Boshafte Menschen dürften auch in Tom Cruise' neuestem Science-Fiction-Epos Edge of Tomorrow auf der Suche nach versteckter Scientology-Propaganda wieder fündig werden. Ist seine Figur nicht das perfekte Beispiel für die Überwindung des physischen Körpers durch den kosmischen Thetan? (Ignorieren müsste man für diese Interpretation allerdings das Ende, das wie in jedem Hollywood-Blockbuster auf die Wiederherstellung des Heldenkörpers hinausläuft.)

Und dann diese unendliche Leidensfähigkeit, die den Helden unzählige Tode und ebenso viele Wiederholungen desselben Tages klaglos und mit höchstens einer zarten Andeutung innerer Erschöpfung erdulden lässt.

Edge of Tomorrow ist ein Fest für Tom-Cruise-Hasser: Noch nie konnten sie ihr Feindbild so oft in spektakulären Szenarien zerfetzt, plattgefahren, verbrannt, in die Luft gesprengt und in den Erdboden gerammt sehen. Und ist der Film am Ende nicht auch ein Lehrstück darüber, seine Angst durch eine sich ständig wiederholende Todesgefahr zu überwinden?

Auf dem Papier liest sich Edge of Tomorrow in der Tat wie harter Tobak. Ein brachialer Kriegsfilm, basierend auf einer leichten japanischen Military-Science-Fiction-Vorlage. Cruise gibt darin einen hochdekorierten Major, der aus Feigheit vor dem Feind (außerirdische Invasoren) zum Fußsoldaten degradiert und an die vorderste Front einer hoffnungslosen Schlacht geschickt wird – wo er über sich hinauswächst.

Klingt nach unverhohlenem Erbauungskino der stumpfesten Sorte. Ausgerechnet England muss hier als letzte Bastion der freien Welt herhalten. Für die entscheidende Schlacht um das besetzte Europa planen die United Defense Forces (UDF) die Landung in der Normandie (ein guter beiläufiger Witz im US-zentristischen Hollywoodkino). Dort treffen die Truppen auf einen übermächtigen Gegner, der die schwer bewaffnete Infanterie in einer fulminanten, an die Eröffnungsszene von Der Soldat James Ryan angelehnten Abnutzungsschlacht rasch dezimiert.

Täglich stirbt das Murmeltier

Major William Cage (Cruise) ist definitiv nicht der Held, auf den dieser Krieg gewartet hat. Winselnd wird er mit einem dreckigen Dutzend Hasardeure über dem Schlachtgetümmel abgeworfen – und überlebt keine fünf Minuten. Das unfreiwillige Bad im Alienblut verwandelt ihn allerdings in eine Art modernen Siegfried: Der verdutzte Soldat findet sich unversehens in einer Zeitschleife wieder. Sein wenig heldenhafter Tod setzt den Tag der letzten Schlacht aus unerklärlichen Gründen wieder auf Anfang zurück. Es wird für ihn ein verdammt langer Tag, das Murmeltier lässt grüßen.

Mithilfe der Rockstarsoldatin Angel of Verdun (Emily Blunt), von den Kameraden ehrfurchtsvoll auch Full Metal Bitch genannt, muss er wie in einem Videospiel Fähigkeiten und Wissen erlernen, um die schicksalshafte Niederlage am Strand der Normandie abzuwenden. Sein Reset-Knopf ist die Kugel im Kopf.