mehr gecastet wird. Die groteskeste Szene ist dann auch die, in der sie vom Unfalltod des kleinen Sohns einer Kollegin erfährt. Die Mutter des Jungen bricht zusammen, und das bedeutet, dass Havana eine ersehnte Rolle doch noch bekommt. Havana singt und tanzt und ist das einzige Mal in dem Film glücklich.

Tonlage des hysterischen Schwachsinns

Sicher, das ist alles als schwarze Satire gemeint, die sich flott zur Grotesken entwickelt. Aber wozu? In Hollywood träumt jeder vom großen Ruhm, gar von der Unsterblichkeit, und jeder hat es mit jedem, wenn auch nicht gleich in so inzestuösem Sinne wie in Maps to the Stars, mehr so im kreativen Sinne. Schon klar, aber das klingt, pardon, auch ein wenig zu laut nach Selbstmitleid.

Dass der Film ganz schnell ermüdet, liegt nicht an den Darstellern (selbst Robert Pattinson spielt seine Nebenrolle als hirn- und herzloser Chauffeur ordentlich). Es liegt am Drehbuch, das keine andere Tonlage als die des hysterischen Schwachsinns kennt. Die einzige, die so etwas wie ein poetisches Schillern hineinbringt, ist Mia Wasikowska auf ihrer zarten Suche nach Vergebung.